Donnerstag , 8. Dezember 2016
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1000 Bewohner ab 18 Jahren wurden in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen, Gifhorn und der Stadt Wolfsburg vom Forsa-Institut zum A39-Ausbau befragt. Insgesamt 70 Prozent sind dafür. Die IHK veröffentlicht die weiteren Umfrage-Ergebnisse unter www.unsere-a39.de Grafik: Forsa-Umfrage
1000 Bewohner ab 18 Jahren wurden in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen, Gifhorn und der Stadt Wolfsburg vom Forsa-Institut zum A39-Ausbau befragt. Insgesamt 70 Prozent sind dafür. Die IHK veröffentlicht die weiteren Umfrage-Ergebnisse unter www.unsere-a39.de Grafik: Forsa-Umfrage

A39: Umfrage verleiht schweigender Mehrheit eine Stimme + + + Mit Videos

dth Lüneburg. Sieben von zehn der Befragten sind für den Ausbau der A39 und acht von zehn sind der Ansicht, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen würden. Das sind nur zwei Ergebnisse der Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, die die Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg für 16000 Euro in Auftrag gegeben hat. Seit Wochen wirbt die IHK mit ihrer Pro-A39-Kampagne für den Autobahnausbau zwischen Lüneburg und Wolfsburg. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert sprach beständig „von der schweigenden Mehrheit für die A39“. Nach der Präsentation der Umfrageergebnisse sagte er auf LZ-Nachfrage: „Recht hatte ich schon immer, aber jetzt kann ich das belegen!“

Anfang September hat Forsa 1000 Menschen in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Gifhorn sowie der Stadt Wolfsburg befragt. „Eine Mehrheit für den Ausbau der A39 findet sich in allen Alters- und Wählergruppen mit Ausnahme der Grünen-Anhänger“, fasst Dr. Peter Matuschek vom Forsa-Institut in Berlin die Ergebnisse zusammen. Vor allem die Grünen-Anhänger zeigten sich mit 44 Prozent Befürwortern und 45 Prozent Gegnern besonders gespalten. Während die Haltung bei CDU- und SPD-Anhängern mit 80 beziehungsweise 76 Prozent wesentlich deutlicher ausfällt.

Wichtigste Gründe für den Ausbau aus Sicht der Befürworter (70 Prozent) sind nach einer offenen Abfrage (Mehrfachnennungen waren möglich) vor allem kürzere Wege (39 Prozent), der Anschluss der Region an das Autobahnnetz (29) und die Entlastung anderer Strecken (32) und Dörfer (11), heißt es.

Die wichtigsten Gründe gegen den Ausbau aus Sicht der Gegner (18 Prozent) seien vor allem Umweltaspekte (49 Prozent), Zweifel an der Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit (31), höheres Verkehrsaufkommen (14) oder Lärmbelastung (12).

17 Prozent der Gegner nannten die Trassenführung als Ablehnungsgrund und ebenfalls 17 Prozent der Gegner sprachen sich für einen alternativen Ausbau der Bundesstraße 4 aus.

Unabhängig von der eigenen Einstellung zum Ausbau erwartet die große Mehrheit der Befragten (79 Prozent) für die Region durch einen Lückenschluss eher Vor- als Nachteile, nur zwölf Prozent sehen eher Nachteile, so Matuschek.

Die Meinungsforscher fragten unter anderem auch, wie die Bürger selbst die öffentliche Meinung zur A39 einschätzten. Dort gibt es im Ergebnis eine deutliche Diskrepanz zwischen vermuteter und der in der Umfrage festgestellten Mehrheits-Meinung: Demnach nahmen nur 46 Prozent an, dass es eine Mehrheit für den Autobahnausbau gebe. Laut Umfrage sind es aber 70 Prozent. Diese Zustimmung sei für ein Großprojekt „außergewöhnlich hoch“, sagte Matuschek. Und weiter: „Wer etwas verhindern will, ist oft stärker motiviert, sich öffentlich zu äußern. So entsteht eine verfälschte Wahrnehmung der öffentlichen Meinung.“

Zum Thema „schweigende Mehrheit“ sagte Matuschek auf LZ-Nachfrage: „Das ist kein Klischee.“ Und: „In vielen Teilen hat sich bei der Umfrage ein Muster gezeigt, das wir auch bei anderen Großprojekten sehen: Dass die Gegner relativ gut organisiert sind und die Mehrheit, die dafür ist, überhaupt keine Notwendigkeit sieht, sich zu artikulieren, aber in so einer Umfrage ihre Meinung erstmals abgibt.“ Also gilt das Prinzip: Wer am lautesten schreit, werde auch eher gehört.

Kurz nach der IHK-Pressekonferenz meldete sich bereits Eckehard Niemann zu Wort, Sprecher der Regionalgruppe Ostheide im Landesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU). Der LBU-Sprecher sieht in der präsentierten Meinungs-Umfrage „Das letzte Aufbäumen der IHK gegen das absehbare Ende der unsinnigen A 39“. Der LBU zweifele die Ergebnisse an, zumal nach einem Aus- und nicht nach einem Neubau der A39 gefragt worden sei. Zudem verweist Niemann auf gegensätzliche Internet-Abstimmungen lokaler Tageszeitungen in der Region sowie eine Bürgerbefragung in Bienenbüttel, wo sich die Bürger „mit Zweidrittel-Mehrheit klar gegen eine Auf- und Abfahrt der A39 bei Bienenbüttel“ ausgesprochen haben. Zudem setzt der LBU darauf, dass die A39 bei der Berechnung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses für den Bundesverkehrswegeplan als „grottenschlecht“ durchfiele und der Widerstand anhalte.

IHK-Geschäftsführer Zeinert sieht in den Umfrage-Ergebnissen hingegen Rückenwind für die Pro-A-39-Kampagne und will nicht nur den Lückenschluss der Autobahn erreichen, sondern auch „zwischen gefühlter und tatsächlicher Zustimmung“. Zeinert: „Wir wollen die Mehrheit der Menschen in der Region, die für die A39 sind, ermutigen, sich auch für die A39 zu bekennen.“

Zustimmung ist im Kreis Uelzen am größten

Zur Qualität der A39-Umfrage sagt Dr. Peter Matuschek vom Forsa-Institut: „Die Umfrageergebnisse sind repräsentativ.“ Das sei auch durch die regionale Gleichverteilung der Befragten auf die verschiedenen Gebiete gegeben, wenngleich die Anzahl der Befragten pro Landkreis recht klein erscheint. So wurden, proportional zur Bevölkerung, in Stadt und Landkreis Lüneburg 310 Personen am Telefon befragt, im Kreis Gifhorn 301, in der Stadt Wolfsburg 220 und im Kreis Uelzen 169. Die persönliche Betroffenheit der Umfrage-Teilnehmer durch die A39-Trasse wurde nicht abgefragt.

Verteilt auf die Befragungsgebiete, kommt Forsa zu folgenden Ergebnissen: Im Landkreis Uelzen mit den zahlenmäßig wenigsten Befragten ist die Zustimmung mit 82 Prozent am höchsten und die Ablehnung mit acht Prozent Gegnern am geringsten, im Landkreis Lüneburg liegt die Zustimmung bei 69 Prozent und die Ablehnung 24 Prozent, im Kreis Gifhorn bei 60 und 23 Prozent und in der Stadt Wolfsburg bei 76 Prozent Befürwortern und 18 Prozent Gegnern. Der Rest fällt jeweils unter „weiß nicht“.

Insgesamt fühlen sich laut der Umfrage 68 Prozent über den Ausbau der A39 in ausreichendem Maße informiert, 29 Prozent wünschten sich mehr Informationen.

 

Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg

 

Dr. Peter Matuschek, Meinungsforscher vom Forsa-Institut

(Videos: dth)

13 Kommentare

  1. Thorben Kaufmann

    Diese Umfragen haben für mich immer ein „Geschmäckle“. ‚Wes Brot ich ess, des Lied ich sing‘ betrifft auch die sogenannten „unabhängigen Institute“.
    Bei solchen Themen, die die Bevölkerung direkt betreffen, sollte man den „inneren Schweizer“ ausleben können: Bürgerbegehren! Alles andere klingt eher nach (mehr oder minder) gutem Marketing, denn nach einem repräsentativen Bild des Meinungsdurchschnitts.

  2. ich lache später. zwangsgelder kassieren und dieses geld zum manipulieren benutzen. es ist eine wirkliche wahre, demokratische organisation, diese ihk.

  3. Wer bei einer solchen Erhebung auf die oben beschriebene Art fragen würde, ob die Elbe im kommenden Frühjahr ihrer gesamten Länge nach untertunnelt werden soll, würde unter 1.000 aufs Geratewohl ausgesuchten Telefonbesitzern vermutlich ebenfalls 70% Befürworter finden.

  4. Gehört die Landeszeitung der IHK? Seriöse und neutrale Berichterstattung klingt anders…

    • Arthur, sie verwechseln da was. für diese werbung zahlt die ihk. hat nichts mit seriös und neutral zutun. die ihk hat dieses vorher angekündigt. sie will werbung für die a39 machen. um die werbungskosten machen die sich keine gedanken. die zahlen ja andere.

    • @ Arthur

      Der Eindruck entsteht, weil der LZ-Redakteur Dennis Thomas sich zunächst weitestgehend auf die auftrumpfende Pressemeldung der IHK vom 1. Oktober 2015 stützt (https://www.ihk-lueneburg.de/service/presse/presseinfos/pi_a39-PK/2765540), bevor er zaghaft widersprechende Stimmchen zu Wort kommen lässt.

      Warum ist das so?

      Da genügt ein Blick auf die beiden vermeintlich eingängigen, aber eklatant wahrheitswidrigen und tendenziösen Behauptungen:

      1) IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert sprach „von der schweigenden Mehrheit für die A39“, deren Existenz er nach der Umfrage „belegen könne“.

      –> Das trifft nicht zu. Eine „schweigende Mehrheit FÜR die A39“ kann die Umfrage NICHT „belegen“.

      Die übergroße Mehrheit der 1.000 Befragten ist NICHT FÜR die A39, sondern dieser Frage gegenübert indifferent, bekommt aber trotzdem nur die Antwortalternative „dafür oder dagegen“. Ein Drittel, nämlich 320 von 1.000 Befragten bekennt, schlecht informiert zu sein, antwortet aber trotzdem, etc., etc. Es gibt weitere Techniken des suggestiven Drängens in die gewünschte Richtung. Wer mag, kann sie sich hier selbst heraussuchen: http://unsere-a39.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Umfrageergebnisse/forsa_Meinungen_zum_Ausbau_der_A39.pdf

      2) „Wer etwas verhindern will, ist oft stärker motiviert, sich öffentlich zu äußern. So entsteht eine verfälschte Wahrnehmung der öffentlichen Meinung“, sagt Dr. Peter Matuschek vom Forsa-Institut anlässlich seiner Umfrage vom 28. September 2015, welche die Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg für 16.000 Euro bei ihm in Auftrag gegeben hatte.

      –> Dies ist unwahr:

      Ehrlich und richtig wäre gewesen zu sagen, nicht, wer etwas VERHINDERN will, sondern, wer etwas WILL, ist oft stärker motiviert, sich öffentlich zu äußern.

      Das ist im sozialpolitischen Leben IMMER so. Nur etwa 5% aller Bundesbürger engagieren sich in Parteien, Verbänden und informelleren politischen Interessengruppen.

      DAS BESTE BEISPIEL DAFÜR, wie eine kleine motivierte Gruppe, die etwas will, laut wird und wie dadurch „eine verfälschte Wahrnehmung der öffentlichen Meinung entsteht“, ist die Industrie-und Handelskammer (IHK) im Allgemeinen UND die Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg mit ihren laut in die Welt hinausposaunten „Umfrageergebnissen“ im Besonderen.

      An den Wahlen zum Präsidium, das den IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert bestellt und sein sechsstelliges Jahresgehalt bewilligt hat, — an diesen Wahlen beteiligen sich etwa 90% (d.h. 56.000 der knapp 62.000 registrierten Mitgliedsbetriebe) gar NICHT ! Wie steht es eigentlich um die LEGITIMATION der IHK Lüneburg-Wolfsburg auch nur über die „schweigende Mehrheit“ ihrer Zwangsmitglieder etwas sagen zu KÖNNEN — oder gar darüber befinden zu DÜRFEN?

      Alles, was IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert tatsächlich „belegen kann“, ist, dass die Erträge der IHK Lüneburg-Wolfsburg im Jahr 2013 aus Gebühren 2.561.248 Euro und aus Betriebserträgen zzgl. Zins-, Beteiligungs- und Wertpapiererträgen sowie außerordentliche Erträgen 18.547.238 Euro betragen haben.

      • Wenn ihre Angaben zu den Einnahmen der IHK LG/WOB nachweislich korrekt sind, ist das schon skandalös genug. Die Zwangsbeiträge sind es eh schon. Sie gehören längst in ein Zeitgeschichliches Museum.

        Leider haben sie aber vergessen die üppige Altersversorgung ehemaliger IHK-Mitarbeiter zu erwähnen. Vielleicht mögen sie dazu auch noch recherchieren. Darüber wurde übrigens auch in der LZ durchaus kritisch berichtet. Pubilk gemacht wurde diese Verschwendung durch den damaligen Geschäftsführer, der natürlich schnellstens von seinen Aufgaben entbunden wurde und anschließend noch einige Gerichtstermine mit der IHK hatte. Die Geschichte scheint leider in Vergessenheit geraten zu sein.

        • @ Klaus Mertens

          Der Aufwand aus Gehaltszahlungen für 107 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) betrug bei der Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg im Jahr 2013: € 5.980.538,- Das entspricht einem DURCHSCHNITTSverdienst von 55.892 Euro und 88 Cent.

          Die Rückstellungen für Pensions- und Beihilfeverpflichtungen der Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg wurden nach der PUC-Methode mit einem Diskontierungszins von 4,88 Prozent berechnet. Zum 31. Dezember 2013 ergab sich laut eines versicherungsmathematischen Gutachtens ein Rückstellungsbedarf für Pensionszahlungen in Höhe von 21.228.928 Euro bei einem zu buchenden Zinsaufwand von 1.006.237 Euro.

          Die RÜCKSTELLUNGEN für Pensionen (21.475.798 Euro) werden für die eigenen Mitarbeiter und Ruhegeldempfänger auf Grundlage der versicherungsmathematischen Gutachten zum Bilanzstichtag berechnet (21.228.928 Euro). Für drei (!) Mitarbeiter anderer Industrie- und Handelskammern, für die ebenfalls anteilige Pensionsverpflichtungen bestehen, lagen 2013 Gutachten der jeweiligen Kammern vor (246.871 Euro).

          Höhe der AltersversorgungsZAHLUNGEN der IHK Lüneburg-Wolfsburg:

          2006: 1.096.000 Euro (für 67 ehemalige Mitarbeiter)

          2007: 1.142.000 Euro (für 67 ehemalige Mitarbeiter)

          2008: 1.236.000 Euro (für 66 ehemalige Mitarbeiter)

          2009: 1.295.000 Euro (für 64 ehemalige Mitarbeiter)

          2010: 1.352.000 Euro (für 68 ehemalige Mitarbeiter)

          2011: 1.422.000 Euro (für 72 ehemalige Mitarbeiter)

          2012: 1.465.604 Euro (für 73 ehemalige Mitarbeiter)

          2013: 1.522.874 Euro (für 75 ehemalige Mitarbeiter)

          Quelle: http://www.ihk.de/zahlen-und-fakten

          und: https://www.ihk-lueneburg.de/service/Ueber_uns/Finanzen2/Wie_hoch_sind_die_Pensionsrueckstellungen/854348

          Beste Grüße, Hannes Jachmann

    • Überraschung in Wolfsburg

      Blatter wird neuer VW-Chef.

      Die goldenen Engel der FIFA werden künftig vom ADAC vergeben.

      Dieselfahrzeuge werden neu positioniert (als Wellness-Oasen) und die A39 wird nun in Katar gebaut.

  5. Sebastian Busse

    Der Ausbau soll endlich los gehen, und die Gegner bleiben außen vor.

  6. Clips im Kino und Netz
    IHK startet Kampagne zur Autobahn  39

    02.09.15

    Uelzen. Es kommt auf das „A“ an – wie in A 39. Das meint die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. Die Kammer startet eine Kampagne für den Bau der Autobahn zwischen Wolfsburg und Lüneburg.
    natürlich ganz neutral und ehrlich recherchiert. war der 1 april nicht schon vorbei?

  7. Wolfsburg, mon amour

    Jetzt, nachdem Winterkorn und seine Entourage von dienstbeflissenen Managern (sowie von liebedienerischen Politikern und Verbandsfunktionären) den Fortbestand des Industriestandorts sehr viel weniger wahrscheinlich gemacht haben, der 1938 als Wohnsiedlung für die Mitarbeiter des Volkswagenwerkes gegründet worden ist und bis Mai 1945 den Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ trug, wird sich das Gerede von der „Notwendigkeit“ der A39 schnell wie von selbst erledigen. Stadt und Land werden bald ganz andere Nöte zu wenden haben als die, wie sich mit Hilfe von Reklameagenturen aus einer weiteren unwirtschaftlichen Umweltkatastrophe ein Paradies niedersächsischer Lebensqualität erdichten lässt.