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Die Lüneburger Salztherme ist bei Groß und Klein beliebt, doch die Kosten für den Betrieb des Spaßbads sind enorm. Foto: t&w
Die Lüneburger Salztherme ist bei Groß und Klein beliebt, doch die Kosten für den Betrieb des Spaßbads sind enorm. Foto: t&w

Wenig Spaß mit der Bäderlandschaft

us Lüneburg. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus. 653000 Euro Jahresüberschuss weist die Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 2014 aus, rund 600000 Euro mehr als im Jahr zuvor.

Doch der plötzliche Geldsegen trügt: Denn nicht etwa ein unverhofft starker Ansturm auf das Spaßbad im Salü, das Sportbad nebenan oder das Freibad Hagen sorgten für die freundliche Bilanz, sondern eine besonders hohe Dividenden-Ausschüttung der Avacon. Ohne sie hätte die Kurmittel GmbH einen Verlust von 4,7 Millionen Euro eingefahren, rund 600000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Ein Ergebnis, das bei einigen Ratsmitgliedern Fragen auslöst.

„Wo Aktiendividenden vom Himmel fallen, achtet man offenbar nicht mehr auf Effizienz“, vermutet Michèl Pauly. Den Fraktionschef der Linken stört, dass trotz des Einbruchs beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eine Diskussion darüber nicht ernsthaft gewollt sei. Seine Kritik: Bei der Vorstellung des Jahresabschlusses im jüngsten Wirtschaftsausschuss des Rates sei man nicht ausreichend auf seine Fragen eingegangen. „Ich habe überall nachgehakt, aber die Auskünfte waren extrem dünn“, sagt Pauly. „Solange ich nicht weiß, wie die Defizite entstanden sind, muss ich davon ausgehen, dass das Geld nicht sachgerecht verwendet wurde.“

Diese Kritik weist Dirk Günther zurück: „Wir haben das Geld in die laufenden Baumaßnahmen gesteckt“, sagt der Geschäftsführer der Kurmittel GmbH. Ein Teil davon sei als Aufwendung in die Sanierung des Bestands geflossen, der Rest als Investition in den Bau des jetzt entstehenden Bewegungsbades. Das habe er auch im Ausschuss entsprechend dargelegt und „umfänglich beantwortet“. Eine Erklärung, die Pauly nicht überzeugt: „Investitionen sind in der Bilanz stets ergebnisneutral, woher kommen dann die Defizite?“

Auch Ausschussmitglied Eberhard Manzke (CDU) erklärt: „Wir stehen zu den Bädern, sie sind gut für die Stadt. Aber wir sind schon dazu da, kritische Fragen zu stellen.“ Schließlich könne man nicht davon ausgehen, dass die Dividende auf Dauer in gleicher Höhe weiter sprudelt. „Für diesen Fall brauchen wir einen Plan B. Das, was Herr Günther dazu gesagt hat, war etwas unbefriedigend.“ Der habe laut Manzke und Pauly zwar erklärt, dass es einen solchen Plan gebe, sich aber nicht dazu äußern wollen, wie dieser konkret aussehe.

Eugen Srugis (SPD) zeigt für die Haltung des Kurmittel-Chefs Verständnis: „Natürlich sind Fragen dazu berechtigt, aber es wäre sinnvoll gewesen, wenn man das vorher ankündigt hätte. Das konnte Herr Günther unvorbereitet so nicht aus der Tasche ziehen.“ Ausschussvorsitzender Ulrich Blanck (Grüne) bezeichnet es hingegen als „wenig zielführend“, schon jetzt über mögliche Alternativen nachzudenken. Das Geschäftsmodell der Avacon AG sei sicher, schließlich werde Strom auch weiterhin per Netz übertragen, die Dividende dürfte demnach weiter fließen. Von Forderungen Paulys, für die Kurmittel GmbH ein „Effizienzpaket“ zu schnüren, in dem auch Personal- oder Stromkosten auf den Prüfstand kommen, hält Blanck nichts: „Ich sehe keine Stellschrauben, an denen man drehen könnte.“

Dem über alle Fraktionen hinweg erkennbaren Konsens, die Lüneburger Bäder trotz der regelmäßigen Defizite zu erhalten, schließt sich auch Birte Schellmann (FDP) an. Sie mahnt aber auch: „Wir müssen uns immer bewusst machen, dass wir in diesem Bereich Verluste machen. Und wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass die Dividende weniger werden kann.“