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Hans-Peter Twesten (l.) und Niels Brandt dreschen Roggen mit dem fast 70 Jahre alten Dreschwagen, der von einem Traktor angetrieben wird. Foto: t&w
Hans-Peter Twesten (l.) und Niels Brandt dreschen Roggen mit dem fast 70 Jahre alten Dreschwagen, der von einem Traktor angetrieben wird. Foto: t&w

Kein Wind, viel Sonne

pet Artlenburg. Wind wehte keiner, um so die Flügel der historischen Artlenburger Mühle in Bewegung zu bringen und „live“ Getreide mahlen zu können. „Aber wichtiger ist mir, dass die Sonne scheint, damit auch viele Leute zu uns kommen“, sagt Rolf Twesten, 1. Vorsitzender des Windmühlenvereins Artlenburg. Die Sonne schien und so kamen viele Hundert Besucher zum 19. Artlenburger Windmühlenfest in und rund um die Holländermühle von 1833.

Mit dem Erntedank-Gottesdienst in der St.-Nicolai-Kirche hatte der Tag begonnen. Viel zu sehen, zu essen und zu trinken gab es an der Mühle, für die Kinder ging es mit der „Dicken Berta“ durchs Dorf. Für Musik und Tanz sorgten die Country-Band Buffet, der Musikzug der Feuerwehr Artlenburg, die Trachtenlüdd ut de Elv­marsch, der STV Artlenburg, die Volkstanzgruppe Artlenburg und viele Akteure mehr.

Auf der Wiese neben der Mühle wurden 100 Jahre Landwirtschaft zum Leben erweckt, zogen Traktoren und Geräte Interessierte an. Güldner, Hela, Fendt, MAN, Hanomag, Deutz, Steyr und viele Maschinen mehr waren zu bewundern. Besonders „kernig“ wurde es, wenn Hermann Kathmann, nach gründlichem Vorglühen, seinen Lanz Bulldog, Baujahr 1938 und 10332 Kubikzentimeter Hubraum, anwarf. „Wegen der Traktoren komme ich extra jedes Jahr hier her“, schwärmt Henning Mahler aus Bergedorf.

Eine Attraktion war der ­Dreschwagen von 1950, über Treibriemen durch den ebenso alten Deutz-Traktor von Günther Angermann angetrieben. Landwirtschaftsgeschichte pur gab es zu sehen, als Niels Brandt und Hans-Peter Twesten den Dreschkasten fütterten, das Stroh vom Roggen trennten. Stolz präsentierte der Mühlenverein nebenan seinen Mühlen-Lkw Henschel Typ HS95 von 1960. „Von 2010 bis 2015 haben wir ihn restauriert“, erzählt Rolf Twesten.

In der Mühle gab es im Erdgeschoss frisches Mehl, Butterkuchen, Sahnetorte und Artlenburger Mühlenbrot zum Mitnehmen, eine Etage darüber konnten sich Technikinteressierte zwischen Trichtern, Mühlstein, Balken und Rohren darüber informieren lassen, wie es so war mit dem Getreidemahlen vor Hunderten von Jahren.

Ganz klein habe man mit dem Windmühlenfest angefangen, erinnert sich Rolf Twesten an die Zeit vor fast 20 Jahren. „Dann sind wir immer größer geworden, und wie es scheint, kommt unser Konzept bei den Leuten gut an. Wir sind sehr zufrieden.“