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Sängerin Barbara Stowasser sowie ihre Musiker Horst Brechert (r.) und Wolfgang Hoffmann haben Folksongs mitgebracht und richtig viel Spaß bei ihrem Auftritt in Ankes Garten. Foto: uk
Sängerin Barbara Stowasser sowie ihre Musiker Horst Brechert (r.) und Wolfgang Hoffmann haben Folksongs mitgebracht und richtig viel Spaß bei ihrem Auftritt in Ankes Garten. Foto: uk

Klänge aus Kapelle und Kuhstall

uk Barnstedt. 700 Einwohner, mehr als 100 Musiker, acht Bühnen und Musik nonstop vom Mittag bis in den späten Abend — das gibt es so nur in Barnstedt. Mit der zweiten Benefiz-Musikmeile setzten die Veranstalter nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr am Sonntag noch einen drauf: Mit noch mehr Musikern und noch mehr Stilrichtungen präsentierte sich Barnstedt als ein Dorf, komplett in Musik getaucht. Die löst bei solcher Vielfalt einfach bei jedem gute Laune aus. Und so strömten den ganzen Tag über fröhliche Menschen durch Barnstedt, freuten sich an den Klängen aus Kapelle und Kuhstall und putzten das leckere afrikanisch-deutsche Buffet gründlich leer. Gut für Künstler wie Veranstalter, vor allem aber gut für die Flüchtlinge: Denn wie im Vorjahr fließen die gesammelten Spenden komplett in die Arbeit des Initiativkreises zur Unterstützung von Asylbewerbern in der Samtgemeinde Ilmenau.

In Kramers Kuhstall ist die Luft am Nachmittag trotz geöffneter Türen schon recht verbraucht, die Hamburger Band „Queke“ spielt Afro-Jazz vor voll besetzten Reihen. „Es ist richtig viel los“, freut sich Hausherr Hans-Georg Kramer, „den ganzen Tag ist hier ein ständiges Kommen und Gehen“. Das Prinzip der Musikmeile ist einfach: Die Musiker verzichten auf die Gage, Eintritt wird nicht erhoben, stattdessen stehen bunt beklebte Spendentöpfe an den Eingängen und werden während der Konzerte durch die Reihen gegeben. Einen Extra-Service bieten die Pastoren Thomas Müller und Andrea Mahlke von der örtlichen Kirchengemeinde an: „Wir stellen auf Wunsch sofort Spendenbescheinigungen aus.“ Das Ehepaar Kramer verkauft im Stall zudem frisch aufgebrühten fair gehandelten Kaffee für den guten Zweck: „Da geben die meisten Leute mehr, so kommt ein Euro zum anderen“, sagt Kramer.

Der Kuhstall als Bühne ist nicht die einzige Location, die ein besonderes Flair versprüht. In der historischen Gutskapelle wird die Musikmeile am Vormittag eröffnet, später spielt hier das Lüneburger Instrumentalduo Friedrich und Dohrmann vor dem Altar. Am Feuerwehrhaus gibt´s nicht nur Würstchen und Pommes, sondern auch Sackpfeifen und Akkordeon mit der Gruppe „Freiwächter“ oder die Cajon von Klaus Cajon und seinen „Couchpotatoes“. Die alte Dorfschmiede wird kurzerhand zur „Talentschmiede“ umfunktioniert, in der Musikambitionierte sich ausprobieren dürfen. Und in Ankes Garten singen die Lokalmatadoren vom Chor Swinging Ilmenau einen internationalen Mix vom Gospel über das spanische Volkslied bis zum Beach Boys-Hit „Barbara Ann“. Die andere Barbara, nämlich Barbara Stowasser und ihre Musiker von „Barbara Strings und voices“ haben zu diesem Zeitpunkt schon zwei Auftritte absolviert. Die Sängerin von der Elbe, zum ersten Mal in Barn­stedt dabei, ist ebenso begeistert wie heiser: „Es hat riesig Spaß gemacht“, strahlt sie, „ich finde es super, dass ein Dorf so etwas hinkriegt. Hut ab vor der Organisation.“

Das Lob gilt Jens Thomsen und seinen Mitstreitern, die die Veranstaltung perfekt durchorganisiert hatten. Die Neuauflage der Benefizmeile sei beinahe ein Muss gewesen, sagt Thomsen: „Fast alle Musiker wollten wieder auftreten.“ Und die Einnahmen werden angesichts steigender Flüchtlingszahlen dringend gebraucht. „Wir gucken, wo zuerst Bedarf ist. Letztes Jahr konnten wir in mehreren Fällen, in denen die Ausweisung drohte, anwaltliche Unterstützung finanzieren.“ Besonders stolz ist Thomsen, dass das kleine Barnstedt mit international erfolgreichen Musikern glänzen kann: Sängerin Malena Muyala aus Uruguay und das italienische Tango Spleen Orquesta bringen am Abend den Tango auf das Rittergut und setzen den hochkarätigen Abschluss unter die Musikmeile.