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Ein optimales Team: Saskia Matthies (links) und Verena Burmester kennen und verstehen sich seit über zehn Jahren. Foto: ina
Ein optimales Team: Saskia Matthies (links) und Verena Burmester kennen und verstehen sich seit über zehn Jahren. Foto: ina

Eine Frage der Tradition

ina Bardowick. Sie sind beste Freundinnen, kennen sich schon seit der Grundschule. Doch nicht nur gegenseitige Sympathie, auch eine ordentliche Portion Heimatbewusstsein verbindet die neue Wurzelkönigin Saskia Matthies und ihre Hofdame Verena Burmester. Entstammen sie doch beide Bardowicker Familien mit Tradition, und auch ihre Eltern kennen sich gut. „Mit dem Amt trete ich in die Fußstapfen meiner Mutter“, erklärt die 20-jährige Amtsinhaberin stolz, denn Birgit Matthies trug die Wurzelkrone im Erntejahr 1986.

Dass Saskia das Zepter halten würde und ihre Freundin sie dabei unterstützt, war schon beim Absenden der Bewerbung an den Gemüsebauverein eine klare Sache. „Wir haben gewürfelt“, sagt Verena. Auch die 19-Jährige kann in ihrem Stammbaum einen gewissen Hang zur Monarchie nachweisen. Neben zahlreichen Ämtern ihrer Familie, unter anderem im örtlichen Schützenverein, ist ihr Vater Heiner auch noch der Schwipscousin von Heidi Burmester, seit neun Jahren Ehefrau von „Kaiser“ Franz Beckenbauer.

Adel verpflichtet, dachten sich wohl auch die Eltern und brachten ihre Töchter auf die entscheidende Idee. „Warum sich die Jury für uns entschieden hat, wissen wir nicht“, sagt Saskia. „Wir haben uns nur unheimlich gefreut.“

In ganz Deutschland gibt es Spargel-, Kartoffel- oder Weinköniginnen. Die einzigartige Auszeichnung für die gelb-orangefarbene Rübe gibt es jedoch seit 1963 nur im Domflecken. Dekorativ unterstützt von zahlreichen Würdenträgerinnen aus ganz Niedersachsen nahmen die Frischgekrönten ihr Geschmeide entgegen: Diadem, Umhang, Schärpe und die Königinnenkette mit 51 Silbermöhrchen für jedes „Dienstjahr“. Saskia ist durchaus bewusst, dass sie als erste Monarchin nach fünf Dekaden eine neue Ära einläutet. „Nach dem 50. Jubiläum sind wir das erste Paar, das nicht im März beim Wurzelball, sondern im Rahmen des Erntedankfestes gekrönt wurde. Das wird wohl auch zukünftig so bleiben.“

Im Alltag gehen die Freundinnen jedoch getrennte Wege. Während Saskia bei einer Lüneburger Maßschneiderei ihr zweites Lehrjahr bestreitet, hat Verena bereits ausgelernt, reicht bei einer Bäckereikette die Brötchen über den Tresen. Am Wochenende bleibt da glücklicherweise noch genug Zeit für das anstehende Repräsentieren. „Unseren ersten Termin haben wir am Samstag in Rotenburg beim 30. Kartoffelmarkt“, weiß die für die Terminplanung zuständige Hofdame. Besonders aufregend wird im Januar die Fahrt nach Berlin zur „Grünen Woche“. Während Verena ruhig und besonnen in die nahe Zukunft zu blicken scheint, wirkt Saskia noch leicht nervös, wenn sie an die vielen Fotos und Autogramme denkt.

„Da sind immerhin alle Königinnen aus ganz Deutschland vertreten. Mal sehen, wie wir uns dort schlagen.“ Von den Bardowicker Bürgern zweifelt sicher keiner an der Strahlkraft der charmanten Vertreterinnen. Und hungern werden sie auf ihren Reisen sicher auch nicht. „Wir haben immer ein paar Möhren zum Knabbern im Gepäck.“