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Rund 80.000 Euro hat die Samtgemeinde Ilmenau in die Herrichtigung des Friedhofes in Deutsch Evern investiert.  Foto: nh
Rund 80.000 Euro hat die Samtgemeinde Ilmenau in die Herrichtigung des Friedhofes in Deutsch Evern investiert. Foto: nh

Themenwelten auf den Friedhöfen

kre Melbeck. Alles hat seine Zeit — auch der Tod. „Und damit auch die Bestattungskultur“, weiß Peter Rowohlt. Dass sich der 48-Jährige schon jetzt intensive Gedanken über die Friedhofspflege und -gestaltung macht, ist seinem Amt geschuldet: Denn seit knapp einem Jahr ist der Sozialdemokrat hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau — und damit Herr über die kommunalen Gottesacker in der Samtgemeinde. Manche Grabstätten aber sind ordentlich in die Jahre gekommen — Kritik am Zustand der Friedhöfe wurde zusehends laut. Deshalb geht die Samtgemeinde die Friedhofsgestaltung jetzt grundsätzlich an. In Deutsch Evern wurde mit der Um- und Neugestaltung bereits begonnen.

Rund 80 Tannen und Dutzende anderer Baumarten waren im Frühjahr gefällt worden, „um Licht zu schaffen auf dem Friedhof“, wie Rowohlt damals betonte. Die Kapelle wurde saniert, erhielt ein neues Reetdach, einen neuen Fußboden und eine neue Beleuchtung. Alles Arbeiten, die aus Sicht der Verwaltung dringend notwendig waren. Abgeschlossen sind die Gestaltungsarbeiten damit aber noch nicht, denn die Samtgemeinde will künftig auf dem Friedhof in Deutsch Evern auch Baumbestattungen ermöglichen — ein Trend der zusehends Anhänger findet.

Der Friedhof in Deutsch Evern ist nicht der einzige Gottesacker, der neu gestaltet werden soll: Im Rat hat sich eigens eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich auch andere Friedhöfe angeschaut hat — und mit vielen guten Ideen wiederkam: „´Wir wollen verschiedene Themengebiete auf den Friedhöfen anlegen“, erklärt Rowohlt. In Embsen etwa soll ein Rosen- oder Lavendelbereich entstehen, in Deutsch Evern sollen Gingkos gepflanzt werden — als Fortsetzung der Baumbestattungen, und in Melbeck soll ein Teil des Friedhofes so gestaltet werden, das er an eine Welle erinnert. ,,Aufgrund der Nähe zur Ilmenau“, erklärt der Samtgemeindebürgermeister und nennt auch gleich den Zeitplan. „Als nächstes soll Embsen in Angriff genommen werden.“

Was zunächst teuer klingt, kann mittelfristig dazu beitragen, dass der Samtgemeindehaushalt beim Friedhofswesen nicht weiter in die roten Zahlen rutscht. Flensburg habe es vorgemacht. „Nicht nur, dass aufgrund der neugestalteten Urnenfelder mehr Bestattungen möglich sind — die Grabpflege wird auch für die Friedhofsmitarbeiter einfacher“, sagt Rowohlt. Und das spare letztlich Zeit — und damit Kosten.

Am Donnerstag, 1. Oktober, tagt der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Samtgemeinde zu diesem Thema. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus in Melbeck.

2 Kommentare

  1. Ein Friedhof ist kein „Freizeitpark“, der nach „Themengebieten“ organisiert werden müsste. Urnenfelder „in Wellenform“ sind genauso überflüssig wie Baumbestattungen, die für die Hinterbliebenen lediglich Kosten sparen und privaten Betreibern Geld in die Kassen spülen sollen. Die mehrfache Verwendung des schönen Begriffs „Gottesacker“ in diesem Beitrag zeigt auf, woran es eigentlich fehlt. An der Bereitschaft der Menschen, ihrem Glauben und einer jahrhundertelang praktizierten christlichen Caritas folgend, sich um ihre Sterbenden zu sorgen, eine angemessene Bestattung auf einem Friedhof und im Gedenken an die Toten eine langjährige Grabpflege sicher zu stellen und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. In einer Zeit, in der für jede Urlaubsreise und jedes neue Gerät der Unterhaltungselektronik Unsummen ausgegeben werden, sollte gelegentlich auch mal über die Frage der Prioritäten nachgedacht (und diskutiert) werden.

    • sollte gelegentlich auch mal über die Frage der Prioritäten nachgedacht (und diskutiert) werden
      eine prima idee, fangen wir doch schon mal an. frage: warum muss an dem tod und nach dem tod an dem toten und an den hinterbliebenen , unbedingt geld verdient werden? hört die ausbeutung denn nie auf?