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Die Pflanzen in schönstem Wuchs und optimal versorgt, allerdings illegal: Nachdem Anwohner sich über merkwürdigen Geruch beschwert hatten, erntete die Polizei eine Cannabis-Plantage ab. Foto: be
Die Pflanzen in schönstem Wuchs und optimal versorgt, allerdings illegal: Nachdem Anwohner sich über merkwürdigen Geruch beschwert hatten, erntete die Polizei eine Cannabis-Plantage ab. Foto: be

Cannabis-Plantage Lüneburg: Sorge um den Lamborghini

ca Lüneburg. Ein Telefon verrät eine Menge: Für die Polizei ist so relativ klar, wie die beiden Angeklagten ihre Plantage an der Arenskule betrieben. Die Hasch-Bauern fuhren morgens zwischen sieben und halb acht kurz an, dann kamen sie am Nachmittag wieder, um die Pflanzen zu versorgen. Arbeitsteilig. Den Ermittlern fiel eine Besonderheit auf, alle paar Monate waren beide Männer von Buchholz beziehungsweise Hamburg für einen intensiveren Einsatz nach Lüneburg gefahren. Fünf, sechs Tage hatten sie dann lange zwischen Goseburg und Zeltberg zu tun – es herrschte Erntezeit.

Wie berichtet, müssen sich ein 53- und ein 34-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen über Jahre in einer ehemaligen Industriehalle eine Indoor-Anlage betrieben haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer rund 1,5 Tonnen Marihuana produziert haben – mit Millionenumsätzen. Ende Februar dieses Jahres flog die Form der alternativen Landwirtschaft auf, die Polizei kam zum Ernteeinsatz und nahm die mutmaßlichen Betreiber fest. Die sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Vor der 3. Großen Hilfsstrafkammer am Landgericht sagte gestern eine Ermittlerin aus, die sogenannte Verbindungsdaten ausgewertet hatte. Die Oberkommissarin erklärte, dass sie Telefonverbindungen und GPS-Daten analysiert hat, also Standortbestimmungen von Personen mittels Handy-Funksignal.
So konnte die Polizei herausfinden, dass das Duo unter anderem Kontakt zu zwei Personen in Holland unterhielt. Eine weitere Spur weist nach Kiel: Für die Ermittler liegt nahe, dass „Ware“ an die Förde gebracht wurde. Denn am selben Tag einer Fahrt nach Kiel wurde beispielsweise auch die Hallenmiete von 5500 Euro beglichen.
Entscheiden will die Kammer an einem der nächsten Termine auch darüber, ob der Fuhrpark der Angeklagten veräußert wird. Neben einem Smart im Wert von 500 Euro und mehreren BMW soll auch ein Lamborghini darunter sein, der mit einem Wert von 136 000 Euro angegeben wurde. Einer der Angeklagten hatte dem Verzicht und damit Verkauf widersprochen und erklärt, es seien nicht seine Fahrzeuge, sondern sie gehörten Freunden in Österreich. Diese Aussage schätzte das Gericht allerdings als „wenig substanziell“ ein, die Untermauerung fehle.

Die Kammer überlegt, weitere Verhandlungstermine bis ins kommende Jahr anzusetzen. Gleichzeitig ist die Rede auch von einem sogenannten Deal: Wenn die Angeklagten umfangreich aussagen, könnte sich das Verfahren verkürzen. Das könnte sich am Ende mindernd auf ihr Strafmaß auswirken.
Eine Einigung scheint allerdings nicht einfach. Die Staatsanwältin hatte schon zu Beginn des Verfahrens erklärt, dass eine Haft von um die zehn Jahre drohen könnte – für die Verteidiger und ihre Mandanten deutlich zu viel.