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Die Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist vor allem nachtaktiv, die Tiere sind, wie hier bei Bleckede, normalerweise selten im Uferbereich zu sehen. Foto: Sonja Haase
Die Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist vor allem nachtaktiv, die Tiere sind, wie hier bei Bleckede, normalerweise selten im Uferbereich zu sehen. Foto: Sonja Haase

Marsch der Wollhandkrabben

dth Bleckede/Hohnstorf. „An einem der Tümpel an der Elbe schwamm erst eine Wollhandkrabbe auf mich zu, dann noch ein paar. Sie kamen gegen Abend aus dem Wasser weil sie meist nachtaktiv sind. Für die Fischer und Angler sind sie eine Plage, für mich tolle Fotomotive!“, sagt Naturfotografin Sonja Haase. Tatsächlich nimmt die Zahl der Achtbeiner, die ursprünglich aus Ostasien stammen, nach Beobachtungen des Hohnstorfer Elbfischers Eckhard Panz zu. Er sagt: „In dieser Saison rechne ich mit einem Fang von anderthalb Tonnen Wollhandkrabben.“ Jedoch: „Lieber hätte ich Aale, aber die machen sich gerade rar.“

Vor dem Ersten Weltkrieg war die Wollhandkrabbe vermutlich mit dem Ballastwasser der Ostasien-Schiffe nach Mitteleuropa gelangt. Sie laichen im Brackwasser der Küsten ab und wandern auch die Elbe hinauf. Tobias Keienburg, Sprecher des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue, sagt: „Aus unserer Sicht bedeutet die Wollhandkrabbe derzeit keine erhebliche Beeinträchtigung des Ökosystems.“ Dafür zerbeißen sie Fischernetze. Aber: Die Population habe laut Keienburg insgesamt in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Die aktuelle Häufung hingegen erklärt Panz damit, dass die faustgroßen Tiere sich derzeit auch aus den Nebenflüssen auf den Weg zurück in die Laichgebiete machten. „Die nutzen die Hauptströmung der Elbe. Deshalb können wir sie auch gerade haufenweise mitten im Fluss fangen.“

Die großen Krabben, die bei Chinesen als Delikatesse gelten, vermarktet Panz von Köln bis Warschau. Aber: „Befriedigend ist das nicht: Das ist echte Arbeit, viele Tiere und wenig Ertrag. Das ist so, als wenn ich als Gemüsebauer nicht nur Tomaten und Gurken verkaufen würde, sondern auch die Schnecken.“