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So harmonisch sich der Glasanbau nun an die beiden historischen Häuser auch anschmiegt, er war wohl eines der umstrittensten Elemente des Sanierungsprojekts. Foto: t&w
So harmonisch sich der Glasanbau nun an die beiden historischen Häuser auch anschmiegt, er war wohl eines der umstrittensten Elemente des Sanierungsprojekts. Foto: t&w

Bücherei im Nikolaihof: Bau-Juwel öffnet seine Tore

dth Bardowick/Lüneburg. Es ist ein Juwel unter den Baudenkmälern in Stadt und Landkreis, das jetzt wieder öffentlich zugänglich ist: Mit der feierlichen Eröffnung der „Bücherei Bardowick im Nikolaihof“ beginnt ein neues Kapitel für ein Herzstück des mittelalterlichen Bauensembles, das in Norddeutschland einmalig ist.

Mit neuem Leben erfüllt wird künftig das 1316 als ältestes Spitalhaus des St. Nikolaihofes errichtete Alte Männerhaus sowie das um 1700 errichtete Neue Männerhaus. Beide Gebäude sind nun durch einen gläsernen Anbau verbunden. Der Streit um die Genehmigung war nur ein Punkt, der den Planern in den vergangenen viereinhalb Jahren die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Auch wenn sich die Bauzeit in die Länge gezogen hat, das Baubudget von 3,317 Millionen Euro sei sogar um drei Prozent unterschritten worden, sagte Architekt Onno Folkerts, Geschäftsführer von Angelis & Partner bei der Schlüsselübergabe.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Nikolaihof 1251. Er diente als Hospital für Leprakranke aus Lüneburg. Nach dem Rückgang der Lepra wurde der Nikolaihof in ein Altersheim für gut situierte Lüneburger umgewandelt: In die ursprüngliche große Krankenhalle des Alten Männerhauses wurden zu beiden Seiten eines breiten Flures kleine Wohnkammern eingebaut, die Wände wurden um das Jahr 1420 datiert. Auch diese Wohnkammern sind jetzt bis zu den Decken mit Lesestoff gefüllt.
Rund 100 Gäste wohnten der Feierstunde bei. Das Bardowicker Blasorchester sorgte für musikalische Unterhaltung, auch beim anschließenden Tag der offenen Tür.

„Wir haben etwas altes Ehrwürdiges wieder hergestellt und verbinden es durch die Bücherei mit etwas Neuem“, sagte Bardowicks Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor Heiner Luhmann, „und wir schaffen es hoffentlich auch, die Jugend für die Historie zu begeistern.“ Er lobte besonders Anke Held, die seitens der Stadt Lüneburg das Projekt fachlich betreut hatte, und Sandra Ahlers vom Bauamt der Samtgemeinde Bardowick: „Beide haben das Projekt mit Herzblut gelebt.“

Lüneburgs Bürgermeister Eduard Kolle zeigte sich erleichtert, dass die Hansestadt die Lüneburger Exklave Nikolaihof in vergangenen Zeiten nicht an Bardowick verkauft hat, er sagte: „So ein Kleinod gehört zu Lüneburg.“ Gleichwohl zeige das gemeinsame Sanierungsprojekt, wie gut Lüneburger und Bardowicker zusammenarbeiten können. Verwaltet wird der Nikolaihof von der städtischen Stiftung „Hospital St. Nikolaihof“.

Streit gab es aber 2012 bei der Genehmigung des gläsernen Verbindungsbaus. Da hatte sich eine Zeit lang der Flecken Bardowick quer gestellt. Rund 20 verschiedene Entwürfe legte das Architekturbüro vor, bis eine Einigung erzielt worden war. Architekt Folkerts scherzte nun: „In der Zeit hätte ich auch einen zehngeschossigen Verwaltungsbau errichten können.“ Insgesamt 13 Facharchitekten und 23 Betriebe waren an der Sanierung der Männerhäuser beteiligt.

Ursula Schwanitz-Roth, Leiterin der Bücherei, sagt: „Noch ist nicht alles perfekt, wir haben uns aber gut in die historischen Räume eingefügt. Unser großes Anliegen bleibt weiterhin die Leseförderung. Aber nun können wir außerdem unseren Lesern und auch anderen Besuchern diese in Norddeutschland einmalige Anlage eines mittelalterlichen Leprosoriums nahebringen.“

Gemeindedirektor Luhmann bereitete die ersten Besucher auf einen möglichen Schreck vor: „Wenn Sie sich manche Wand angucken, werden Sie meinen Oh, da haben wir einen Schimmelbefall. Nein, das sind uralte Gemälde.“ Die kamen zum Vorschein, als die Arbeiter das Baumaterial entfernten, das nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut worden war, Sauerkrautplatten und Gipskarton herausrissen. Eine umfassende Restauration der Wand- und Deckenmalereien steht noch aus, sie verleihen manchen verwinkelten Leseräumen und -nischen aber auch so einen besonderen Charme.

Die Sanierung des Nikolaihofs für insgesamt acht Millionen Euro ist noch nicht in Gänze abgeschlossen. Zuletzt war die kleine Kirche des Nikolaihofs erneuert worden. Als nächstes stehen bei der Sanierung des Bauensembles unter anderem die Herrenpfründnerhäuser auf dem Programm. Jene historischen Gebäude sind jüngeren Datums, rund 100 Jahre später. Schon damals hatten die wohlhabenden Lüneburger erkannt, dass man nicht nur die Kranken nach Bardowick abschieben, sondern in dem Domflecken auch klasse wohnen kann.