Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Vater will Busfahrer anzeigen

lz Lüneburg. Wenn die Betriebs- oder Verkehrssicherheit gefährdet ist, liegt es im Ermessen des Busfahrers, einen Fahrgast an die frische Luft zu setzen. „Aber normalerweise wird bei uns niemand rausgesetzt, Schulkinder grundsätzlich nicht“, sagt Hartmut Müller, Leiter des KVG-Betriebs in Lüneburg. Dennoch läuft ein Vater aus Wendhausen derzeit Sturm gegen das Unternehmen: Seine elfjährige Tochter sei am vergangenen Freitag auf dem Heimweg vom Scharnebecker Schulzentrum nach Wendhausen des Busses verwiesen worden. Dem widerspricht die KVG: Das Mädchen sei freiwillig in Boltersen ausgestiegen. Jedenfalls nahm sie eine Station später in Sülbeck den Anschlussbus nach Hause. Für den Vater dennoch Grund genug, die Polizei einzuschalten.

Aus seiner Sicht habe der Busfahrer seine Aufsichtspflicht verletzt und mit der Abnahme der Busfahrkarte auch einen Diebstahl begangen. Zuständig ist die Polizeidienststelle Barendorf. Dort wird zunächst geprüft, ob überhaupt „Straftatbestände verwirklicht“ seien, sagt Polizeisprecher Kai Richter. „Wir werden mit dem Beförderer Kontakt aufnehmen.“

Auf LZ-Nachfrage sagt KVG-Betriebsleiter Müller: „Wir haben eine Beförderungspflicht, aber keine Aufsichtspflicht.“ Und an erster Stelle stehe die Betriebs- und Verkehrssicherheit. Die sei im vorliegenden Fall gestört gewesen.

Immer wieder hatte jemand auf der Fahrt offenbar aus Jux den Stoppknopf gedrückt, der Linienbus hielt an jeder Station an. Zudem sei es im hinteren Teil des Busses stetig unruhiger geworden, was den Busfahrer zunehmend abgelenkt habe. Andere Kinder hätten das elfjährige Mädchen beschuldigt, den Knopf immer wieder gedrückt zu haben zu Unrecht, halten die Betroffene und ihre Freunde entgegen, sie habe „im Bus gelernt“. Nach Darstellung des Betriebs habe der Busfahrer bei einem erneuten, unnötigen Stopp in Boltersen gesagt: „Wenn ihr damit nicht aufhört, steigt ihr beim nächsten Mal aus.“ Daraufhin sei das Mädchen in Begleitung von Freunden sofort ausgestiegen, sie hingegen sprechen von einem Rausschmiss.

Auf jeden Fall wird sich der Vorwurf des Diebstahls in Luft auflösen. Die Schülertickets sind offiziell Eigentum des Landkreises. Müller: „Der Fahrer ist berechtigt, die Karte einzuziehen. Dann suchen wir über den Landkreis und die jeweilige Schule das Gespräch und Kontakt zu den Eltern.“ Mittlerweile ist die Karte wieder bei der Schülerin. Der Vater aber bekundete gegenüber der LZ, an seinem Vorhaben festhalten zu wollen, gegen Busfahrer und Betrieb Anzeige zu erstatten.

5 Kommentare

  1. Wenn sich der Herr Busfahrer wegen steigender Unruhe im hinteren Bereich des Busses gestört fühlt, so hat er seinen Beruf verfehlt. Was soll ein Koch wegen steigender Temperatur in der Küche ins Feld führen? Oder ein Müllwerker wegen starker Geruchsbelästigung?

    • WHM, schon mal darüber nachgedacht, warum man während der fahrt nicht mit dem busfahrer sprechen soll?

    • @ WHM

      Da sind Sie im Irrtum. Es gibt Beförderungsbedingungen, die eingehalten werden müssen. Und zwar von Allen. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, das Lärm, Prügeln, Musik durch laut regulierte Kopfhörer und Telefonieren zu unterbleiben hat. Der Busfahrer hat sehr wahrscheinlich völlig korrekt gehandelt. Er kann die störenden Fahrgäste ermahnen und im Wiederholungsfalle des Busses verweisen. Wie ich die heutige hyperaktive und unbelehrbare Jugend kenne,war das die einzig richtige Handlungsweise ,um sich nicht zum Affen machen zu lassen und bei zukünftigen Fahrten nicht wieder so etwas zu erleben.

    • Koch und Müllwerker lenken aber keinen Bus!Was ist das denn für ein vergleich???

  2. @ WHM

    Wahrscheinlich haben sie brave Kinder und können sich gar nicht vorstellen wie es in einem Bus zugehen kann. Ich verstehe den Busfahrer es gut, aus meiner Sicht hat er vorbildlich gehandelt. Denn es sind ca. 100 andere Personen in einem Bus die heile nach Hause wollen. 1 Sekunde abgelengt sein, kann schlimme Folgen haben. Die Eltern aller Kinder sollten mit dem Nachwuchs auch mal über Benehmen im Bus sprechen.