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Auf dieser Fläche an der Bundesstraße 209 will der Flecken Artlen­burg einen Supermarkt ansiedeln, zum Ärger der CDU im benachbarten Hohnstorf.  Denn der Markt soll mit 1200 Quadratmetern deutlich größer werden als die für ein Grundzentrum wie Artlenburg vorgesehenen 800 Quadratmeter. Foto: t&w
Auf dieser Fläche an der Bundesstraße 209 will der Flecken Artlen­burg einen Supermarkt ansiedeln, zum Ärger der CDU im benachbarten Hohnstorf. Denn der Markt soll mit 1200 Quadratmetern deutlich größer werden als die für ein Grundzentrum wie Artlenburg vorgesehenen 800 Quadratmeter. Foto: t&w

Entscheidend ist nur die Größe

kre Artlenburg: Der Flecken Artlenburg hat — fast — alles: Einen schicken Sportboothafen, einen Campingplatz, eine Grundschule. Was fehlt, ist ein großer Supermarkt. Seit Jahren schon versuchen die Artlenburger, diese Lücke zu schließen — und mit „Norma“ haben sie einen Lebensmittel-Discounter gefunden, der sich auf der Fläche an der Bundesstraße 209/Breite Straße ansiedeln möchte.

Ende gut, alles gut, könnten die Artlenburger nun denken und auf die baldige Markteröffnung hoffen — wenn da nur nicht aus Sicht von Bürgermeister Rolf Twesten und seinem Stellvertreter Peter Thiele vor allem die Nachbargemeinde Hohnstorf/Elbe, aber auch der Landkreis als Genehmigungsbehörde Störfeuer schießen würden.
Das Problem ist schnell erzählt: „Norma“ möchte auf der grünen Wiese einen Markt mit einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern bauen. Ein von der Gemeinde Artlenburg in Auftrag gegebenes Gutachten unterstützt dieses Vorhaben. Trotzdem spricht sich die Hohnstorfer CDU gegen die Änderung des Bebauungsplans (B-Plan) der Gemeinde aus.

„Die Artlenburger hatten schon seit langem die Möglichkeit, einen Einkaufsmarkt für die Grundversorgung errichten zu lassen“, sagt der Hohnstorfer CDU-Chef und Ex-Bürgermeister Jens Kaidas. Die jetzt vorgelegten Pläne zur Vergrößerung der Verkaufsfläche auf weit über 1000 Quadratmeter lehne die Hohnstorfer CDU aber ab. „Dadurch werden die gerade erweiterten und neu gebauten Verbrauchermärkte in Brietlingen, Tespe und Hohns­torf im Bestand gefährdet“, glaubt Kaidas und fügt hinzu: „Die Baumaßnahmen an diesen Märkten wurden unter anderem deshalb genehmigt, weil sie die Grundversorgung auch in den benachbarten Gemeinden sicher stellen müssen.“ Es könne doch nicht sein, so Kaidas weiter, dass gut ausgestattete Einkaufsmärkte in großen Gemeinden durch einen zusätzlichen großen Einkaufsmarkt in einer verhältnismäßig kleinen Gemeinde gefährdet werden.

Worte, die Peter Thiele die Zornesröte ins Gesicht treiben: Der parteilose stellvertretende Gemeindechef wirft Kaidas einen „aggressiven Politikstil“ vor — „nur darauf ausgerichtet, Artlenburg zu schaden“.

Thiele kann auch nicht verstehen, warum der Landkreis als Genehmigungsbehörde die Erweiterung des Hohnstorfer Edeka-Marktes zugestimmt hat — ,,wohlwissend, dass es in Art­lenburg einen bereits gültigen Bebauungsplan für zwei Geschäfte mit jeweils 700 Quadratmetern gab“.

In der Tat existiert schon ein gültiger B-Plan aus dem Jahr 2000. Damals hatte ein Investor die rund 11000 Quadratmeter große Fläche an der Bundesstraße erworben. Dort wollte er eine Tankstelle und eine „Geschäftszeile“ mit jeweils 700 Quadratmetern Verkaufsfläche realisieren. Aus den Plänen wurde nichts. Der Investor musste Insolvenz anmelden, die Gemeinde kaufte die Fläche und machte sich selbst auf die Suche nach einem Lebensmittelmarkt-Betreiber. Mit dem Discounter „Norma“ hoffen die Artlenburger nun, das richtige Unternehmen gefunden zu haben.

Allerdings muss nun der B-Plan geändert werden. Denn statt der zwei Geschäfte à 700 Quadratmeter soll nun ein Markt mit 1200 Quadratmeter entstehen. Zur Freude der 1650 Artlenburger und zum Ärger so manchen Hohnstorfer Kommunalpolitikers, der auf die Einhaltung von maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Supermarkt in der Nachbargemeinde pocht. Mehr stehe Artlenburg als „Grundzentrum“ nämlich nicht zu.

Und wenn sich die Artlenburger einfach über die Warnungen aus der Nachbargemeinde hinwegsetzen? „Dann wird es wohl zu einer Normenkontrollklage kommen“, befürchtet Rolf Twesten.

Bevor also der Bebauungsplan ein weiteres Mal in die öffentliche Auslegung geht, will der Artlenburger Bürgermeister Klarheit haben: „Bei welcher Mindestgröße liegt die Schmerzgrenze für die ,Norma-Manager?“ Zumindest auf diese Antwort wird der Verwaltungschef wohl nicht lange warten müssen: Denn mit genau dieser Frage im Gepäck war der Norma-Niederlassungsleiter jetzt in die Firmen-Zentrale nach Fürth gereist.