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Besuch im Schiffshebewerk (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert, WSA-Leiter Martin Köther, Staatssekretär Enak Ferlemann und Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Foto: t&w
Besuch im Schiffshebewerk (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert, WSA-Leiter Martin Köther, Staatssekretär Enak Ferlemann und Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Foto: t&w

Giga-Projekt oder Nadelöhr?

kre Scharnebeck. In Scharnebeck soll das weltweit größte Kanal-Schleusenbauwerk entstehen. „Gigantisch, beeindruckend, absolut notwendig…“An Superlativen fehlte es gestern nicht beim Termin mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), Bundestagsabgeordneten und Vertretern aus Wirtschaft und Schifffahrtsverwaltung. Auch nicht an Beteuerungen, wie wichtig das Bauwerk sei, um die steigende Zahl von Containern aus dem Hamburger Hafen abzutransportieren.

Eingeladen hatte die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, um erneut aktiv für die Aufnahme des Bauprojekts in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes zu werben.

Denn laut Verkehrsprognose für das Jahr 2030 wird das bestehende Schiffshebewerk mit seinen beiden Trögen in spätestens fünf bis acht Jahren an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Höchste Zeit also aus Sicht von Wirtschaft, Verwaltung und Politik, die Planungen für das Mega-Projekt voranzutreiben. Zumal der niedersächsische Landtag die Notwendigkeit der 250 Meter langen Schleuse am Elbe-Seitenkanal ebenso sieht, wie die Stadt Hamburg. Selbst Naturschutzverbände unterstützen das Vorhaben, IHK und Wirtschaftsverbände sowieso. Also alles im Lot?

Nicht ganz. 250 Millionen Euro soll die Realisierung des gigantischen Aufstiegsbauwerks kosten — nach ersten vorsichtigen Schätzungen. Und wenn es ans Geld geht, wird auch Staatssekretär Ferlemann spürbar schmallippig. Ein „Jawohl, wir werden bauen“, war Enak Ferlemann gestern bei seinem Besuch in Scharnebeck jedenfalls nicht zu entlocken. Allerdings das Versprechen, sich im Bundestag und in der Politik für das Projekt einzusetzen.

Schließlich sei es erklärtes Ziel, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und vor allem auch auf das Wasser zu bringen. „Auf dem Elbe-Seitenkanal können die Container-Schiffe durchgängig zweilagig fahren, auf der Elbe sogar dreilagig“, erinnerte der Staatssekretär — also mit drei Containern übereinander. Allerdings nur dann, wenn es der Wasserstand der Elbe zulässt. Für Ferlemann ist deshalb klar: „Wir müssen auch die Elbe ertüchtigen.“ Eine Aussage, die ein IHK-Vertreter aus Hamburg zufrieden zur Kenntnis nahm. Er lobte ausdrücklich, dass der Staatssekretär die Elbe und den Elbe-Seitenkanal als ein Paket betrachtet. Er machte aber auch unmissverständlich deutlich: „Der Elbe-Seitenkanal ist das Rückgrat des Hamburger Hafens für die Binnenschifffahrt ins Hinterland.“

So könnte die Schiffschleuse in Scharnebeck technisch aussehen. Seit 2009 sind die Ingenieure an den Vorplanungen. Foto: BAW
So könnte die Schiffschleuse in Scharnebeck technisch aussehen. Seit 2009 sind die Ingenieure an den Vorplanungen. Foto: BAW

Technisch machbar sei der Bau der Schleuse, versicherte Martin Köther, Amtsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Uelzen (WSV). Auch wenn etliche Unwägbarkeiten zu beachten seien, die Nähe zum vorhandenen Schiffshebewerk eine besondere Herausforderung darstelle: Der immense Druck etwa, den ein solches Bauwerk beim Bau und vor allem später beim Betrieb erzeuge: ,,Das sind Drücke, die bis zu 250 Meter tief ins Erddreich reichen“, zeigte sich Ferlemann beeindruckt.

Allerdings ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht klar, ob das Projekt überhaupt jemals über die Planungsphase hinaus kommen wird. „Denn ein ganz wesentlicher Faktor wird der Kosten-Nutzen-Faktor sein, der deutlich über Eins liegen muss“, machte der Staatssekretär deutlich, setzte aber kämpferisch nach: ,,Ich hoffe, dass wir das hinbekommen werden.“ Nicht zuletzt auch mit Blick auf das Volkswagenwerk in Wolfsburg und das Stahlwerk in Salzgitter, die vermehrt ihre Rohstoffe auf dem Wasserweg transportieren wollen.

Entscheiden müsse aber letztlich der Bundestag, welche Projekte in den Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufgenommen werden und welche nicht. Nicht nur für IHK-Chef Zeinert ist klar, was das bedeutet: „Kommt die Schleuse Ende des Jahres nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2015, ist sie für die nächsten 25 Jahre vom Tisch.“ Dann bleibt Scharnebeck das Nadelöhr im norddeutschen Wasserstraßennetz.