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Überraschend hatte der Betreiber Vattenfall im August den Antrag auf Stilllegung und Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel gestellt. Begleitet werden soll der Prozess von einem Dialogforum. Der Startschuss fiel gestern, begleitet von Kritik. Foto: A
Überraschend hatte der Betreiber Vattenfall im August den Antrag auf Stilllegung und Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel gestellt. Begleitet werden soll der Prozess von einem Dialogforum. Der Startschuss fiel gestern, begleitet von Kritik. Foto: A

Runder Tisch „nicht mehr rund“

kre Geesthacht. Als Pannen-Meiler war das Atomkraftwerk Krümmel in den vergangenen Jahren verrufen. Und auch jetzt steht das stillgelegte Atomkraftwerk am Elbufer bei Geesthacht in der Kritik. Der Betreiber Vattenfall möchte das Atomkraftwerk rückbauen, hat dazu zu einem „Runden Tisch“ eingeladen, der am Mittwoch Nachmittag zum ersten Mal tagte. Doch was als breite Bürgerbeteiligung und -information gedacht ist, stößt bei Atomkraftgegnern auf Widerstand. Sie monieren nicht nur, dass das Verfahren wenig transparent ist, sondern auch, dass Vattenfall selbst bestimmt, wer an dem „Runden Tisch“ Platz nehmen darf und wer nicht. „Ein Dialogforum, bei dem vorab von Seiten des Betreibers ausgewählt wird, wer daran teilnehmen soll und dadurch auch, wer nicht ist schon vor der ersten Sitzung nicht mehr rund“, moniert etwa Dr. Bernd Redecker vom Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom, das die Teilnahme an der Runde aus genau diesen Gründen abgesagt hat.

Eingeladen sind laut Vattenfall-Pressesprecher Steffen Herrmann unter anderem Mitglieder des Ausschusses für Energie der Geesthachter Ratsversammlung, die Elterninitiative Geesthacht und der Naturschutzbund Deutschland. „Der Teilnehmerkreis ist in etwa deckungsgleich mit dem Teilnehmerkreis vom Dialogforum Brunsbüttel, das ebenfalls zeitnah zum ersten Mal tagt“, erklärt Herrmann.

Doch auch zu dieser Veranstaltung hagelte es Kritik: „Dort hätten die eingeladenen Bürgerinitiativen den Erörterungstermin unter Protest verlassen, weil die öffentlich ausgelegten Unterlagen eine Bewertung der Rückbaupläne in keiner Weise zulassen würden“, berichtet Redecker.

Schriftlich hatte das Lüneburger Aktionsbündnis Vattenfall seine Bedenken mitgeteilt und den Konzern aufgefordert, das Format zu überdenken. „Im Antwortschreiben bezieht Vattenfall zu der geäußerten Kritik keine Stellung, weist aber da­rauf hin, dass man nun keinen Runden Tisch mehr plane, sondern ein Dialogforum, weiterhin mit geladenen Gästen“, sagt Bernd Redecker und setzt süffisant nach: „Man hat also schon vor dem ersten Termin den eigenen Anspruch zurückgeschraubt.“

Auch wenn Vattenfall jetzt bei der Atomaufsicht in Kiel den Antrag auf Stilllegung und Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel gestellt hat, wird es mindestens vier Jahre dauern, bis die Aufsichtsbehörde den Antrag bearbeitet hat. „Wenn dann plangemäß mit dem Rückbau begonnen werden kann, wird das Kernkraftwerk Krümmel 2031 aus der Atomaufsicht entlassen werden und der Rückbau etwa 2034 abgeschlossen sein“, nennt Herrmann den Zeitplan.

Für die Atomkritiker dagegen enthält schon der Antrag auf Stilllegung der Anlage eine Menge Zündstoff: „Darüber muss geredet werden. Und zwar mit allen und nicht hinter verschlossenen Türen auf dem Vattenfall-Gelände“, fordert Redecker. So habe der Konzern seinen Worten zufolge angekündigt, dass man mit dem Rückbau beginnen wolle, bevor die rund 20 defekten Brennstäbe aus der Anlage entfernt würden. Aus Sicht des Lüneburger Aktionsbündnisses ein „unverantwortliches Vorgehen, das gravierende Unfälle in Kauf nimmt“.

Unklar ist auch noch, wo das radioaktiv verstrahlte Material später einmal endgelagert werden soll: „Schacht Konrad für schwach radioaktives Material und die Suche und Realisierung nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle könnten sich weiter verzögern“, räumt Vattenfall-Sprecher Herrmann letztlich ein.