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Das ehemalige Gebäude der Therapeutischen Gemeinschaft am Reiherstieg in Wilschenbruch könnte Flüchtlingsunterkunft werden. Foto: A./be
Das ehemalige Gebäude der Therapeutischen Gemeinschaft am Reiherstieg in Wilschenbruch könnte Flüchtlingsunterkunft werden. Foto: A./be

Steigende Flüchtlingszahlen: Stadt droht Beschlagnahme des ehemaligen Kinderheims Wilschenbruch an

ca Lüneburg. Die Stadt funkt angesichts steigender Flüchtlingszahlen vorsorglich SOS und greift zu einem rigiden Mittel: In einer Erklärung der Stadt heißt es, der Komplex biete Platz für 50 Menschen. Eigentümer und Investor Uwe Gerner, der aus dem ehemaligen LSK-Platz gerade ein Wohngebiet macht, wollte gestern Abend zu Fragen der LZ keine Stellung nehmen.

Lüneburgs Erste Stadträtin Gabriele Lukoscheck sagt: „Wir haben dem Eigentümer eine Verfügung zugestellt, dass er das Haus nicht abreißen darf.“ Das wäre ohne diese Anordnung sonst genehmigungsfrei möglich. Eben das stehe zu befürchten, denn Gerner soll Pläne für das Areal haben. Die Verwaltung wolle das Haus nach Untersuchungen gegebenenfalls auch gegen den Willen des Eigentümers entsprechend herrichten und gegen monatliche Zahlungen als Flüchtlingsunterkunft nutzen, erklärt die Stadt. Vor einer ersten Belegung will die Verwaltung Nachbarn umfassend informieren, so wie sie es bei all ihren größeren Unterkünften handhabe.

Gespräche mit Gerner hätten kein Ergebnis gebracht. Bleibe er bei seiner Linie, werde die Stadt einen Mietpreis festlegen, der „angemessen und marktüblich“ sei.
Im Rathaus betont man, dass es sich um einen Einzelfall handle. Das Gebäude sei als Kinderheim genutzt worden, stehe seit längerem leer. Andere Immobilienbesitzer müssten nicht mit ähnlichen Maßnahmen rechnen. Ob die Entscheidung der Stadt Bestand haben wird, muss sich zeigen. Nach LZ-Informationen hat Gerner das Verwaltungsgericht angerufen, um die Verfügung zu kippen.

Nachdem die Therapeutische Gemeinschaft geschlossen wurde, hatte die Stadt versucht, das Gebäude zu kaufen oder zu mieten, war aber gescheitert. Sie wollte das Haus als Ersatz für das Kinderheim am Altenbrücker Tor nutzen, eine Kita-Gruppe und Flüchtlingsfamilien dort unterbringen.