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Links: Durch seinen Flieger-Copter hat sich Hobby-Modellbauer Jörg Sonnenberg einen Kindheitstraum erfüllt. Rechts: René Sagawe belegte bei den jüngsten Deutschen Meisterschaften im Offroad mit seinem ferngesteuerten Buggy den 16. Platz. Fotos: t&w
Links: Durch seinen Flieger-Copter hat sich Hobby-Modellbauer Jörg Sonnenberg einen Kindheitstraum erfüllt. Rechts: René Sagawe belegte bei den jüngsten Deutschen Meisterschaften im Offroad mit seinem ferngesteuerten Buggy den 16. Platz. Fotos: t&w

Wo Männer zu Jungs werden

mm Lüneburg. Vom Fliegen träumte Jörg Sonnenberg schon, als er noch ein Kind war. Er wollte aber nicht nur als passiver Passagier im Flugzeug sitzen, sondern selbst Pilot sein. Vor gut zehn Jahren begann der studierte Sozialpädagoge, an seiner Traumerfüllung zu arbeiten. Er kaufte sich einen ferngesteuerten Helikopter. Doch der reichte ihm nicht, schließlich möchte er selbst abheben. Deshalb besitzt Jörg Sonnenberg jetzt einen Flieger-Copter mit vier Motoren, mit dem er Rennen fliegen kann.
Der 47-Jährige saust durch die Luft, steht dabei allerdings selbst mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie jetzt auf der viel befahrenen Straße vor seinem Einfamilienhaus. Es ist ein ulkiges Bild, wie Sonnenberg dort steht. Er trägt eine große, schwarze Brille, auf der ein Sender steckt. Die Brille soll ihn nicht vor dem einfallenden Sonnenlicht schützen, er verfolgt dadurch, wo sein Flieger-Copter gerade entlang saust, über Autodächer und Baumwipfel.

Das Gestell, das Sonnenberg um seine Stirn geschnallt hat, ist eine Videobrille. Durch die kann er seinen Flieger-Copter, der etwa so groß ist wie ein Schuhkarton, fernsteuern und sich mit anderen Rennen liefern: „Eine neuer Trendsport“, sagt der Vater von zwei Kindern. Um bei Rennen zu gewinnen, müsste der passionierte Modellbauer allerdings regelmäßig üben, über Hindernisse und durch Parcours zu fliegen. Da gibt es ein Problem: Ihm fehlt ein entsprechender Trainingsplatz.

Das gilt auch für seine Mitstreiter, mit denen er im vergangenen Jahr den Verein RCV Lüneburg gegründet hat. Von zwölf Gründern ist der Verein mittlerweile schon auf etwa 60 Mitglieder angewachsen. Sie suchen nach einer freien Fläche, mindestens vier Hektar groß, wo die Flieger-Copter unbehelligt fliegen und auch Offroad-Buggies ihre Runden drehen können, ohne dass andere dadurch beeinträchtigt werden.

Im Garten von Jörg Sonnenberg steht René Sagawe, 27 Jahre alt, vor ihm liegt ein rot-schwarzer Patient: Sein ferngesteuerter Buggy, Maßstab 1:10. Das Rennauto ist lädiert: Vom rechten Hinterrad hat sich das Gummi abgelöst. „Deswegen habe ich wohl nicht gewonnen“, sagt René Sagawe, der an Wettkämpfen teilnimmt und vor kurzem den 16. Platz im Offroad-Rennen bei den Deutschen Meisterschaften belegt hat. „Ausrede, ich hätte auch so gewonnen“, meint sein Kollege Sonnenberg und lacht.

Am Buggy können wie beim Flieger-Copter sämtliche Modellierungen selbst vorgenommen werden. Im Verein sei „schon eine Menge Know-How vorhanden, das gerne weitergegeben wird“, sagt Sonnenberg.

Auch von Dimitri Knoll, der das größte Fluggerät besitzt. Einen Multicopter, ausgestattet mit GoPro-Kamera. Wenn der 38-jährige Familienvater damit umherfliegt, wird er wieder zum kleinen Jungen, er zeigt aufgeregt, dass sein Copter, den er selbst nicht „Drohne“ nennen möchte, in der Luft schwebt, ohne dass er ihn steuern würde. Sonnenberg steuert derweil seinen Flieger-Copter, vor und zurück, hoch und runter. „Auf die Dauer ist das langweilig“, sagt er. Aber auf einer neuen Fläche wäre das anders, ist er überzeugt.

Derzeit kann der Verein eine Gemeindefläche zum Üben nutzen, darf an dem Areal aber nichts verändern. Doch fürs Parcours-Fliegen und für Buggy-Rennen müssten beispielsweise Hindernisse aufgebaut werden. „Ob mieten, kaufen oder pachten, ist egal“, sagt Sonnenberg, „Hauptsache, die neue Fläche liegt in der Umgebung.“ Bis zu 600 Euro Miete wären sie bereit zu zahlen. Und sie würden gerne auch ein kleines Häuschen darauf setzen sowie zusätzliche Spielgeräte für Kinder, die ihren Vätern und Müttern dann bei ihrer größten Leidenschaft über die Schulter schauen könnten.