Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das feine Pulver, das Leon, Silas und Jan (v.l.) zum Feuerspucken benutzen, ist zwar ungiftig, aber schmeckt nach Auskunft der Jungen richtig eklig: Es trocknet den Mund aus wie Mehl, nur hat es noch einen bitteren Geschmack. Foto: t&w
Das feine Pulver, das Leon, Silas und Jan (v.l.) zum Feuerspucken benutzen, ist zwar ungiftig, aber schmeckt nach Auskunft der Jungen richtig eklig: Es trocknet den Mund aus wie Mehl, nur hat es noch einen bitteren Geschmack. Foto: t&w

Die mit dem Feuer spielen + + + Mit LZplay-Video

emi Adendorf. Fauchend schießen die Flammen in die Nacht, Hitze explodiert, es wird gleißend hell. Im Feuerschein leuchten drei Jungengesichter, gespitzte Lippen, geschlossene Augen, höchste Konzentration. Wenig später lassen Silas, Jan und Leon zufrieden die Fackeln sinken. Wieder einmal haben die wohl jüngsten Feuerspucker im Kreis Lüneburg ihr Publikum begeistert.

Alle drei haben in der Jonglier-Gruppe des Erbstorfers Christian Blanke alias „Zauberclown Blankoh“ angefangen. Silas ist mit seinen 12 Jahren der Jüngste im Trio. Schon mit sechs hatte er bei einem Stuttgarter Zirkus Kunststücke geübt, das Jonglieren brachte er sich selbst bei. Seit rund vier Monaten darf er nun mit den Älteren Feuer spucken.

Sobald die Zeit reif ist, spricht Blanke seine Schüler an, ob sie Lust auf die Flammenkunst haben. Den richtigen Moment hält der Trainer für gekommen, „wenn die Jungs zeigen, dass sie damit umgehen können und das Rampensau-Gen nach vorne kommt“. Respekt vor dem Feuer und ein gesundes Selbstvertrauen sollten die Jugendlichen mitbringen. Aber, betont Blankes Schüler Jan, „Angst auf keinen Fall.“

In der zweiten Klasse hat der heute 15-Jährige mit dem Jonglieren angefangen. Inzwischen geht er in die zehnte Klasse, wirbelt Feuerstäbe und brennende Bälle an Ketten durch die Luft, bestreitet eigene Feuershows (www.fun-and-fire-factory.de), beherrscht Tricks. „Um die Technik zu lernen, muss man viel im Internet gucken und dann probieren, es nachzumachen“, sagt der Adendorfer. Geübt wird zu Hause im Garten — nicht immer zur Freude der Eltern.

Wie gefährlich das Hobby sein kann, hat Jans Kumpel Leon schon am eigenen Leib zu spüren bekommen: „Einmal haben wir auf einem Straßenfest eine Feuershow gemacht“, erzählt der 15-Jährige. „Es war noch ziemlich hell, das war sehr verwirrend. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Kopf in Flammen stand. Mit der Hand habe ich das Feuer gelöscht und erst mal weiter gemacht. Erst am Ende habe ich das ganze Ausmaß gesehen: ich hatte ein Loch in der Frisur und eine Platzwunde an der rechten Wange.“

Um Gefahren vorzubeugen, tragen die Jungs bei ihren Vorführungen stets Baumwollpullover mit Kapuze, Polyester ist tabu. Arbeiten sie mit Stahlwolle, legen sie zusätzlich ein Lederpolster über die Schultern. Wassereimer und nasse Lappen liegen stets griffbereit. Auch der Standort muss sorgfältig ausgewählt werden: Die Wiese sollte nicht zu trocken, der Abstand zu Bäumen ausreichend sein. Ist der Wind zu stark, wird der Auftritt im wahrsten Sinne des Wortes abgeblasen. Die Zuschauer wären vor dem Funkenflug nicht sicher.

Silas, Jan und Leon kennen die Regeln und halten sich daran. Dennoch steht für sie der Spaß im Vordergrund. „Ich mag es, vor Leuten zu spielen, zu sehen, wie sie reagieren“, schwärmt Jan. „Bei Feuer staunen die Leute. Zu Hause zünde ich eine Kerze an und bin zufrieden. Hier ist es größer.“

Um besonders beeindruckende Flammen zu kreieren, probieren die Jugendlichen verschiedene Mischungen aus. „Meistens benutzen wir Bärlappsporen, ein ganz feines Pulver aus Pflanzen“, erklärt Jan. „Das schmeckt sehr eklig und trocknet den gesamten Mund aus, als ob man Mehl im Mund hätte. Das setzt sich so fest, dass man mehrere Schlucke Wasser braucht, um es wieder rauszuspülen.“ Doch trotz des bitteren Beigeschmacks — Jan und seine Freunde arbeiten mit Ehrgeiz weiter an ihrem Traum: dem ganz großen Auftritt, am besten im Fernsehen.

Wer auch Lust bekommen hat aufs Spiel mit dem Feuer, kann sich in der Geschäftsstelle des TSV Adendorf (%04131/981079) oder direkt bei Christian Blanke melden. Der Trainer ist überzeugt: „Jeder kann das lernen!“

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