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Künstler aus vier Bereichen - Bildende und Darstellende Kunst, Literatur und Musik, werden mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr überreichte Landrat Manfred Nahrstedt die Trophäen an Björn Lindner (Mitte, Airbrush- und Spray-Künstler) und den Jazzer Hauke Schlüter. Foto: t&w
Künstler aus vier Bereichen - Bildende und Darstellende Kunst, Literatur und Musik, werden mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr überreichte Landrat Manfred Nahrstedt die Trophäen an Björn Lindner (Mitte, Airbrush- und Spray-Künstler) und den Jazzer Hauke Schlüter. Foto: t&w

Kulturförderpreis: Mit dem Mut zur Karriere

ff Scharnebeck. Graffiti haben keinen guten Ruf — in der Regel denken wir an hastig hingesprühte Kritzeleien, die hässliche Betonmauern noch hässlicher machen. Auch Björn Lindner hat so angefangen, das ist allerdings lange her. Längst hat er den Umgang mit der Spraydose zu seiner Kunstform verfeinert, Lindner bekommt öffentliche Aufträge und mittlerweile auch Auszeichnungen. Die jüngste: der Kulturförderpreis des Landkreises Lüneburg, zusammen mit dem Jazzmusiker Hauke Schlüter.

Landrat Manfred Nahrstedt skizzierte bei der Feier in der Domäne Scharnebeck die Geschichte des Förderpreises, der zunächst von 1979 bis 2001 und jetzt wieder seit 2009 jedes Jahr an zwei Künstler vergeben wird und heute — „Der Landkreis Lüneburg ist arm!“ — mit jeweils 1000 Euro dotiert ist. Karin Ose Röckseisen beschrieb in ihrer Laudatio Björn Lindner, 1978 in Salzhausen geboren, als einen Sprayer, der früh seine Passion gefunden hatte und sie konsequent im Blick behielt. Dazu gehört ein Kommunikations-Design-Studium in Hamburg, die Teilnahme an Events, etwa an dem hochkarätig besetzten Festival der Leuphana und der Stadt Lüneburg 2009 — „ein Ritterschlag“, so Röckseisen. Zuletzt hatte Lindner für das Lunatic 2015 einen riesigen Tiger in seiner typischen Handschrift geschaffen: hyperrealistische Malerei mit Science-Fiction-Elementen. In seiner Dankesrede erinnerte der Künstler, der im kommenden Jahr unter anderem in China arbeiten wird, an seinen Lüneburger Mentor Jens Flechtner, „diesen Preis möchte ich ihm widmen“.

Der 20-jährige Hauke Schlüter zeigte, so Jürgen Baumgarten, „schon früh den Mut zur Karriere eines Berufsmusikers“. Immer wieder war der Saxophonist und Klarinettist in Lüneburger Jazzbands zu hören, heute studiert er in Bremen. Der Jazzer, der Helge Schneider ebenso verehrt wie Miles Davis, pflegt eine entsprechende Bandbreite, auch in den eigenen Kompositionen, von denen einige in Scharnebeck zu hören waren. Schlüter würdigte „die reichhaltige Kulturszene in Lüneburg“, die ihn immer wieder musikalisch befeuert habe, vor allem natürlich die Jazz IG, und beklagte in diesem Zusammenhang den Ausfall des Jazzworkshops, der 2015 zum Opfer (besonders) knapper Kassen wurde. Landrat Nahrstedt fühlte sich angesprochen, verteidigte die Entscheidung, die Gelder diesmal anderswo einzusetzen.