Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Organisator Patrick Pietruck blickt zufrieden auf die Gäste im Hörsaalgang der Leuphana bei der 4. Online Marketing Konferenz. Foto: jj
Organisator Patrick Pietruck blickt zufrieden auf die Gäste im Hörsaalgang der Leuphana bei der 4. Online Marketing Konferenz. Foto: jj

Marketing-Konferenz: Warum das Mammut und Helden für eine gute Werbestrategie wichtig sind

jj Lüneburg. Wenn Sie wissen, wie man ein Mammut erlegt, wenn Sie am Lagerfeuer dazu eine Story mit Helden und Schurken erzählen können, die Desaster, Wendepunkt und Happyend hat, und nicht jedem, dem Sie dann ein Steak verkaufen wollen, ein ganzes Mammut anbieten, dann verstehen Sie viel vom Storytelling und können das Marketing Ihres Hauses nach vorne bringen. Warum? Weil gutes Marketing gute Stories mit überraschenden Wendungen braucht. Zumindest wenn Sie  Dr. Veit Etzold glauben. Der Krimiautor war einer von zwanzig Referenten bei der 4. Online Marketing Konferenz in der Leuphana Universität, zu der gut 400 Gäste am Donnerstag, 24. September, nach Lüneburg kamen.

„Storytelling“ war nur ein Thema, „Suchmaschinen verstehen“ ein anderes: Google now zum Beispiel weiß auch ohne eine Suchanfrage, wann Sie morgens aufstehen und welchen Weg sie zur Arbeit wählen und wo Sie sich den Coffee-to-go holen. Das Werkzeug heißt Google now, sollte aber besser Google know heißen. Wobei Prof. Dirk Lewandowski auch sagte: Die Suchmaschinenanfragen seien heute noch so schlecht wie vor zehn Jahren und Suchmaschinen, so wie wir sie kennen, haben irgendwann ausgedient: „Die Basissuche nimmt zu.“

Im Aufwind ist weiter die Video-Plattform YouTube: Allein in Deutschland sind es 100 Millionen Videoabrufe täglich, 40 Minuten dauert ein Besuch auf YouTube im Durchschnitt. Und wer glaubt, da seien nur Jugendliche unterwegs, den belehrte Referent Christoph Burseg im proppenvollen Hörsaal 3: 95 Prozent der User sind älter als 18 Jahre. 60 Prozent älter als 35.

Und was läuft gut? Nicht die langweilige Firmenwerbung. Bei der Lufthansa zum Beispiel werden von Fluggästen gedrehte Videos geklickt, die die Sitze, das Essen und den Bordservice zeigen. Bei Aida nicht die Anpreisung von Traumreisen, sondern einfach nur die Auslaufmelodie der Schiffe. Mikro- oder Makroaufnahmen oder extreme Zeitraffer-Videos sind gefragt. „Slow mo guys“ heißen die. Geben Sie einfach „Giant 6ft Water Balloon“ bei YouTube ein, mehr als hundert Millionen Aufrufe hat das Video schon.

Organisator Partick Pietruck von der Lüneburger Webnetz GmbH konnte zufrieden sein wie die Gäste, die auf dem Heimweg viele neue Ideen und Erkenntnisse im Gepäck hatten.

11 Kommentare

  1. Vom Pferd erzählen

    Jaaaa, STORYTELLING wird an der Leuphana groß geschrieben. Das ist bekannt.

    Man phantasiert von absolut unumgänglichen universitären Mammutresidenzen, von nachhaltig und energieeffizient visionierenden Präsidiumshelden und von Finanzierungsmodellen ganz neuen Typs, spart nicht mit fabelhaften Management- und Planungsdesastern, wähnt sich von Bremsern, Pfennigfuchsern und Kritisierschurken umstellt und erdichtet alle Vierteljahr immer grandiosere Baukostenwendepunkte, die den Geldgebern und den Lüneburger Steuerbürgern wie ganz heiß verkaufte Steaks im Halse stecken bleiben, aber eines immer unwahrscheinlicher machen: das Happyend für Stadt, Kreis und Land.

    Worin unterscheiden sich diese aufdringlichen, sogenannten „Marketinggeschichten“ eigentlich vom ganz gewöhnlichen, aber ebenso deprimierenden Gangsta-Rap ?

    • Ich würde sagen, Storytelling ist Gangsta-Rap in mundgerechter Konfektkuvertüre, quasi die Mozartkugel unter den schwerverdaulichen Verblödungspralinés des Reklamepops.

  2. Geständnis eines Werbemannes

    Die Headline »Geniale Ideen sind oft sehr einfach« habe ich allein in den letzten vier Jahren an mindestens 14 verschiedene Kunden verkauft. Man sieht daran: Geniale Ideen sind oft sehr einfach.

    Andreas Maier

  3. Oh Mann,

    Dr.Etzold hat wohl lange Jahre in der Werbebranche gedient, bei der Deutsch-Englisch-Textmixtur!
    Hoffentlich kennt er auch noch die deutsche Bedeutung der englischen Wörter, soll ja Leute geben
    die mit Fremdwörtern um sich schmeißen, weil ihnen deutschen dazu nicht mehr einfallen. 🙂

    • Paulina von Essen

      Ich glaube, Sie verwechseln hier Dr. Partick Pietruck von der Lüneburger Webnetz GmbH mit Veit Etzold, dem Mammut unter den Handlungsreisenden in Sachen prähistorischer, schon vor Jahrtausenden zuschanden gerittener Marketing-Gimmicks. Pietruck ist der mit den stahlbetonierten Windkanalsträhnen auf dem Bild und im Clip oben, Etzold war der kleine moppelige auf dem Podium, der aussah wie der junge Telly Savalas, aber ganz mit ohne Haare aufm hipsterbebrillten Designerdeetz und der so betäubend oft wiederholte, mit „der richtigen Story“ komme jeder Unsinn „am Türsteher in seinem Gehirn vorbei“, dass man gar nicht anders konnte, als die entsetzlich traurige Tatsache einzusehen, dies müsse bei ihm bereits ganz entschieden zu oft und ohne jede vernünftige Aussicht auf Wiederherstellungs- und Genesungserfolg vorgekommen sein.

  4. Das Storytelling ist tot. Das ist ein (unter Praktikern lange bekanntes) Faktum. Das Storytelling ist tot und der Storyteller will es nicht wahrhaben. Das ist eine (traurige und ziemlich langweilige) Geschichte.

    Leider hat sie es noch nicht geschafft, am Türsteher im Gehirn von Dr. Veit Etzold vorbei zu kommen.

    (Da ergeht es ihr genau wie dem armen Mann vom Lande in der berühmten Türhüterparabel. Wie dort der Mann erfährt hier die „storygetellte“ Story von dem Türhüter, der vor Dr. Etzolds Gehirn Wache schiebt, dass es möglich sei weiter zu kommen, aber nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Sie wartet darauf, dass ihr der Türhüter Einlass gewährt, „Tage und Jahre“, ihr ganzes Leben lang. Sie versucht, den Türhüter zu bestechen. Sie bittet sogar die Flöhe im Pelzkragen des Türhüters nach jahrelangem Studium derselben, ihr zu helfen. Aber alles ist vergeblich. Kurz bevor die „getellte“ Story stirbt, fragt sie den Türhüter vor Dr. Etzolds Gehirn, warum in all den Jahren niemand außer ihr Einlass verlangt hat. Der Türhüter antwortet, dieser Eingang sei nur für sie, für genau diese eine Story bestimmt gewesen. Er werde ihn jetzt schließen.)

    Das ist eine noch traurigere (aber eigentlich auch extrem gleichgültige) Geschichte.

  5. Soweit wie Sie braucht man gar nicht auszuholen. Etzolds Verachtung der „kalten, nackten Fakten“ sprach Bände. Eine „gute Story“ zählt seiner Ansicht nach mehr als die Wahrheit. Zumindest solange Schwätzer „die Lufthoheit über die Meinungen haben“, wie Veit sich beliebte daherzusalbadern. Was aber passiert, wenn „die Hoheit“ entweicht und die Tatsachen sichtbar werden, hat im letzten Februar der ADAC-Skandal ans Licht gezerrt, wird von der Leuphana seit acht Jahren als Telenovela mit elf Staffeln und 1.814 Folgen geboten, die in vielfältiger Weise immer wieder Bezug auf andere klassische Mafiafilme nehmen, beweisen uns derzeit die mit großer Harmonie auf einen in Frieden geeinten Kontinent zustrebenden Länder und Regierungen Europas und findet seinen vorläufigen Höhepunkt gerade in der „Dekonstruktion“ der märchenhaften Umwelt-, Nachhaltigkeits-, Energieeffizienz- und Gesundheitsstory von VW.

    • “In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes”, soll Andy Warhol 1968 auf der „Warhol Photo Exhibition“ in Stockholm geäußert haben.

      So gesehen, hat „Patrick Pietruck von der Lüneburger Webnetz GmbH“ doch alles richtig gemacht. Er ist immerhin schon beim ersten Anlauf auf 33 Sekunden Ruhm in Lüneburg gekommen.

      Apropos Telenovela: Im Jahr 1986 moderierte Andy Warhol eine „Andy Warhol’s 15 Minutes“ genannte TV-Serie auf MTV, die jedoch nach 15 Minuten wieder eingestellt wurde.

    • Fragen zum Storytelling

      Was ist das mit den tausend Folgen der Leuphana-Telenovela, „die in vielfältiger Weise immer wieder Bezug auf andere klassische Mafiafilme nimmt“? Worum geht´s da? Hab ich was verpasst? Ist das eine Anspielung? Worauf?

      • Liebes, liebes Kind, Du bist ja ein Blitzmerkerchen allerersten Ranges! Irgendwas mit Medien studiert?

        Setz Dich einfach mal für einen Momang ohne Soul-Crossing-HipPop in den Raum der Stille und mach ein individuelles Brainstorming. Du wirst drauf kommen!

  6. „Was unterscheidet denn die OMK (Online Marketing Konferenz) 2015 von der OMK 2014“, fragt der LZ-Reporter den Veranstaltungsorganisator. Der antwortet im Storyteller-Modus: man sei „breiter aufgestellt“ (20 Redner) und beschäftige sich mit aktuellen Trends wie „Content-“ und „Video-Marketing“. Die richtige (aber langweilige) Antwort (nackte Fakten) hätte natürlich lauten müssen, die beiden OMKs unterschieden sich eigentlich nur durch die verschiedenen Jahreszahlen. Denn 2014 war man „breiter aufgestellt“ (24 Redner) und beschäftigte sich mit E-Commerce, dem wachsenden Einfluss von Smartphones auf den Alltag von Konsumenten und Marketing im Kontext sozialer Medien, also mit aktuellen Trends wie „Content-“ und „Video-Marketing“.