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Zwei Schlaffässer stehen seit Ostern auf dem Campingplatz Rote Schleuse in Lüneburg. Für Kinder wie Lilli sind sie eine Attraktion, für Platzbetreiber Heribert Muckenhirn eine Möglichkeit, den Gästen etwas Individuelles zu bieten. Foto: t&w
Zwei Schlaffässer stehen seit Ostern auf dem Campingplatz Rote Schleuse in Lüneburg. Für Kinder wie Lilli sind sie eine Attraktion, für Platzbetreiber Heribert Muckenhirn eine Möglichkeit, den Gästen etwas Individuelles zu bieten. Foto: t&w

Urlaub im Fass

emi Lüneburg. Tipis, Schäferwagen, Schlaffässer — ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten werden auch auf den Campingplätzen in und um Lüneburg immer beliebter. „Vor allem die Plätze, die Probleme haben, Kunden anzuziehen, müssen Innovationen wagen, um sich über Wasser zu halten“, sagt Heribert Muckenhirn. Der Besitzer des Lüneburger Campingplatzes „Rote Schleuse“ hat solche Probleme zwar nicht, aber auch er hat sich für den Reiz des Individuellen entschieden. Denn der Gast soll bei ihm mehr erleben können als Zelt und Wohnmobil. Seit Ostern bietet der 58-Jährige deshalb das besondere Schlafgefühl im Holzfass an.

„Glamping“ heißt der Trend, der derzeit in ganz Europa um sich greift. Das Kunstwort setzt sich aus den englischen Wörtern „Glamourous“ und „Camping“ zusammen und bezeichnet eine Urlaubsart, die den modernen Komfort einer Ferienwohnung mit der Freiheit eines Campingurlaubs verknüpft. Für die Nacht im voll ausgestatteten Safari-Zelt oder dem luxuriösen Baumhaus geben „die neuen Camper“ schon einmal rund 150 Euro pro Nacht aus. In den rustikaleren Unterkünften wie Tipi, Schäferwagen und Fass sind Preise und Ausstattung dagegen weitaus bescheidener.

„Glamping, damit ist für mich das Individuelle gemeint“, erklärt Heribert Muckenhirn. „Diese Art von Camping spricht vor allem die Gäste an, die vorher schon viel probiert haben.“ Noch bieten seine Schlaffässer zwar mehr Faszination als Luxus. „Aber ich glaube, das Ganze wird sich noch weiter verändern“, sagt der Betreiber des Campingplatzes Rote Schleuse. „Vielleicht gibt es in den Fässern bald schon Kühl- und Kleiderschrank.“

Schon jetzt ist das 430 Zentimeter lange Holzfass im Gegensatz zum Zelt ganz einfach per Knopfdruck beheizbar, eine Infrarotheizplatte an der Decke sorgt für Wärme. Unter dem Doppelbett im hinteren Teil lässt sich ein Tisch nach vorne ausziehen, links und rechts gibt es zwei Sitzbänke, die zu Betten umgebaut werden können. Bis zu vier Personen haben so Platz. „Ein Stück Freiheit“ sei so möglich, sagt Muckenhirn. Ein festes Dach über dem Kopf, ein warmes Bett und trockene Füße sind ebenso garantiert.

Einer, der sofort von diesem Prinzip überzeugt war, ist Oliver Goljat. Seit fünf Jahren vertreibt der Rehlinger für eine Münchner Firma die Fässer in ganz Norddeutschland. Der Trend zum Ungewöhnlichen sei aus dem englischen Raum nach Deutschland geschwappt, erzählt der Rehlinger, zuerst ausgelöst durch die sogenannten „Pods“, kleine, kugelige Hobbithütten. „Das Holzfass ist ein Selbstläufer“, berichtet er. „Es ist einfach ein Hingucker, Kinder sagen sofort, da will ich rein.“
Auch der „Knaus“ Campingpark Elbtalaue/Bleckede in Alt Garge bietet Übernachtungen im Fass an. Darüber hinaus gibt es dort Tipis mit eigener Feuerstelle und Schlafplätzen für bis zu zwei Erwachsene und vier Kinder: „Vom jungen Angler bis zur Oma mit Enkeln werden die Indianerzelte gut angenommen“, sagt Mitarbeiterin Ines Schultz. „Das ist die bequemere Alternative zum normalen Zelt.“

Auf Schäferwagen für bis zu fünf Personen, integriert in ein ganzes Schäferdorf, setzt dagegen der Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf. Mitarbeiterin Jessica Homann sagt: „In jedem Wagen gibt es einen Fernseher, man muss nicht auf Komfort verzichten. Und doch sitzen abends alle zusammen am Feuer.“ Ein bisschen Abenteuer, Nähe zur Natur und Behaglichkeit — das sind die Zutaten zum neuen Campinggefühl.