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Ein Flip-Chart und fünf Minuten Zeit hatte Dominik Jutzsch, um mit den Ideen seiner Gruppe für eine Flüchtlings-App zu überzeugen. Foto: t&w
Ein Flip-Chart und fünf Minuten Zeit hatte Dominik Jutzsch, um mit den Ideen seiner Gruppe für eine Flüchtlings-App zu überzeugen. Foto: t&w

Shopping-Tool und Freunde-Finder — Tag der Informatik an der Leuphana

us Lüneburg. Genau fünf Minuten hatte Dominik Jutzsch Zeit, dann musste er die Jury vom Konzept seines Teams überzeugt haben. Das hatte, ebenso wie die beiden anderen angetretenen Gruppen, die Aufgabe, eine „Flüchtlings-App“ zu entwickeln. Ziel dieses Smartphone-Tools: den in Lüneburg nach langer Flucht Angekommenen ein Programm anzubieten, mit dem sie sich in der Stadt besser zurechtfinden und vernetzen können. Der Team-Wettbewerb gehörte zu einem der Programmpunkte am „Tag der Informatik“, der jetzt zum sechsten Mal an der Leuphana stattfand.

„Smartphones haben den vielen Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen, auf ihrer Flucht den Weg gewiesen. Warum sollten wir diese Technik nicht nutzen, um ihnen auch hier vor Ort weiterzuhelfen?“, erklärt Stefanos Dimitriadis die Idee zu dem Wettbewerb. Der Dozent für E-Business an der Leuphana hatte den Contest entwickelt, einen von insgesamt sechs Workshops, die an dem Informatik-Tag angeboten wurden. Rund 100 Schüler der Klassen acht bis zwölf aus mehr als 20 Schulen auch aus benachbarten Landkreisen nahmen teil, 17 davon starteten beim Wettbewerb um die besten Ideen für die „Flüchtlings-App“. Einzige Vorgabe: „Ihr dürft nix klauen, sondern sollt Euch eigene Gedanken machen“, mahnte Dimitriadis zu Beginn. Die Mitglieder der Teams kamen aus verschiedenen Jahrgangsstufen der Georg-Sonnin-Schule und des Johanneums und traten bunt zusammengewürfelt an den Start.

Mehrsprachigkeit, einen Info-Bereich mit Stadtplan, Bus- und Zugverbindungen, einen „how-to-Bereich“ sowie Möglichkeiten für Interaktionen, damit Flüchtlinge auch untereinander Erfahrungen und Tipps austauschen können – mit diesem Konzept präsentierte sich das Team um Dominik Jutzsch. Ein Veranstaltungskalender und ein „Live-Chat, falls doch mal Probleme auftauchen“, ergänzten das Angebot. Ähnlich auch das Konzept von Gruppe drei. Seine Schwerpunkte: Die Vernetzung von Flüchtlingen und Helfern, aber auch Tools zur Job- und sogar zur Partnersuche.

Das Rennen aber machte am Ende der „Lifeguide Refugee“ der Gruppe zwei, in der vier Schüler der zwölften Jahrgangsklasse der BBS II sowie Moira Hammann, Zehntklässlerin am Johanneum, über ein geeignetes Informationspaket für die Flüchtlinge brüteten. Mit einem Shopping-Bereich mit Übersetzungs-Tool und Lageplan, einem Finder, um Kontakt zu Freunden zu behalten, oder einem Hilfe-Bereich für schnelle Unterstützung bei anstehendem Arztbesuch hatte dieses Konzept nach Ansicht der Jury – drei Informatik-Dozenten der Leuphana – die besten Funktionalitäten zu bieten.

Der Wettbewerbssieger, die Gruppe zwei mit ihrem „Lifeguide Refugee“, hat sogar die Chance, sein Programm in die Tat umzusetzen. Denn das Gewinner-Team soll sein Konzept in den nächsten Monaten Informatik-Studenten der Leuphana präsentieren, die entscheiden, ob sie gemeinsam daran weiterarbeiten wollen.

Für die Leuphana aber war der „Tag der Informatik“ neben der Entwicklung neuer Ideen und Konzepte vor allem eines: Interesse wecken an einem Fach, das „wie kaum ein anderes für Innovationen steht“, wie Stefanos Dimitriadis meint. „Informatik ist mehr als Pizza-Essen im Keller“, räumt der Leuphana-Dozent mit dem üblichen Klischee auf, wonach Informatiker am liebsten den ganzen Tag vorm Computer sitzen und sich beim Programmieren Pickel holen. „Rund die Hälfte unserer Studenten arbeitet später als Systemanalyst und Softwareberater.“

Ganz so weit ist Moira zwar noch nicht, aber auch für die Schülerin gilt: „Ich bin neugierig und möchte Computer besser verstehen.“