Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eng wird es für die Fluten der Elbe bei Barförde wie hier beim Hochwasser 2013. Auch dort startet am 1. Oktober der Rückschnitt der Verbuschung, um Hochwasser schneller abfließen zu lassen. Doch die Effekte sind geringer als erwartet. Foto: A/boldt
Eng wird es für die Fluten der Elbe bei Barförde wie hier beim Hochwasser 2013. Auch dort startet am 1. Oktober der Rückschnitt der Verbuschung, um Hochwasser schneller abfließen zu lassen. Doch die Effekte sind geringer als erwartet. Foto: A/boldt

Kleine Enttäuschung an der Elbe

ml Lüneburg. Auf den „großen Wurf gehofft“ hatte auch Norbert Thiemann. „Doch der ist es nicht geworden“, gesteht der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes (ADV). Bei einem Fachgespräch zum Hochwasserschutz im Bleckeder Elbschloss hat die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) jetzt ihren Abschlussbericht zur „2D-Modellierung an der unteren Mittelelbe zwischen Wittenberge und Geesthacht“ vorgestellt.

Berechnet worden waren mit dem 2D-Strömungsmodell auch die Effekte von Rückschnittmaßnahmen im Deichvorland. Elbanrainern ist die sogenannte Verbuschung seit Jahren ein Dorn im Auge. Zudem ist der Rückschnitt schnell zu realisieren und kostengünstig im Vergleich zu anderen Maßnahmen, die den Hochwasserabfluss verbessern. Doch die Ergebnisse, die jetzt präsentiert wurden, sind eher bescheiden.

„Die ermittelten großräumigen Auswirkungen der untersuchten abflussverbessernden Maßnahmen bei einem hundertjährlichen Hochwasser senken den Wasserspiegel in der Größenordnung von einem Dezimeter“, gab der zuständige Abteilungsleiter im Umweltministerium, Kay Nitsche, bekannt und schob nach: „Die Absenkung fällt damit zwar geringer aus als zu Projektbeginn erwartet, im Fall eines gefahrbringenden Hochwassers zählt aber jeder abgesenkte Zentimeter.“ Das sieht Thiemann genauso und ist dennoch enttäuscht. „Erwartet hatten wir eine Absenkung von mindestens 50 Zentimetern, jetzt sind es nur 10 geworden.“

Gleichzeitig warnt der ADV-Geschäftsführer vor Zweifeln an den Ergebnissen. „Das Modell arbeitet mit in der Wasserwirtschaft anerkannten Verfahren, es in Frage zu stellen, ist der falsche Ansatz“, sagt Thiemann. Vielmehr müsse man den Blick im zuständigen Arbeitskreis Elbe nun nach vorne richten, „und sehen welche Möglichkeiten wir noch haben“.

Im Blick hat Thiemann dabei die drei Engstellen der Elbe im Bereich des Landkreises Lüneburg bei Darchau, Barförde und Hohnstorf. Gilt als Faustformel, dass die Elbe rund 600 Meter Platz zwischen den Deichen am linken und rechten Ufer braucht, sind es dort teilweise weniger als 400. Deichrückverlegungen und sogenannte Umfluter oder Flutrinnen könnten die Lage bei Extremhochwassern entschärfen. Wo dies möglich ist, muss nun im Arbeitskreis Elbe geprüft und mit dem Strömungsmodell berechnet werden.

Dabei steht für den Fachdienstleiter Umwelt des Landkreises Lüneburg, Stefan Bartscht, jetzt schon fest: „Wir lösen das Problem nicht allein.“ Als Unterlieger der Elbe kommt es für den Kreis darauf an, das Wasser möglichst schnell abzuleiten. Maßgeblich und entscheidend sind für ihn deshalb geplante Überflutungsflächen im Oberlauf der Elbe. „Unter optimalen Bedingungen können alle Polder, die die Länder zum Nationalen Hochwasserschutzprogramm angemeldet haben, und die vom BfG durchgerechnet worden sind, den Wasserstand um 80 bis 90 Zentimeter absenken“, sagt Bartscht. Das würde die Lage an der Elbe deutlich entspannen, ist aber noch Zukunftsmusik.

Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Für eine dauerhafte Lösung müssen wir deutlich größer denken“, sagt Bartscht und hat dabei die niederländischen Nachbarn im Blick. Seit 2007 wird an Rhein, Waal und Ijssel das Programm „Raum für die Flüsse“ umgesetzt. Dabei fließen rund 2,3 Milliarden Euro in 30 Projekte. Erst im Februar hatten Mitglieder des Beirates des Biosphärenreservates „Niedersächsische Elbtalaue“ die Region in Holland besucht und waren tief beeindruckt zurückgekehrt.