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So geht es von morgens bis zum späten Nachmittag - unaufhörlich bringt die Fähre Tanja die Menschen an das rechte Elbufer zum Brückenfest. Foto: t&w
So geht es von morgens bis zum späten Nachmittag - unaufhörlich bringt die Fähre Tanja die Menschen an das rechte Elbufer zum Brückenfest. Foto: t&w

Wunsch nach Brücke lebt

pet Darchau. Melanie und Marko Puls aus Zeetze wollten nicht länger warten. „Wir zeigen euch, wie es geht. Seht her, die Brücke steht“, dieser Spruch zierte das Konstrukt aus Holz, Schläuchen und Folie, das die beiden gemeinsam mit Christine und Christian Fabel aus Sumte in den vergangenen Wochen gebaut hatten. Beim 4. Brückenfest am Tag der Deutschen Einheit konnten so die Besucher den Festplatz am Fähranleger Darchau über eine „echte“ Brücke betreten. Und Besucher kamen viele. „7000 waren im vergangenen Jahr über den ganzen Tag dabei, da sind wir jetzt schon drüber“, sagte Jörg Sohst vom Organisationsteam schon am frühen Nachmittag.

Bei perfektem Herbstwetter pendelte die Fähre „Tanja“ den ganzen Tag ununterbrochen über die Elbe und lud die Besucher am rechten Flussufer ab, und auch von der östlichen Seite riss der Strom der Brückenfestbesucher nicht ab. „Es ist überwältigend, dass wieder so viele Menschen gekommen sind“, freute sich Grit Richter, Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus, die Ausrichterin des Festes ist. „Und das, obwohl sich der Lüneburger Kreistag im Sommer gegen die Brücke ausgesprochen hat, und die Menschen hier vielleicht denken könnten, das bringt ja doch alles nichts.“

Man habe dem Organisationsteam nach dem Kreistagsbeschluss die Frage gestellt, ob man das Brückenfest weiter veranstalten will, erzählt die Bürgermeisterin. Aber alle seien sich sofort einig gewesen: „Wir müssen weitermachen, wir müssen weiter kämpfen.“

Für das knapp 20-köpfige Organisationsteam des Brückenfestes sei es immer klar gewesen, das Fest auch in diesem Jahr zu veranstalten, bestätigt Jörg Sohst. „Das Fest ist eine gute Gelegenheit, die Menschen aus Ost und West am Tag derDeutschen Einheit zusammenzuführen. Unseren Wunsch nach einer Brücke über die Elbe werden wir dabei nicht aufgeben. Man kann den Willen der Bürger nicht durch einen Kreistagsbeschluss vom Tisch wischen. Schließlich haben sich mehr als 70 Prozent der Menschen im Landkreis für die Brücke entschieden.“

Ob für oder gegen die Brücke — die Menschen, die nach Darchau kamen, erlebten ein Programm, das von Jahr zu Jahr wächst. 37 Buden, Stände und Angebote gab es in diesem Jahr. Erstmals konnten Wagemutige mit dem Segway über den Deich fahren, es gab Floßfahrten, Ponyreiten, Karussell, Lichtpunktschießen, eine Ausstellung zu 25 Jahren Deutsche Einheit und eine Tombola. Es wurde Musik geboten und noch mehr für das leibliche Wohl. Neben Pizza und Crepe wurden hausgemachte Soljanka, Wildbratwurst nach ostdeutscher Art und Auerochseneintopf verkauft. 250 Liter Erbsensuppe hatte die Feuerwehr Neuhaus in ihrer Gulaschkanone — und war schon am frühen Nachmittag ausverkauft.

„Wir sind stolz darauf, dass sich das Brückenfest so gut etabliert hat“, sagte Jörg Sohst. „Für das nächste Jahr werden wir versuchen, weitere Großsponsoren zu finden. Wir geben den Gedanken an die Brücke nicht auf. Und wir sind fest entschlossen, auch 2016 ein Brückenfest zu veranstalten“, so Sohst, während auf der Bühne nebenan die Erbstorfer Harmonikanten intonieren: „Über sieben Brücken musst du gehn.“