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Die Brunftzeit des Rotwildes hat auch in der Göhrde begonnen. In der kommenden Woche bietet das Forstamt Göhrde Führungen zu den Brunftplätzen an. Foto: rg
Die Brunftzeit des Rotwildes hat auch in der Göhrde begonnen. In der kommenden Woche bietet das Forstamt Göhrde Führungen zu den Brunftplätzen an. Foto: rg

Rotwild röhrt in Ruhe

rg Göhrde. Es ist blanker Stress. Die Brunftzeit des Rotwildes führt die Tiere an den Rand der Erschöpfung. Gerade die Hirsche, die ihre Brunftplätze gegen Konkurrenten verteidigen und um die Gunst der Weibchen buhlen müssen. Und die Hirschkühe sind dem ständigen Werben und dem Nachstellen der Platzhirsche ausgesetzt. Die rund einmonatige Brunftzeit beginnt jetzt — und mit ihr, wie schon in den vergangenen Jahren, ist ein Betretungsverbot für die Göhrde, eines der größten Rotwildreviere Nordostniedersachsens, in Kraft getreten. Das heißt: Zwischen 17 Uhr am Nachmittag und 9 Uhr morgens ist das Betreten und Befahren des ausgedehnten Waldgebietes außerhalb der öffentlichen Straßen und Wege verboten. Um dem Rotwild in der Göhrde Ruhe zu verschaffen. Eine Maßnahme, die erste Erfolge zeigt, heißt es vom Forstamt Göhrde.

„Ziel dieser Maßnahme ist es, in diesem beliebten und urtümlichen Waldgebiet dem Rotwild wieder einen vertrauten und auch für den Menschen erlebbaren Tagesrhythmus zu ermöglichen“, sagt Förster Peter Pabel. Denn eigentlich ist das Rotwild tagaktiv, hatte sich nur in den zurückliegenden Jahrzehnten in die Nacht zurückgezogen, um dem Menschen, der in das Revier drängte, aus dem Weg zu gehen. Dass es nun in der Brunftzeit ruhiger geworden ist in der Göhrde, habe bereits jetzt zur Folge, dass das Rotwild wieder verstärkt an weniger versteckten Orten in der Göhrde der Brunft nachgeht — und damit auch vom Menschen beobachtet werden kann.

Dafür hat das Forstamt bereits vor einigen Jahren mehrere Beobachtungskanzeln aufgestellt. Dort, an gut zugänglichen Brunftplätzen, können Besucher tagsüber, also außerhalb der Zeit des Betretungsverbotes, zuschauen, wie die Hirsche röhren und manchmal auch kämpfen. Auch in der Nacht, der Hauptzeit der Brunft. Das jedoch nur unter fachkundiger Anleitung von Forstamtsmitarbeitern. Dafür bietet das Forstamt am Donnerstag, 24., Freitag, 25., und Sonnabend, 26. September, jeweils ab 18 Uhr geführte Wanderungen zu diesen Kanzeln an. Treffpunkt ist an allen drei Tagen der Parkplatz vor der Forstverwaltung in Göhrde.

Die Wanderungen beginnen mit einem Diavortrag, der den Besuchern Informationen zum Thema Göhrde und Hirschbrunft an die Hand geben soll, bevor es dann in der Dämmerung zu Fuß ins Revier geht. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt, Anmeldungen unter %05855/97870. Die Führung dauert inklusive Vortrag rund dreieinhalb Stunden, festes Schuhwerk ist Pflicht.

Das Rotwild ist die größte Wildart in Deutschland und gehört zu den größten Landtieren Europas. Ausgewachsene Tiere erreichen nicht selten ein Gewicht von über 200 Kilo und eine Schulterhöhe von 1,50 Metern. Rotwild lebt in Rudeln von einigen Tieren, kann sich aber zeitweise auch zu Großrudeln mit einigen 100 Tieren formieren. Während der jetzt beginnenden Brunft finden sich die aus Weibchen bestehenden Rudel auf den Brunftplätzen ein, wo sie vom Platzhirsch in Beschlag genommen und abgeschirmt werden. Das kostet vor allem den Platzhirsch viel Kraft — er verliert in der Brunftzeit bis zu 25 Prozent seines Körpergewichts.