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Die Lesetüten sind bei den Erstklässlern heiß begehrt. Vincent (7) aus der Klasse 2c überreicht ein Exemplar an die Schulanfänger. Foto: t&w
Die Lesetüten sind bei den Erstklässlern heiß begehrt. Vincent (7) aus der Klasse 2c überreicht ein Exemplar an die Schulanfänger. Foto: t&w

Eine Tüte voller Lesestoff

us Lüneburg. Die Vorfreude unter den Erstklässlern war groß, als sie die Aula der St.-Ursula-Schule betraten. Dort warteten drei zweite Klassen auf sie, außerdem 48 Papiertüten, bunt bemalt und gut gefüllt mit Lesestoff und Anregungen für die Schulanfänger. Dieses Mal aber waren es keine Schultüten, sondern Lesetüten, die ihnen von den Zweitklässlern überreicht wurden eine Aktion, die frisch Eingeschulten an das Lesen heranzuführen.

„Das ist Leseförderung, und die gehört auch zu unseren Aufgaben“, sagt Jan Orthey, Inhaber der Buchhandlung „Lünebuch“. Zum fünften Mal unterstützt er die Aktion, die von der Arbeitsgemeinschaft Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ins Leben gerufen wurde. Das Prinzip: Schulbuchverlage stellen kostenlos Bücher zur Verfügung, Buchhandlungen vor Ort organisieren den Kontakt zu den Grundschulen und stellen die Tüten zusammen. Diese werden dann in den Schulen von Zweitklässlern individuell bemalt und an die Erstklässler verteilt. Rund 100000 Lesetüten sind es in diesem Jahr, die bundesweit kostenlos an die Schüler abgegeben werden, allein in Lüneburg sind es 800.

Die Buchhandlungen selbst wollen dabei im Hintergrund bleiben, im Mittelpunkt stehen die Kinder. „Sie geben ihre Lesekompetenz quasi an den nächsten Jahrgang weiter, von Kind zu Kind. So machen sie den Nachfolgenden Mut und zeigen, dass Lesen lernbar ist und Freude bereitet“, erklärt Lünebuch-Mitarbeiterin Irene Donning.

Wie wichtig diese Aktion ist, wird immer dann deutlich, wenn einige Schulkinder im Rahmen dieser Aktion zum ersten Mal in ihrem Leben ein eigenes Buch in den Händen halten. „Ein bis zwei Kinder sind immer darunter“, weiß Irene Donning. Damit auch die Eltern eingebunden werden, sind den Tüten Schreiben beigelegt, in denen erläutert wird, wie Eltern das Interesse am Lesen fördern können. Das Schreiben ist auf Deutsch, Türkisch, Arabisch und Russisch verfasst.

Neben vielen strahlenden Gesichtern gab es aber auch Tränen in der St. Ursula-Schule. Diana aus der 2b hatte zwar auch eine Tüte bemalt, bei der Übergabe ging sie aber leer aus. „Wir haben in diesem Jahr drei zweite, aber nur zwei erste Klassen“, erläutert Konrektorin Anke Axmann, „da kann leider nicht jeder bedacht werden.“ Wenige Minuten später aber strahlte die Siebenjährige wieder. Sie freute sich über den Sticker, den alle Zweitklässler als kleines Dankeschön erhielten.