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Der Pilzsachverständige Bernhard Frank bietet regelmäßig Lehrwanderungen an, damit die richtigen Pilze in den Körben der Sammler landen. Foto: t&w
Der Pilzsachverständige Bernhard Frank bietet regelmäßig Lehrwanderungen an, damit die richtigen Pilze in den Körben der Sammler landen. Foto: t&w

Ein Trend mit Tücken – Pilzsammler im Kreis kommen derzeit voll auf ihre Kosten + + + Mit LZplay-Video

emi Reppenstedt. Pilze sammeln ist „in“ und die Saison auch im Landkreis Lüneburg in vollem Gange. Schon seit rund sechs Wochen trägt Bernhard Frank aus Radbruch Körbe voll leckerer „Schwammerl“ nach Hause. Doch für Unerfahrene hat der Trend mitunter gefährliche Konsequenzen, denn die Verwechslungsgefahr zwischen schmackhaften Speisepilzen und ihren giftigen Doppelgängern ist groß. Die Landeszeitung hat bei dem 61-jährigen Sachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie nachgefragt, wo und wann man die besten Pilze findet, was man beachten sollte und an wen man sich im Notfall wenden kann.

Wann ist hierzulande Pilz-Zeit?
Bernhard Frank: Früher hat man gesagt, die Saison dauert von Mitte September bis Mitte November. Seit den letzten Jahren beginnt sie aber schon früher, der früheste Zeitpunkt bisher war Mitte Juli. In diesem Jahr gab es Anfang August schon die ersten Pfifferlinge, momentan gibt es alles — die Wetterlage war extrem gut. Ideal ist schwülwarmer Gewitterregen am Vortag, und am Morgen Nässe und Nebel.

Wo liegen die besten Pilzgebiete im Kreis?
Frank: Die Plätze verrät man nicht — das ist ein Gesetz, das man in Norddeutschland noch lernen muss. Aber wer Birkenpilze finden will, muss sich natürlich einen Birkenwald aussuchen, Maronen gibt es im Fichten- oder Kiefernwald, Steinpilze in jedem Wald: Im Sommer wird man im Laub-, im Herbst im Fichtenwald fündig. Wenn man sich nicht sicher ist, geht man in den Mischwald.

Was sollte man beim Sammeln beachten?
Frank: Am wichtigsten ist: Man sollte nur die Pilze mitnehmen, die man auch wirklich kennt. Ich habe zur Zeit jeden zweiten Tag einen Notruf. Die meisten Leute sammeln nur drei bis vier Arten: Pfifferling, Steinpilz, Marone und Krause Glucke. In Norddeutschland gibt es mindestens 100 essbare Arten. Um sie kennenzulernen, bietet sich eine Pilzlehrwanderung an. Bitte nichts aus Büchern oder Apps ableiten, das kann richtig schiefgehen!

Was ist mit dem Naturschutz?
Frank: Den sollte man auch auf jeden Fall einhalten! Also zum Beispiel nicht in der Nacht losgehen und geschützte Pilze — etwa Pfifferling, Raustielröhrling und Steinpilz — nur in geringen Mengen zum Eigenverzehr sammeln. Die Faustregel lautet ein Kilo pro Person pro Tag.

Welche Ausrüstung braucht man?
Frank: Empfehlenswert ist ein Pilzmesser mit kleiner Bürste, damit man die Pilze im Wald schon richtig vorsäubern kann. Dann hat man zu Hause auch weniger Arbeit. Wichtig ist, dass man die Pilze im Ganzen aus der Erde hebt, die Stielbasis ist wichtig zur Unterscheidung von giftigen Doppelgängern.

Was, wenn man unsicher beim Sammeln ist?
Frank: Ich habe eine Pilzberatungsstelle in Radbruch. Einfach anrufen und einen Termin für die Pilzbestimmung ausmachen. Dafür aber bitte nicht gleich einen ganzen Korb derselben Sorte mitbringen, ein bis drei Exemplare in verschiedenen Größen sind ausreichend. Anfänger sollten sich wegen der giftigen Verwechslungspartner ein Doppelgänger-Pilzbüchlein zulegen.

Und wenn man doch mal den falschen Pilz erwischt hat?
Frank: Dann sollte man das zuständige Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen (24-Stunden-Hotline: %0551/19240) anrufen. Dort erhält man die Rufnummer eines Sachverständigen, der den Pilz bestimmen kann. Über Handy-Fotos sind zumindest schon einmal Ausschlüsse möglich. Die Notruf-Zentrale gibt dann auch den Ärzten Anweisungen, was zu tun ist. Wer Angst hat, von der grünen Knolle gegessen zu haben, sollte schleunigst versuchen, zu brechen. Aber bitte kein Salzwasser nehmen, das ist vor allem bei Kindern lebensgefährlich!

Wie lassen sich Pilze konservieren?
Frank: Pilze muss man nicht waschen, man kann sie zu Hause sauber machen und in die Pfanne geben. Pilze kann man aber auch blanchieren, also kurz durchhitzen, und dann einfrieren. Roh kann man sie auch einfrieren — am besten flach, nicht als Klumpen. Das spart Platz und sie braten schneller durch. Ansonsten kann man Pilze auch einmachen oder bei 40 bis 50 Grad in der Röhre dörren (dabei die Klappe ein bisschen offen lassen). Jetzt im Herbst kann man Pilze auch gut auf der Heizung lufttrocknen. Einfach etwas Papier oder Karton darunter — das duftet gut in der Wohnung.

Wie schmecken Pilze am besten?
Frank: Normalerweise schneidet man sie klein und brät sie mit Öl in der Pfanne. Aus paniertem Parasol lässt sich auch ein leckeres Pilzschnitzel machen — aber nicht zu viel Fett nehmen! Ansonsten kann man natürlich Pilzsuppe oder Pilzsoße für Knödel machen. Im Internet gibt es genug Rezepte. Ich persönlich esse nur noch feste Pilze. Den Flockenstieligen Hexenröhrling, Steinpilze und feste Raustielröhrlinge mag ich am liebsten.

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Lehrwanderung

Am Sonnabend, 3. Oktober, bietet der Sachverständige Bernhard Frank wieder eine dreistündige Pilzlehrwanderung an. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der L221, aus Lüneburg kommend, Richtung Neetze/Bleckede auf dem Parkplatz rechts vor dem Sendeturm. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, um Spenden wird gebeten. emi