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Oskar Gröning mit seinen Anwälten Hans Holtermann und Susanne Frangenberg im Prozess vor dem Landgericht Lüneburg, es tagte in der Ritterakademie. Foto: Hans-Jürgen Wege
Oskar Gröning mit seinen Anwälten Hans Holtermann und Susanne Frangenberg im Prozess vor dem Landgericht Lüneburg, es tagte in der Ritterakademie. Foto: Hans-Jürgen Wege

Urteil gegen Buchhalter von Auschwitz liegt schriftlich vor: Zeugnis der Justiz- und NS-Geschichte

lz Lüneburg. Vier Jahre Haft. So lautete das Urteil mitte Juli gegen den ehemaligen „Buchhalter von Auschwitz“ Oskar Gröning vor dem Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen. SS-Mann Gröning hat in Ausschwitz nicht nur die Wertgegenstände der KZ-Häftlinge für das Regime verbucht, er hat auch an der Rampe Dienst getan, hat gesehen, in welche Mordmaschine er geraten war.

Es war ein aufsehenerregendes Verfahren und ein Urteil, das eine Wende in NS-Verfahren darstellt. Es war einer der letzten großen NS-Prozesse der Justiz, die sich Jahrzehnte schwer tat mit der Verurteilung von Tätern aus der zweiten Reihe. Jetzt liegt das schriftliche Urteil vor.

Auschwitz als Tötungsmaschinerie

„Auschwitz war eine auf die Tötung von Menschen ausgerichtete Maschinerie“ – sagte der Vorsitzende Richter Kompisch in seiner mündlichen Urteilsbegründung. „Jeder, der daran mitgewirkt hat, hat sich der Beihilfe zum Mord strafbar gemacht.“ Oskar Gröning war der Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen angeklagt. Im Laufe des Prozesses hatte Gröning seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe plädiert, aber angeführt, dass ein großer Teil als verbüßt gelten könne, da das Verfahren durch die Justiz seit Ende der 70er-Jahre nicht konsequent betrieben, sondern eingestellt worden sei. In einer Pressemitteilung des Landgerichts Lüneburg heißt es, bei der Strafzumessung habe die Kammer einerseits das Alter des Angeklagten berücksichtigt und des Weiteren, dass er eine Chance haben müsse, nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe noch einen Teil seines Lebens in Freiheit verbringen zu können.

Schriftliches Urteil Oskar Gröning

Die Nebenkläger sehen sich bestätigt in ihrer Einschätzung, wie wichtig die KZ-Überlebenden als Zeugen in dem Verfahren war.

Nebenkläger zur Urteilsbegründung im Fall Gröning