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Ein typisches Bild des Angeklagten:  Während der Verhandlung hielt Ziad K. den Kopf stets gesenkt. Foto: A/phs
Ein typisches Bild des Angeklagten: Während der Verhandlung hielt Ziad K. den Kopf stets gesenkt. Foto: A/phs

Lebenslänglich für zwei Morde

ca Lüneburg. Ein Mord ist immer grausam. Doch manchmal bringen Menschen andere Menschen besonders fürchterlich um. So wie am 4. Januar dieses Jahres in Kaltenmoor, als an der Adolf-Reichwein-Straße zwei Frauen starben. Staatsanwalt und Nebenkläger schilderten in ihren Plädoyers in Saal 121 des Landgerichts einen ungeheuren Ausbruch von Gewalt. Der Angeklagte Ziad K. saß währenddessen zusammengesunken da, Kopf gesenkt, Augen geschlossen. Ein Häuflein Elend, er wirkte wie ein Opfer. Aber es muss eine andere Seite in diesem Mann geben, eine, die ihn explodieren ließ aus einer Mischung aus Angst, dass seine Frau ihn verlassen könnte, und der Furcht, dass die Frau vom jesidischen zum christlichen Glauben wechseln würde.

K. hatte während des Prozesses durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen lassen. Danach war es am Tattag in der ehelichen Wohnung zu einem Handgemenge gekommen. Er, der Angeklagte, habe sich bedrängt gefühlt. Die Freundin seiner Frau habe ihn wegen seiner Religion verhöhnt und ihn aufgefordert, die eheliche Wohnung zu verlassen. Unter diesem Druck sei es zum Handgemenge gekommen, unter diesem Druck habe er die Frauen erstochen. An sich sei er ein liebevoller Vater und toleranter Mann, der kein Problem damit gehabt habe, dass seine Frau sich von jesidischen Werten lösen wollte.

Diese Version zerpflückten Staatsanwalt und Nebenkläger: Die Spuren und die Aussagen mehrerer Zeugen ergäben ein anderes Bild: Danach hatte der Angeklagte bereits in der Vergangenheit Frau und Kinder geschlagen. Das habe beispielsweise die älteste Tochter in einer Vernehmung durch das Gericht ausgesagt. Auch dass die Freundin der Frau das Jesidentum und den Angeklagten lächerlich gemacht und sich aggressiv gegen Ziad K. gewandt habe, sei wenig glaubhaft. Im Gegenteil: Zeugen hätten sie als warmherzige Frau beschrieben, die sich für andere eingesetzt habe, auch wenn sie anderen Glaubens sind.

Am 4. Januar soll Ziad K. überraschend einen christlichen Gottesdienst mit den Frauen besucht haben. Für den Nachmittag brachte er seine drei Kinder bei Verwandten unter. Er war mit seiner Frau in der Wohnung, als die Freundin dazukam. Dort kam es zum Streit. Aufgrund der Spurenlage geht der Staatsanwalt davon aus, dass K. seine Frau ins Bad sperrte, dann 18mal mit einem Küchenmesser auf die Freundin einstach.

Dann drang er ins Bad ein, rammte ein anderes Messer immer wieder in den Körper seiner Frau. Sie verblutete langsam, starb mindestens eine halbe Stunde nach dem Angriff, jede Hilfe kam zu spät. Eine Polizistin hielt ihre Hände.

Dabei ging der Angeklagte aus Sicht der Nebenkläger kaltblütig vor. Er wimmelte Nachbarn ab, die nach Hilfeschreien der Ehefrau fragten, was los sei. Er hatte ein Telefonkabel herausgerissen, er zog sich nach der Tat um, holte Geld aus einem Bankautomaten und flüchtete. All das spreche für Mord in zwei Fällen, die Forderung: lebenslange Freiheitsstrafe und eine besondere Schwere der Schuld. Denn belastend komme hinzu, dass Ziad K. selber kein Wort der Entschuldigung gefunden habe, dass fünf Kinder ohne ihre Mütter aufwachsen müssen. Erkennt das Gericht auf die besondere Schwere der Schuld, kann Ziad K. nicht mit einer vorzeitigen Entlassung aus der Haft rechnen.

Der Verteidiger will am Donnerstag, 17. September, plädieren. Voraussichtlich fällt die Kammer dann auch ein Urteil.