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Horst G. Waldow, Geschäftsführender Gesellschafter der Polstermöbel Schulenburg, schließt seinen Betrieb zum Jahresende. Jahrzehntelang wurden hochwertige Sofas und Sessel bundesweit und darüber hinaus verkauft. Foto: t&w
Horst G. Waldow, Geschäftsführender Gesellschafter der Polstermöbel Schulenburg, schließt seinen Betrieb zum Jahresende. Jahrzehntelang wurden hochwertige Sofas und Sessel bundesweit und darüber hinaus verkauft. Foto: t&w

Bardowick: Polstermöbelfabrik Schulenburg schließt

pet Bardowick. Polstermöbel „made in Bardowick“ – seit Jahrzehnten sind die edlen Stücke, hergestellt im Hause „Schulenburg Polstermöbel“, bundesweit und darüber hinaus ein Begriff. Jetzt, nach genau 80 Jahren, geht die Geschichte des Unternehmens zu Ende, der geschäftsführende Gesellschafter Horst G. Waldow schließt zum Jahresende die Pforten des Betriebs in der Straße Am Bahnhof. Der Räumungsverkauf in Bardowick beginnt heute.

Am 1. Oktober 1935 hatte der Polstermeister Gustav Schulenburg die Firma in der Domstraße gegründet, schon wenige Jahre später folgte der Umzug an den heutigen Standort. Auch nach dem frühen Tod des Firmengründers im Jahr 1941 wurde der aufstrebende Betrieb weitergeführt. 1997 trat Horst G. Waldow zunächst als Geschäftsführer in das Unternehmen ein, zwei Jahre später übernahm er die Mehrheit der Gesellschaft.

Nach seinem Studium hatte Waldow im Management von Konzernen im Süden und Westen Deutschlands gearbeitet, unter anderem im Maschinenbau und in der Kosmetikbranche. Dann, er ging auf die 50 zu, „hatte ich die Idee, mich noch einmal selbstständig zu machen“. Waldow fand sein neues Betätigungsfeld im Norden – in einer für ihn neuen Branche, der Möbelherstellung.

Waldow schuf bei Schulenburg neue betriebliche Strukturen, erweiterte und modernisierte die Produktpalette. „Und wir haben damit gute Geschäfte gemacht.“ Bei all den Neuerungen blieb die Grundphilosophie des Unternehmens immer die Gleiche: Hochwertige Möbel, an denen die Käufer jahrzehntelang Freude haben sollten, in Handarbeit zu fertigen.

Horst G. Waldow nahm als Ergänzung die Aufarbeitung von Polstermöbeln in die Angebotspalette auf, seit vier Jahren können Schulenburg-Möbel nicht mehr nur in etwa 150 Möbelgeschäften in Deutschland, sondern auch im Direktvertrieb am Herstellungsort erworben werden.

In den letzten Jahren sei das Geschäft aber immer schwieriger geworden, erklärt Waldow, der bald 69 Jahre alt wird. „Der Möbelhandel macht einen Konzentrationsprozess durch, den andere Branchen schon hinter sich haben.“ Auswirkung: Die Macht des Handels gegenüber dem Hersteller wächst ständig. 50 Prozent betrage in der Möbelfertigung der Anteil der Personalkosten am Produkt – ein Problem im hart umkämpften Markt. Andere Hersteller verlagern ihre Produktion ins billige Ausland, rasant wachsen die Importe aus Osteuropa und China an.

Bis zuletzt habe er versucht, einen geeigneten Nachfolger für die Unternehmensleitung zu finden. „In dem schwierigen Umfeld der deutschen Polstermöbelindustrie“ sei das aber nicht gelungen. Wichtig sei für ihn jetzt, „eine saubere Liquidation des Betriebs“ durchzuführen. Waldow: „Wie es sich unter anständigen Kaufleuten gehört.“
Und so herrscht jetzt gähnende Leere in den Räumen, in denen in den vergangenen Jahrzehnten fleißige Schulenburg-Mitarbeiter die Rohgestelle für Polstermöbel gebeizt, grundiert, geschliffen und lackiert haben, wo Polsterer innerhalb von zwei bis drei Tagen aus Gestell, Polsterung, Stoffen oder Lederbezügen hochwertige Möbel gezaubert haben. Spezialisten haben dafür in den letzten Tagen die Ausstellungsräume auf Vordermann gebracht. Dort können Freunde hochwertiger Möbel in den nächsten Tagen die letzten Sessel und Sofas „made in Bardowick“ zu günstigen Preisen erwerben.

Jetzt, in den letzten Tagen des traditionsreichen Unternehmens, komme er kaum zum Nachdenken, sagt Waldow – und ist zufrieden mit sich: „Ich habe meine Arbeit über all die Jahrzehnte mit Herzblut gemacht, habe hinter den Produkten gestanden, die ich verkauft habe“.

One comment

  1. Nicht alles war immer so hochwertig bei Schulenbergs. Meinen betagten Eltern hat man für sehr viel Geld ein Sofa hergestellt, dessen Stoffzuschnitt falsch war. Umtausch nicht möglich, da angeblich Einzelanfertigung. Kundenfreundlichkeit und Kulanz: Eine glatte Sechs. Man sieht es mir also nach, wenn ich auf diese Firma nicht sehr gut zu sprechen bin.