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In vielen Lüneburger Hinterhöfen sorgen Tauben für Ärger, weil sie alles verdrecken. Inge Prestele vom Verein Hamburger Stadttauben setzt in Hamburg gerade das Augsburger Modell um und regt diese Art Taubenkonzept auch für Lüneburg an. Foto: t&w
In vielen Lüneburger Hinterhöfen sorgen Tauben für Ärger, weil sie alles verdrecken. Inge Prestele vom Verein Hamburger Stadttauben setzt in Hamburg gerade das Augsburger Modell um und regt diese Art Taubenkonzept auch für Lüneburg an. Foto: t&w

Kost & Logis für die Tauben? Umweltausschuss diskutiert Konzept

cec Lüneburg. Was Tauben angeht, pflegen wir gerne eine Doppelmoral. Auf Papier sind sie geschätzt als Zeichen für den Frieden, Symbol des Heiligen Geistes, der Liebe und Treue. Wenn sie in der Realität aber das Stadtbild mit ihrem Kot verschandeln und Gäste in den Außenbereichen der Restaurants nerven, ist auch schnell mal der Begriff Ratten der Lüfte zur Hand. Wie ist die Lage in Lüneburg? Braucht die Stadt ein Taubenkonzept, um regulierend in den Bestand einzugreifen? Diese und weitere Fragen der Grünen behandelt der Umweltausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 14. September.

Eine, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und für ein Taubenkonzept in Lüneburg plädiert, ist Inge Prestele. Die zweite Vorsitzende des Vereins Hamburger Stadttauben plant derzeit gemeinsam mit ihren Mitstreitern und dem dortigen Tierschutzverein die Umsetzung von 30 Taubenschlägen, die in den kommenden zehn Jahren in der Hafenmetropole aufgebaut werden sollen. Auch im Lüneburger Tierschutzverein ist sie jetzt in Sachen Tauben aktiv.

Grundlage der Arbeit des Vereins Stadttauben ist das „Augsburger Modell“, welches Prestele im vorigen Jahr vor Ort in Bayern in Augenschein genommen hat. Die 284000-Einwohner-Stadt habe lange mit einem extremen Taubenproblem zu kämpfen gehabt, berichtet die Expertin, die Verwaltung habe sogar eigens zwei Jäger zum Abschießen der Vögel angeheuert: „Das hat zu großen Protesten in der Bevölkerung geführt, die mit den sterbenden und toten Tieren konfrontiert und entsetzt waren.“

Abhilfe schuf die Errichtung von mittlerweile 14 betreuten Taubenschlägen. „Hier bietet man den Tauben artgerechtes Futter und Unterkunft“, erklärt Prestele, „wenn die Tiere Vertrauen gefasst haben, nach zirka einem halben Jahr, kann man dann beginnen, die Eier im Gelege gegen Gipseier auszutauschen und so den Bestand zu regulieren.“ Eine Maßnahme, die allen entgegenkäme: „Die Tiere müssen nicht mehr nach Futter suchen und betteln, die Menschen die bettelnden Tiere und in der Folge den Kot nicht mehr um sich haben.“ Nach der Erfahrung würden gut 80 Prozent des Kots, den die Tiere absetzen, in den gestreuten Taubenschlägen landen. Die Tiere seien außerdem gesünder, da auch tierärztliche Betreuung zum Konzept gehört.

In Hamburg werden Tierschutz- und Stadttaubenverein in den kommenden zehn Jahren jeweils drei Taubenschläge pro Jahr aufstellen, beginnend mit einem auf der Hauptmoschee, einem zweiten auf dem Karstadt-Sporthaus an der Mönckebergstraße und einem dritten, dessen Ort geheim gehalten werden soll, berichtet die Fachfrau. 25 Standorte habe man anfangs angefragt, die Moschee habe sich als erstes zurückgemeldet. „Die mögen Tauben, weil Mohammed von einer Taube vor seinen Häschern gerettet wurde.“

Auf rund 12000 Euro belaufen sich die einmaligen Errichtungs-, auf knapp 10000 Euro die jährlichen Unterhaltskosten für einen Hamburger Taubenschlag. Für Lüneburg setzt Prestele die Errichtungskosten mit 5000 Euro knapper an, da die Vogelhäuser hier in Dachböden integriert werden könnten. Drei davon würden für die geschätzten 600 bis 700 Tauben in der Salzstadt ausreichen.

Prestele fordert die Umsetzung des Konzepts auch, weil sie die Stadt in der Pflicht sieht, sich zu kümmern, da die Vögel allein nicht dazu fähig seien. „Die Tauben in der Stadt sind laut einer Studie der tierärztlichen Hochschule Hannover alles Nachkommen von Zuchttauben, und sie sind darum nicht mehr in der Lage, ihre Fruchtbarkeit zu regulieren.“ Frei lebende Ringeltauben würden, wenn sie unter Nahrungsnot leiden, keinen Nachwuchs mehr bekommen. „Aber die Zuchttauben legen weiter, auch wenn sie verhungern, sie brüten sechs bis sieben Mal im Jahr“, so Inge Prestele.

Das sagen die Gastwirte

Um sich ein genaues Bild von der Lage vor Ort zu machen, hat Inge Prestele vom Verein Hamburger Stadttauben mit vielen Lüneburger Gastwirten gesprochen. „20 Gastronomen habe ich angesprochen, 16 davon haben gesagt, das Konzept sei eine gute Idee, zwei fanden es eine super Idee“, berichtet die Tauben-Expertin. Die LZ hat nachgehakt.

Sehr zu schaffen machen die Tauben der Betreiberin des „Pons“, Heidi Balzer, deren Außenbestuhlung unter den Bäumen an der Ilmenau platziert ist, und die deshalb das Taubenkonzept unterstützt. „Sie machen viel kaputt, und es sind auch zu viele.“ Verschlechtert habe sich der Zustand, seitdem die Stadt die Fahrradständer von der Lüner Straße umgesetzt habe an die Salzstraße am Wasser, dort würden jetzt auch die Räder zugekotet.

„Das Konzept macht Sinn“, findet auch Daniela Exner von Annas Café. „Ich finde es gut, dass sich um die Tauben gekümmert wird, sie waren schließlich vor uns hier. Und hier auf den Hinterhöfen ist das ja auch kein Zustand. Da kann man Nägel einschlagen und Spieße aufstellen, so viel man will — die Tauben setzen sich dazwischen.“

Auch Stintwirt Manfred Vogt vom Schallander findet das Konzept gut. „Ich habe mich zwar selbst entsprechend geschützt mit Taubendraht auf den Dächern und Simsen. Aber im Sinne der Allgemeinheit wäre es nicht schlecht, wenn die Population auf dem sanften Weg kontrolliert würde.“