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Gut 100 Euro teuer und effektiv: Der Ventilwächter lässt die Luft aus dem Reifen, wenn das Auto bewegt wird. Schilder sollen den Besitzer warnen. Die Technik will die Stadt Lüneburg künftig gegen säumige Zahler einsetzen. Foto: be
Gut 100 Euro teuer und effektiv: Der Ventilwächter lässt die Luft aus dem Reifen, wenn das Auto bewegt wird. Schilder sollen den Besitzer warnen. Die Technik will die Stadt Lüneburg künftig gegen säumige Zahler einsetzen. Foto: be

Stadt will Autos säumiger Schuldner mit Ventilwächtern stilllegen, um sie zum Zahlen zu bewegen

ca Lüneburg. Wer Schulden bei der Stadt hat, sollte künftig genau hinschauen, wenn er sich in sein Auto setzt: Es könnte sein, dass ihm das Rathaus die Luft aus den Reifen lässt. Zumindest fast. In der Kämmerei, dem städtischen Finanzministerium, hat Rainer Müller den Plan, auf kleine gelbe Helfer zu setzen, sogenannte Ventilwächter. Die werden auf Ventile geschraubt und verschlossen. Fährt jemand los, entweicht die Luft aus den Pneus. Natürlich gibt es am Auto Warnhinweise. Die Hoffnung: Wer an seinem Vehikel hängt, der zahlt.

Die Stadt habe Rechnungen im „unteren siebenstelligen Bereich“ offen, sagt Müller. Etwa ein Prozent des 240 Millionen Euro umfassenden Haushalts. Mancher Schuldner scheint besonders widerborstig, da könnte die Immobilität ein geeignetes Instrument sein, um doch an Bares zu gelangen, denn das Auto könnte gepfändet werden: „Das ist aber das letzte Mittel, und es muss im Verhältnis stehen.“

In einer Vorlage für die Politik, die der LZ vorliegt, haben die Rathaus-Buchhalter einen Ablaufplan entworfen: Nach zwei erfolglosen Mahnungen liegt eine Vollstreckungsankündigung im Briefkasten. Erfolgt wieder keine Reaktion, kommt der städtische „Vollstrecker“ vorbei: Der rede dem Schuldner noch mal gut zu. Bleibe der weiterhin bockig, könnten die Reifen der Karosse Luftprobleme bekommen.

Ausgenommen von der vollkommenen Entschleunigung sollen — nach Einzelfallprüfung — Menschen sein, die schwerbehindert sind oder behinderte Angehörige haben oder die, die ohne Auto kein Geld verdienen können. Denn das wäre ja kontraproduktiv.

Ein weiterer Punkt ist die Verhältnismäßigkeit. Überspitzt: Wer ein Knöllchen nicht bezahlt hat, muss nicht damit rechnen, dass sein Gefährt an die Kette gelegt wird. Anders schaut es aus, wenn eine Mutter oder ein Vater beispielsweise über Jahre keinen Unterhalt für die Kinder gezahlt hat, die Stadt in Vorleistung ging und nun ein paar Tausend Euro offen hat. Da kann es dann sein, dass der Wert des Gebrauchtwagens in etwa der Forderung entspricht.

Müller glaubt, dass oft die Androhung des künftigen Fußgängertums reicht, um die Zahlungsmoral zu erhöhen. Das hätten Erfahrungen aus anderen Städten wie Bad Gandersheim, Northeim und Mönchen-Gladbach gezeigt. Aber er stellt auch klar, dass die Stadt es nicht beim „Du, Du!“ belasse. Im Zweifel kommt eben der Terminator vom Amt.

Und wer glaubt, er könne die Stadt austricksen und schnell aufs Ersatzrad wechseln, der irrt: Müller hat mehrere der rund 100 Euro teuren Ventilwächer angeschafft. Sie sollen an mindestens zwei Rädern montiert werden.

11 Kommentare

  1. Wurde das vorher juristisch geprüft?

  2. Ganz einfach: Das ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Wer losfährt und durch Verschulden der Stadt ein Unfall baut, so haftet die Stadt. Also ist folglich der obige Mumpitz (grober Unfug) gegenstandslos.

    • Wieso haftet hier die Stadt? Als Fahrzeugführer hat man sich vor Fahrtbeginn von der Funktionstüchtig seines Fahtzeugs zu vergewissern. Wenn mein Licht defekt ist und ich fahre dennoch los, baue einen Unfall ist das ja auch nicht die Schuld des Lampenherstellers oder des Autobauers.
      Letztlich wurde der Fahrzeughalter dann oft genug gewarnt und auf diese Maßnahme hingewiesen. Die Stadt trifft bei einer Zuwiderhandlung als überhaupt keine Schuld.

      • Aha und das hilft der Familie die auf der Autobahn neben dem Schuldner fuhr als dieser die Kontrolle, aufgrund der ‚leeren‘ Reifen, über sein Fahrzeug verlor und das Fahrzeug der Familie so rammte, dass der Vater (Beifahrer) dabei starb/schwer verletzt wurde genau wie?

        Richtig, gar nicht. Diese ‚Idee‘ ist nicht zu verantworten, die potentiellen Folgen nicht absehbar. Und zum Thema überprüfen der Fahrtüchtigkeit: Punkt 1: Zum Zeitpunkt des losfahrens sind die Reifen ja noch ‚voll‘, wenn ich den Artikel richtig verstehe. Der Fahrer hat also überhaupt keine Chance irgendwas festzustellen. Zettel an der Windschutzscheibe? Na das ist doch bestimmt wieder ein Schrotthändler der Werbung macht -> Müll.

        Punkt 2: Es mag ja im Gesetz drin stehen, aber kennen Sie auch nur eine Person, die tatsächlich vor jeder Fahrt seinen PKW entsprechend überprüft? Ich nicht.

        Es gab da mal so eine nette ‚Erfindung‘, nennt sich Radkralle. Ist Sicher für andere Verkehrsteilnehmer/führt zu keiner Gefährdung und erfüllt den Zweck das Fahrzeug still zu legen.

        • Es gab da mal so eine nette ‚Erfindung‘, nennt sich Radkralle. Ist Sicher für andere Verkehrsteilnehmer/führt zu keiner Gefährdung und erfüllt den Zweck das Fahrzeug still zu legen.
          es gibt da ein schönes video, wo eine frau mit radkralle losgefahren ist und zwar mit vollgas. sie wusste von der kralle und ist sie so auch losgeworden. es gab viel applaus.

  3. Ich denke das ist gut gemeint und sollte auch den ein oder anderen Euro bringen.
    Ich bin aber noch nicht davon überzeugt das es rechtens ist, aber das zu entscheiden haben andere.

    Was doch eventuell noch mehr in die Kasse bringt wäre mit gutem Beispiel vorrangehen. Die Städte un Gemeinden haben bekanntlich ja auch eine schlechte Zahlungsmoral.

    • wer mit gutem beispiel vorrangeht, sorgt hier für weniger in der kasse. er parkt dann nämlich nicht falsch.

      • Seltsam, Bruns, es geht hier gar nicht ums Falschparken. („Wer ein Knöllchen nicht bezahlt hat, muss nicht damit rechnen, dass sein Gefährt an die Kette gelegt wird.“) Offenbar haben Sie wieder einmal einen anderen Beitrag oder nur sehr oberflächlich gelesen. Aber egal, Sie hauen Ihre absurden Kommentare raus, Jenckel lässt passieren. Sie sind ein eingespieltes Team…

        • Das ist brasilianisch, Kuno:

          Bruns passt, Jenckel lässt durch und Sie hauen die Pille einfach rein. Ins obere (oder untere) rechte Eck. Wie immer. Mal kurz Memory-Funktion aktivieren: WM, Viertelfinale, Brasilien – Peru, Sonntag, den 14. Juni 1970 in Jalisco, Guadalajara (Mexiko), die Entscheidung in der 75. Minute zum 4:2-Endstand: Rivelino (Großvater mütterlicherseits Syrer und Moslem!) scharf und flach zu Tostão, der täuscht an, Campos, Chumpitaz und Fernández voll verladen und der Ball rollt einfach weiter zu Jairzinho: Tor. Alles klar?

          Was Klaus meinte: Lüneburg (Stadt) zu Besuch in Deutsch Evern (Gemeinde), Lüneburg parkt widerrechtlich auf dem Gehweg vor dem Kindergarten Moorfeld, Moorfeld 7, und bekommt ein Knöllchen, zahlt aber nicht. Wäre Lüneburg, wie Wannenkarl vorschlägt, mit gutem Beispiel vorangegangen, könnte Deutsch Evern nicht einmal auf den Außenstand HOFFEN !

          Klaus Bruns Schriftsteller, Kuno! Magischer Realismus!

          So schwer zu begreifen?

        • Kuno, bleiben sie entspannt. wer ursache und wirkung verwechselt, sollte dieses immer tun. ich lese nie etwas oberflächlich

        • Kuno, sie sollten lieber spielen gehen, wenn sie ständig ursache und wirkung verwechseln. ein gutes beispiel fängt nicht damit an, falsch zu parken. wer zuviel geld hat, darf der stadt gern etwas spenden. nur zu. team? sie bilden sich was ein. liegt wohl daran, weil sie hier selbst als teamplayer im alleingang auftreten.