Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Der Radfahrstreifen entlang einer Teilstrecke der Dahlenburger Landstraße stößt bei vielen Radlern auf Kritik. Die Stadt überlegt nun, den Radweg wieder zurück aufs Hochbord zu verlegen. Foto: A/be
Der Radfahrstreifen entlang einer Teilstrecke der Dahlenburger Landstraße stößt bei vielen Radlern auf Kritik. Die Stadt überlegt nun, den Radweg wieder zurück aufs Hochbord zu verlegen. Foto: A/be

Stadt Lüneburg stellt Alternativen zur umstrittenen Radwegeführung an der Dahlenburger Landstraße vor

us Lüneburg. Die Empörung war groß, als vor gut einem Jahr im Verkehrsausschuss der Stadt beschlossen wurde, Fahrradfahrer an der Dahlenburger Landstraße künftig streckenweise auf der Straße und nicht mehr auf dem bestehenden Radweg fahren zu lassen. Viele äußerten sich besorgt, befürchteten, auf der von Autos und Schwerlastverkehr vielbefahrenen Straße nicht sicher zu sein, nutzten lieber weiterhin den Gehweg als den neu angelegten Radfahrstreifen. Da die Kritik nicht abebben wollte, signalisiert die Stadt nun ein Einlenken.

„Wir haben uns ein paar blaue Augen geholt. Die Kritik ist zum Teil berechtigt, deshalb wollen wir jetzt auf die Stopp-Taste drücken“, erklärte Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann am Mittwochabend in der Igelschule. Dorthin hatte die Stadt zu einer Bürgerversammlung eingeladen, um Alternativen zur bestehenden Variante vorzustellen. Nur rund ein Dutzend Interessierte waren der Einladung gefolgt. Drei Varianten präsentierten Moßmann und Radverkehrsplaner Michael Thöring, sie nannten Vor- und Nachteile.

Variante 1
Sie stellt den aktuellen Stand und die ursprüngliche Planung dar. Diese sieht vor, den bereits bestehenden Radfahrstreifen auf der südlichen Straßenseite bis zum Ortsausgang Höhe Einmündung Toter Weg fortzusetzen. Vorteil: Der Radfahrstreifen hätte durchgängig die erforderliche Breite, der Gehweg auf dem Hochbord könnte verbreitert werden, der Baumbestand bliebe erhalten. Nachteil: Viele Radfahrer fühlten sich auf der Straße nicht sicher, würden weiterhin den Gehweg zum Fahren nutzen. Letzteres werde aktuell zwar noch von der Stadt toleriert, widerspreche aber der Straßenverkehrsordnung und sei nur als Übergangslösung gedacht, betonte Moßmann.

Variante 2
Dabei soll der Radweg wieder zurück auf das Hochbord verlegt und parallel zum Gehweg geführt werden. Nachteil: Die Baumreihe von Höhe Ahornweg bis zur Richard-Brauer-Straße müsste weichen, um die erforderliche Breite von 1,60 Meter für den Radweg zu erhalten. Außerdem würden Kosten für Rückverlegung und Ausbau anfallen.

Variante 3
Sie sieht ebenfalls die Verlagerung des Radwegs zurück auf das Hochbord vor. Anders als in Variante 2 aber soll die Baumreihe erhalten bleiben, dazu soll das Hochbord zu Lasten der Fahrbahn verbreitert werden. Diese würde dann von jetzt 8,70 Meter auf eine Breite von 6,50 Meter schrumpfen, was aber laut Stadt immer noch der Regelgröße entspreche. Vorteil: Geh- und Radweg hätten ausreichende Breite, die Baumallee bliebe erhalten und könnte sogar noch durch weitere Bäume ergänzt werden. Nachteil: Aufgrund der Verbreiterung des Hochbords müssten Bordsteine und Kanalisation verlegt werden, die Kosten dafür lägen im sechsstelligen Bereich, wofür aber Fördermittel in Höhe von 600000 Euro abgerufen werden könnten. Die Umsetzung wäre wegen anderer anstehender Verkehrsprojekte in der Stadt allerdings nur in Etappen möglich, Moßmann nannte ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren.

Auch den Radfahrweg auf der Nordseite der Dahlenburger Landstraße hat die Stadt in den Blick genommen, hier soll das Hochbord verbreitert werden, um Geh- und Radweg durchgängig getrennt führen zu können.

Bei den Teilnehmern stießen die Pläne auf unterschiedliches Echo. Während eine Teilnehmerin der Sicherheit Vorrang vor dem Erhalt von Bäumen einräumte, sprachen sich andere für deren Erhalt aus, sahen aber auch das Problem der hohen Kosten. Generell überwog aber bei den Teilnehmern das „Gefühl nach subjektiver Sicherheit“, wie Moßmann den geäußerten Wunsch nach Rückverlegung des Radwegs auf das Hochbord bezeichnete. Denn objektiv sei der Radfahrstreifen auf der Straße sicher, „das haben Untersuchungen ergeben“, ergänzte Thöring.

Ebenfalls für Variante 3 sprach sich Leo Demuth vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) aus. Er hob dabei vor allem die Verkleinerung der Fahrbahnbreite hervor, die aus seiner Sicht den positiven Nebeneffekt der Verlangsamung des Verkehrs mit sich bringe. Tobias Neumann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zog am Ende das Fazit, dem sich der Großteil der Teilnehmer anschloss: Variante 1 sei zwar sicher, die dritte Variante aber vorzuziehen, sofern das Geld dafür bereitstehe.

Mit welcher Variante künftig geradelt werden kann, liegt in der Entscheidung der Politik. Am 4. November will sich der Verkehrsausschuss mit dem Thema beschäftigen.

11 Kommentare

  1. Schönes Foto, ist doch gleich mal eines der früheren Hauptprobleme zu erkennen: Zugeparkter Radweg, passiert dort mehrmals täglich (Paketdienste, Gärtner, Handwerker). Demnächst also weg mit dem sicheren schönen Radfahrstreifen und wieder rauf dem engen, holprigen alten Hochbordradweg. Glaube doch keiner, dass die Stadt in den nächsten 15 Jahren die Mittel für Variante 3 ausgeben kann oder will. Es wird somit die Variante 4 kommen, die die LZ nicht genannt hat: Reaktivierung des alten, unveränderten Hochbordradweg, Wegnahme des Radfahrstreifen und… fertig. mehr wird viele Jahre nicht passieren. Wir (die große Mehrheit, die Radfahrstreifen als sichere Lösung schätzen, ihn auch von anderen Städten kennen) werden also weiterhin auf dem unzureichenden, oft zugeparkten und im Winter nicht geräumten Hochbordradweg fahren müssen und das alles wegen ein paar Radlern, die sich sukjektiv „unsicher“ auf einem Radfahrstreifen fühlen, schade – man hätte es länger laufen lassen müssen, die Menschen in anderen Städten haben sich schnell daran gewöhnt. Lüneburg wollte doch 25% Radverkehrsanteil erreichen? Mit der bestehenden Radinfrastruktur wird dieses Ziel nie und nimmer erreicht. Übrigens fahren auch viele berufstätige Pendler aus dem östlichen Umland diese Strecke, werden/wurden diese Verkehrsteilnehmer einbezogen, welche Variante sie bevorzugen?

    • Wahre wahre worte! Der Radstreifen ist ja auch primär für Leute die von A nach B kommen wollen. Und das geht am entspanntesten auf so einem Streifen ohne ewiges hoch und runter (jetzt nicht Schlaglöcher sondern ein und Ausfahrten gemeint)

    • Hermann Brakelmann

      Mit der mutmaßlichen „Variante 4“ könnte ich leben, wenn der Fahrzwang auf dem Hochbord entfällt. Wer wegen subjektiver Befindlichkeiten partout nicht vom handtuchschmalen Horror-Hochbord mit seinen Wurzelaufbrüchen und den kreuzenden Kfz bei den Grundstückszufahrten lassen kann, soll sich meinetwegen dort den Hals brechen. Allen anderen, die noch an ihrem Leben hängen, sollte die Nutzung der Fahrbahn nicht verboten werden. Geht nebenan auf der Bleckeder Landstraße schließlich auch.

      • Zu Variante 4: Bei dem „Radweg“zustand besteht sowieso keine Benutzungspflicht mehr.

        Hier wird wieder unnütz Geld verpulvert, alleine 600T€ Fördermittel. Wie viel muss die Stadt da wohl noch selbst zuschießen? Das wird schön verschwiegen.

        Variante 1 ist installiert und objektiv sicher. Daran mit viel Geld aufgrund subjektiver Ansichten einiger weniger etwas ändern zu wollen, erscheint mir mal wieder wie ein schlechter Scherz.

        • Das Land fördert Radwege nur, wenn sie „dringend erforderlich“, also benutzungspflichtig sind. Bei Variante 2 + 3 wird die Stadt vor dem Dilemma stehen, entweder eine rechtlich fragwürdige Benutzungspflicht anordnen zu müssen (nach BVerwG-Urteil aus 2010 innerorts so gut wie unmöglich) oder auf Fördermittel zu verzichten. Auf die Auseinandersetzungen im Haushaltsausschuss freue ich mich jetzt schon 😉

  2. Ralf Stein-Cadenbach

    Die Gefahr für Radfahrer geht keineswegs von Kfz aus, die von hinten kommen, sondern
    1. von Fahrzeugen aus Seitenstraßen und Ausfahrten, die die Radfahrer übersehen – und zwar gerade wegen dem Radweg!
    2. von sich öffenenden Türen haltender PKWs
    Der erste Vorschlag mit Radwegstreifen-Bemalung hilft nichts dagegen, im Gegenteil: er zwingt die Radfahrer sehr nahe an den parkenden Autos vorbei zu fahren.
    Die wichtigste Maßnahme wäre also ein Park- und Halteverbot, das die Lage übersichtlich macht. Wenn dies nicht durchsetzbar ist, gibt es nur eine sinnvolle Alternative: Aufhebung des Radwegs kombiniert mit Fussweg mit Schild „Radfahrer frei“, für die, die sich fälschlicherweise auf dieser Katastrophe von Radweg sicher fühlen. Es wäre auch die kostengünstigste Lösung.

    • Kostengünstig?

      Dazu nur mal soviel: Das Dorf am Niederrhein, wo ich aufgewachsen bin, gönnte sich 1994 nicht nur gelbe Radstraßen plus Fußgängerareal im Zentrum, sondern 2001 mal eben für eine halbe Milliarde Euro auch eine Komplettüberdachung der gesamten Ortschaft. Die riesige beheizbare Glaskuppel bietet auch noch Platz für einen üppigen Palmengürtel und soll beleuchtet nachts vom Mond aus sichtbar sein. Immerhin: Das Dorf wird in Kürze vollständig abgerissen, weil es im Braunkohleabbaugebiet liegt. Die Gemeinde klagt natürlich auf einen Wiederaufbau an anderer Stelle.

    • Hermann Brakelmann

      Warum Fußweg/Radverkehr frei? Ein Hochbord mit getrennten Geh- und Radwegen braucht keinen Schilderwald, wenn der Radwegzwang aufgehoben wird.

      • und auf seinem grabstein stand:,, ich hatte doch vorfahrt“.

        • Eben. Daher die Fahrbahnfreigabe. Wegen der besseren Sicht auf die Vorfahrtsstraße.

          • ich sehe das anders. der schwächste im verkehr ist der fußgänger, danach kommt der radfahrer. nach hinten schauen ist zwar möglich , aber begrenzt. wer will schon gegen etwas fahren? radfahrer gehören aus sicherheitsgründen auf radwege. fußgänger sollen ja auch nicht auf der strasse spazieren gehen.