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9¿113 Tonnen Abfall sammelte Lüneburgs Abfallentsorger GfA im vergangenen Jahr ein. Foto: kre
9¿113 Tonnen Abfall sammelte Lüneburgs Abfallentsorger GfA im vergangenen Jahr ein. Foto: kre

Müllberg wächst weiter

us Lüneburg. Lüneburg wächst, und mit steigender Einwohnerzahl wachsen in der Hansestadt auch die Abfallmengen. 59113 Tonnen Abfall sammelte Lüneburgs Abfallentsorger GfA im vergangenen Jahr ein, knapp 4000 Tonnen mehr als 2013. Gesunken hingegen ist davon der Anteil der verwerteten Abfälle, er sank von 60,9 Prozent in 2013 auf 57,1 Prozent in 2014. Parallel stieg im gleichen Zeitraum der Anteil der Abfälle, die einer Beseitigung zugeführt wurden, von 18,4 auf 20,7 Prozent. Die aktuellen Zahlen stellte die GfA in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses vor.

„Wenn man den Blick allein auf die Zahlen der öffentlichen Sammlung richtet, also ohne die direkt angelieferten Abfälle, sieht es deutlich besser aus“, führte GfA-Mitarbeiter Erich Tegtmeyer aus. In diesem Bereich, zu dem Hausmüll, Sperrmüll, Altpapier, Altglas, Altmetall, Altholz sowie kompostierbarer Abfall und Leichtverpackungen (Gelber Sack) gehören, fielen im vergangenen Jahr 40072 Tonnen an, knapp 800 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Die Quote der verwerteten Abfälle lag hier bei 80,8 Prozent und damit nur geringfügig über der von 2013.

Auch wenn die Zahlen bezogen auf die Einwohnerzahl sich seit ein paar Jahren auf anhaltend gleichem Niveau halten, sind sie im Vergleich zu 1996 deutlich gesunken. Während damals noch 235 Kilogramm Hausmüll pro Einwohner und Jahr anfielen, waren es 2014 nur noch knapp 150 Kilogramm. „Der Grund ist aber nicht, weil weniger gekauft wird“, erklärte Tegtmeyer. Entscheidend hierfür sei vielmehr die Einführung der Braunen Tonne und des Gelben Sacks. Das höhere Umweltbewusstsein zeige sich auch beim Altpapier: Hier stieg im selben Zeitraum die eingesammelte Menge von 78 auf 106 Kilogramm pro Einwohner. Tegtmeyer machte zugleich deutlich, dass nur noch minimal an den „Stellschrauben“ zur weiteren Verbesserung der Abfallbilanz gedreht werden könne. „Nur weitere Abfallvermeidung ist wirklich hilfreich“, machte Tegtmeyer deutlich.

Während die Kosten für die öffentliche Abfallentsorgung im Bilanzjahr um 40000 Euro auf 6,5 Millionen Euro gesunken sind, sei laut Tegtmeyer für die Zukunft eher mit steigenden Kosten und damit auch Preisen für Lüneburger Haushalte zu rechnen. Als Grund nannte er Überkapazitäten bei den Müllverbrennungsanlagen, die dazu führten, dass immer mehr Abfall aus dem Ausland nach Deutschland geholt werde. In den Griff bekommen habe man zudem das Sickerwasser-Problem auf der Deponie in Bardowick. Durch eine Zweidrittel-Abdeckung habe man die Sickerwassermenge von 45 auf jetzt 15 Kubikmeter senken können. „Das schafft unsere Anlage gut.“

Um eine technische Anlage ging es auch beim Thema „Saisonaler Wärmespeicher für Lüneburg“. Wie berichtet, hat die Leuphana ein Projekt entwickelt, mit dem überschüssige Wärme aus Blockheizkraftwerken oder Industrieproduktion per Tiefenbohrung in einem Grundwasserleiter gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden kann. „Auf diese Weise kann man Wärme aus dem Sommer in den Winter mitnehmen“, erläuterte Dr. Olaf Opel im Ausschuss das Prinzip. Die Brennstoffauswertung sei deutlich effektiver als ohne Speicher, die Energie könne für die vier Nahwärmebereiche der Stadt genutzt werden.

Aus Sicht der Stadt sei derzeit noch keine Bewertung des Projekts möglich, erklärte Umweltdezernent Markus Moßmann. Zwar gebe es keine grundsätzlichen Bedenken, Problem könnten aber Bohrungen insbesondere im Senkungsgebiet der Stadt sein. „Das Schlimmste, was uns passieren kann, wäre Ärger mit dem Grundwasser“, sagte Ausschussvorsitzender Eckhard Neubauer (SPD). Die Runde kam überein, dass die Stadt zur Weiterverfolgung des Projekts die Beteiligten an einen Tisch holen werde, darunter auch Einspeiser und Nutzer.