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Für Unterhaltung sorgten der populäre Schauspieler Burkhard Schmeer mit seiner Ehefrau, der Choreografin und Tänzerin Kerstin Kessel (l.), sowie der Schauspielerin Isabel Arlt. Foto: ina
Für Unterhaltung sorgten der populäre Schauspieler Burkhard Schmeer mit seiner Ehefrau, der Choreografin und Tänzerin Kerstin Kessel (l.), sowie der Schauspielerin Isabel Arlt. Foto: ina

Tag des offenen Denkmals: Multikulti in alter Musikschule

ina Lüneburg. Interkulturell, intergenerationell, integrativ — die Schlagworte auf dem Flyer können gar nicht zu viel versprechen, wenn es um die Vorstellungen der Projektpartner geht. Ihr gemeinsames Ziel heißt „Haus der Kulturen“ und wird ab spätestens 2017 in einem Teil der Alten Musikschule residieren. Am Tag des offenen Denkmals führte Rainer Steffens, Architekt des für den Umbau beauftragten Planungsunternehmens Conplan GmbH, Gruppen von jeweils bis zu sechzig Interessierten durch die sich im Umbau befindlichen Räumlichkeiten.

„Sehen Sie, in diesen kleinen Raum passen schon jetzt fast hundert Personen“, erklärte der in Lübeck heimische Stadtplaner. Nach Abriss der Zwischenwände soll in der 1888 erbauten Alten Feuerwache ein Saal mit Café entstehen, in dem „kulturelle, musikalische und kulinarische Veranstaltungen“ stattfinden sollen. Da jedes Gewölbe im Raum über eine gusseiserne Stütze verfügt, wäre es „doch viel spannender“ den Raum nach den beiden Umbauphasen ab 1930 und 1966 wieder in alter Größe und Stattlichkeit erstrahlen zu lassen. Dafür wird der Boden wieder der Straße angepasst, das heißt rund 50 Zentimeter gesenkt, und der Eingang zur Straße hin versetzt. „Wie die Alhambra“, benannte der mit viel frischem Elan Vortragende das Planungsziel, erntete jedoch beim bewusst übertriebenen Vergleich mit der glamourösen Stadtburg von Granada vereinzelte Lacher.

Als Projektpartner für diesen Gebäudeteil agiert eine Stiftung aus insgesamt neun auf dem Flyer genannten Institutionen, unter anderem die „Willkommensinitiative“, AWO, Diakonie, Herbergsverein und Leuphana Universität. Entsprechend soll laut Infotext ein Ort entstehen, an dem „auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Migration stattfinden kann“.

Rainer Steffens führte im Anschluss durch die Räume in den Obergeschossen. Dort wird gerade die Basis bereitet für fünf Wohngemeinschaften von Studenten unterschiedlicher Herkunft und zwei Wohnungen für Flüchtlingsfamilien.

„Möglichst viel Geld“ sollte das Projekt, laut Architekt, in die Stadtkasse spülen, dies hätte beim Investoren-Wettbewerb den Ausschlag gegeben. Im sogenannten „Uhrenhaus“ werden entsprechend zwölf Eigentumswohnungen geschaffen, die für einen Quadratmeterpreis von schätzungsweise bis zu 4500 Euro angeboten werden beziehungsweise bereits verkauft wurden. Attraktiv wären diese eher für „Investoren mit Kapital“, da diese die Abschreibungsmöglichkeiten im Denkmalschutz für sich nutzen können. „Die hohen Kosten liegen aber auch am Bieterpreis, der für Lüneburg in diesem Fall vier Mal höher war als für ein vergleichbares Objekt in Lübeck“, verriet der Experte. Um dann aber gleich möglicherweise erhitzte Gemüter zu besänftigen: „Das Geld kommt ja letztendlich dem Allgemeinwohl zugute.“ In Richtung Straße ist eine Gewerbeeinheit von 30 Quadratmetern geplant.

Der Innenhof wird mit dem Jugendzentrum gemeinsam genutzt, Autos sollen dort keinen Platz mehr finden. Die Linde vor dem Uhrenhaus muss jedoch weichen, da sonst die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten werden können.

Im kleinen Haus werden vier Eigentumswohnungen entstehen, über den großen Trakt neben der Sparkasse wird aktuell noch verhandelt.