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Die Reiterbar, über viele Jahre beliebter Anziehungspunkt für Feiern in Oedeme, könnte Standort für ein Dorfgemeinschaftshaus werden. Foto: A/be
Die Reiterbar, über viele Jahre beliebter Anziehungspunkt für Feiern in Oedeme, könnte Standort für ein Dorfgemeinschaftshaus werden. Foto: A/be

Oedeme soll weiter wachsen

us Lüneburg. Alte Hofanlagen, hoher Baumbestand, Wiesen, Weiden und die alte Reiterbar — der gewachsene, historische Ortskern von Oedeme prägt bis heute das Bild des Lüneburger Stadtteils, auch wenn längst große neue Wohngebiete an seinen Rändern entstanden sind. Doch nachdem ein landwirtschaftlicher Betrieb aufgegeben wurde und der Jägerhof seine Tore für immer geschlossen hat, gibt es Pläne, auch hier Flächen für weitere Wohnbebauung auszuweisen. Die Stadt hat nach langer Planung nun einen Entwurf für den Bebauungsplan „Östlicher Ortskern Oedeme“ vorgelegt, der am Montag, 12. Oktober, im Bauausschuss des Rates vorgestellt werden soll.

„Unser Ziel ist es, das bestehende Ortsbild zu sichern und die ortstypische Bebauung fortzusetzen“, erläutert Matthias Eberhard, Leiter Stadtplanung, den Kerngedanken, der dem Entwurf zugrunde liegt. Dazu soll sich eine neue Bebauung nicht nur der vorhandenen optisch anpassen, auch die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude für Wohnzwecke soll möglich sein, erklärt Eberhard. Darüber hinaus soll auch der fortbestehende landwirtschaftliche Betrieb in seinem Erhalt gesichert und die Voraussetzungen für die Errichtung eines Gemeinschaftshauses auf dem Gelände der früheren Reiterbar geschaffen werden.
Das Gebiet, das die Stadt mit ihrem Bebauungsplan in den Blick genommen hat, erstreckt sich von der Reiterbar im Norden bis zur Straße Hinter der Gärtnerei im Süden, östlich wird es von den landwirtschaftlichen Flächen entlang des Hasenburger Mühlenbaches, im Westen von Gründstücken an der Straße Im Dorf begrenzt. Im Vorfeld wurde intensiv über Geschossanzahl, Dachneigungen sowie Trauf- und Firsthöhen diskutiert. Konsens gab es in der Dorfgemeinschaft darüber, in der Ortsmitte keine der überall aus dem Boden sprießenden sogenannten Stadtvillen zu akzeptieren

Die Stadt kommt diesen Wünschen mit ihrem Entwurf weitgehend entgegen. So sollen bauliche Anlagen nur mit einem Vollgeschoss zulässig sein, die Traufhöhe ist mit maximal vier Metern, die Firsthöhe mit neun Metern festgelegt. Als Fassadenmaterial sind für Hauptgebäude nur Verblend- oder Sichtmauerwerk aus Ziegelsteinen in roten bis rotbraunen Farbtönen zulässig, ebenso Holz-Fachwerk-Fassaden. Dächer sind als Sattel- oder Krüppelwalmdächer auszuführen, hochglänzende Dachziegel sind verboten, Sonnenkollektoren wiederum erlaubt.

Wer eine Garage oder einen Carport neben sein Haus setzen will, muss dessen Dach begrünen. Und da der Hasenburger Mühlenbach bisweilen auch gern mal über die Ufer tritt, müssen sämtliche Bauteile eines Gebäudes oberhalb des Grundwasserspiegels liegen. Zwar sind jetzt auch entgegen der Wünsche einiger Oedemer Reihenhäuser zulässig, allerdings nur mit maximal vier Wohneinheiten je Reihenhaus.

Allerdings beeinhaltet der Entwurf auch zahlreiche Ausnahmeregelungen, zum Beispiel, dass auch zweigeschossige Bebauung oder eine Firsthöhe bis zu 11,50 Metern möglich ist oder auch lasierte Holz-Verkleidungen auf Bauteilen zulässig sind. Damit will die Stadt „bei städtebaulicher Vertretbarkeit“, wie es in dem Entwurf heißt, den Erhalt und die neue Nutzung bestehender Gebäude ermöglichen und so den ortsbildprägenden Charakter erhalten.

Im Oedemer Ortsrat fand der Entwurf bereits Zustimmung. „Ich wäre nicht abgeneigt, möglichst alle Scheunen zu erhalten“, sagte Ortsbürgermeisterin Christel John zu den Plänen. Ob diese wie von der Stadt vorgeschlagen in die öffentliche Auslegung kommen, wird im Rat der Stadt und zuvor nun im Bauausschuss beschlossen.