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Die Sonne optimal nutzen: Nachhaltigkeits-Expertin Sigrid Sager mit ihren Whippets Peggy und Mooni vor ihrem Öko-Sonnenhaus. Bei einem Tag der offenen Tür können sich Interessierte über das Konzept informieren. Foto: ina
Die Sonne optimal nutzen: Nachhaltigkeits-Expertin Sigrid Sager mit ihren Whippets Peggy und Mooni vor ihrem Öko-Sonnenhaus. Bei einem Tag der offenen Tür können sich Interessierte über das Konzept informieren. Foto: ina

Traumhaus der Nachhaltigkeit

ina Vierhöfen. Der gelbe Bungalow neben dem Maisfeld strahlt mit der untergehenden Sonne um die Wette. Doch der Name „Sonnenhaus“ ist viel mehr als eine Anspielung auf seine leuchtende Farbe, denn der wärmende Himmelskörper ist ein maßgeblicher Bestandteil der Energieversorgung von Sigrid Sagers Heim. Bereits seit zwei Jahren profitiert die Hausbesitzerin von den Strahlen der Nachmittags- und Abendsonne in ihrem mit einer Glasfassade verkleideten Wohnzimmer.

„Selbst im Winter zeigt mein Thermometer an sonnigen Tagen über 25 Grad an.“ Scheint die Sonne mal nicht, wirft die 49-Jährige den von ihr selbst gebauten Kamin an. „Durch seine Einfachverglasung gibt auch er genug Wärme ab, um das Haus zu versorgen.“

Durch drei kleine Schächte in der Wohnzimmerdecke werden Wohnraum und anschließende Küche mit Zuluft versorgt, ein weiterer Abluftschacht speist den Warmwasserspeicher für die Solarthermie und die Fußbodenheizung mit der vorhandenen Wärme.

Die Stromversorgung des 100 Quadratmeter großen Hauses übernimmt fast vollständig ein Solardach mit einer Photovoltaikanlage, auch das Elektroauto der Hausbesitzerin kann über die eigene Stromerzeugung laufen.

Eineinhalb Jahre brauchte die Tierheilpraktikerin, die für die Bündnis-Grünen zwei Jahre im Gemeinderat Westergellersen aktiv war, für die Planung ihres „Wohnprinzips der Effizienz“. „Mir war es auch sehr wichtig, mit regionalen Anbietern zu arbeiten, statt mir beispielsweise ein schwedisches Fertighaus über 2000 Kilometer Distanz liefern zu lassen.“

Ihre selbstgezeichneten Pläne wurden von einigen Handwerkern im Vorfeld als nicht umsetzbare Hirngespinste abgetan, nach einigen Mühen fand sie schließlich den richtigen Ansprechpartner. „Er hatte für alle Vorschläge ein offenes Ohr, ein vorhandenes Konzept haben wir so lange umgewandelt, bis es zu meinen Plänen passte.“

Da Sigrid Sager die hohe und natürliche Qualität ihrer Baumaterialien besonders wichtig war, entschied sie sich nach reiflicher Überlegung schließlich gegen das in Deutschland sonst übliche „Stein-auf-Stein-Prinzip“. Sager: „Die Wände bestehen aus einer Holzstruktur, die Dämmung aus Holzwolle.“ Die Wohnräume sind innen mit Streichlehm, die Baddecke mit Kalk verkleidet. „Die Wände bleiben diffusionsoffen, so dass die Feuchtigkeit von innen nach außen dringen kann.“ Der komplett abdichtende ,Tupperdoseneffekt vieler Energiehäuser wird so vermieden, auch im Bad kann sich durch den traditionellen Naturstoff Kalk kein Schimmel entwickeln.

Selbst anspruchsvolle Handwerksarbeiten wurden von der Bauherrin selbst ausgeführt. „Vom Spachteln der Wände bis zum Fugen und der Bodenverlegung konnte ich meine Eigenleistung einbringen.“

Zwei Jahre steht das Haus bereits in zweiter Reihe und idyllischer Ortsrandlage. Durch ein zufälliges Gespräch mit einem Bekannten bei einem Waldspaziergang, der zahlreiche interessierte Fragen stellte, kam Sigrid Sager erst kürzlich auf die Idee, ihr „Sonnenhaus“ auch der Öffentlichkeit vorzustellen. „Ich möchte Hausbauer ermutigen, in nachhaltige Bauformen zu investieren und gleichzeitig auch Städteplaner anregen, diese Kriterien auch in Neubaugebieten zu berücksichtigen.“

Am Sonnabend, 3. Oktober, steht das „Sonnenhaus“ in Vierhöfen im Fasanenweg 20 der Öffentlichkeit zur Besichtigung offen. Die Besucherzeit mit Hausführungen ist von 11 Uhr bis 17 Uhr.