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Unterm weiten Dach der Elbtalaue

Von Ingo Petersen

Konau. Es gibt viele Dörfer im Landkreis Lüneburg — aber keines wie die sich anein­anderreihenden Ortschaften Konau, Popelau und Darchau am Ostufer der Elbe. Die Bedeutung und Schönheit der Dörfer wurde gleich erkannt, als das Amt Neuhaus, ehemals Teil der DDR, im Sommer 1993 nach Niedersachsen und in den Landkreis Lüneburg zurückgegliedert wurde. Im Spätsommer wurde der „Förderverein zur Förderung des Ortsbildes mit Umgebung von Konau sowie Popelau und Darchau“ gegründet. Der Verein feierte jetzt mit einer Schiffstour auf der Elbe sein 20-jähriges Bestehen.

Gudula Heintzmann erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Nachdem das Amt Neuhaus im Sommer 1993 in den Landkreis Lüneburg rückgegliedert war, war sie in ihrer damaligen Funktion als Kulturdezernentin des Landkreises schon bald auf der östlichen Seite der Elbe. Innerhalb des 500-Meter-Sperrgebietes längs der Elbe hatten Konau, Popelau und Darchau die DDR-Zeit überstanden. Heintzmann: „Weil die örtliche LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) dort ihren Sitz hatte, waren die Dörfer erhalten geblieben und nicht, wie unzählige andere in Grenznähe, geschliffen worden.“

Die Dörfer waren in schlechtem Zustand, hatten aber eine gute Substanz aus mächtigen Niedersachsenhäusern mit ihren ortstypischen Durchfahrtsscheunen, Stallanlagen und Göpelhäusern. Fast vollständig erhalten war das Marschhufendorf Konau — elbseitig am Weg durch den Ort angelegt sind die mächtigen Höfe, wie Handtücher erstrecken sich — weg von der Elbe — die landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Am 22. August 1995 fanden sich Bürger der Ortschaften, dazu der Landkreis Lüneburg, vertreten durch Gudula Heintzmann, Gemeinde Amt Neuhaus und Institutionen zusammen, gründeten den Förderverein Konau. Erste Ideen seien dahin gegangen, so Heintzmann, aus Konau, Popelau und Darchau ein Museumsdorf zu machen.
Als dann Privatleute signalisierten, in der Region Arbeit, Zeit und Geld zu investieren und auch dort wohnen zu wollen, wurde das Projekt Museumsdorf zu den Akten gelegt. Es folgte ein beispielloser Wiederaufbau der Dörfer, an dem Alt- und Neubewohner und zahlreiche Förderer ihren Anteil haben. Höhepunkt: Für die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover wurde die Region als Außenprojekt anerkannt. „30000 Menschen sind damals gekommen, um sich hier umzusehen“, erinnert sich Heintzmann, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst beim Landkreis Geschäftsführerin des Fördervereins Konau wurde.

Nach der Expo wurde es wieder ruhiger an der Elbe, aber auch heute noch bietet sich Besuchern von Konau, Popelau und Darchau eine einzigartige Mischung aus purer Natur im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue und viel Geschichte — in Form der alten Bauernhöfe, aber auch im Hinblick auf die Jahrzehnte an der Nahtstelle zwischen DDR und Bundesrepublik.

Allein drei Museen laden in Konau und Popelau zum Besuch ein, das Grenzmuseum „Wendepunkte“, verbunden mit einem Grenzrundweg, Original-Wachturm und Grenzzäunen. Dann die Ausstellung über die in der Region in den 1950er- und 1960er-Jahren durchgeführten Zwangsaussiedlungen, unter anderem 1952 unter dem Namen „Ungeziefer“. Und schließlich das Museum „Von Leiter-, Leu- und Leichenwagen“, in dem landwirtschaftliche Geräte aus der Zeit vor mehr als 100 Jahren gesammelt wurden. Viel geschafft haben die Mitglieder des Fördervereins Konau um ihre aktuelle Vorsitzende Ines Wulff. „Aber es gibt so manches, war wir noch nicht geschafft haben“, sagt Heintzmann. Es bleibt spannend in Konau, Popelau und Darchau.