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Pastorin Barbara Grey und Pastor Helmke Hinrichs heißen alle Interessierten herzlich willkommen zu den Friedensandachten an der Weltkugel in der St. Nicolaikirche. Foto: t&w
Pastorin Barbara Grey und Pastor Helmke Hinrichs heißen alle Interessierten herzlich willkommen zu den Friedensandachten an der Weltkugel in der St. Nicolaikirche. Foto: t&w

Andachten in St. Nicolai: Beten für den Frieden

cec Lüneburg. In der Zeit der großen Friedensdemonstrationen, Anfang der 1980er-Jahre, sei die Welt noch einfacher gewesen, sagt Pastorin Barbara Grey: „Wir waren gegen Atomraketen, Pershings, Aufrüstung. Wir gingen auf die Straße, machten Sitzblockaden und Großdemos.“ Heute hingegen, angesichts der Globalisierung, der nicht mehr zu durchschauenden Verflechtungen und des Terrors islamistischer Gruppen, fühlten sich viele machtlos. „Der Gegner ist nicht mehr so deutlich und auch nicht mehr das, was man tun kann“, sagt Grey. Angesichts dieser von vielen wahrgenommenen Hilflosigkeit wollen sie, Pastor Helmke Hinrichs und die Kollegen aus dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Lüneburg ein kleines Licht setzen: Ab Sonnabend, 10. Oktober, laden sie wöchentlich jeweils um 12.30 Uhr zu Friedensandachten in die Lüneburger St. Nicolaikirche ein. Jeder ist willkommen, an der Weltkugel am Eingang zur Krypta unter dem Motto „Beten für den Frieden“ 20 Minuten innezuhalten.

Geboren wurde die Idee im Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der sich diesen Themen mit Bildungsveranstaltungen, Vorträgen und Andachten annimmt. Hier kam die Sprache auch auf die Diskrepanz, die sich zwischen dem Streben nach Wohlstand und den Folgen in anderen Teilen der Welt ergibt. „Einerseits sind wir drittgrößter Waffenexporteur, wollen als Industrienation davon auch profitieren, andererseits werden an anderen Orten Menschen umgebracht, oder flüchten zu uns, und die Spannungen fußen oft auf unserem Wohlstand“, sagt Hinrichs. Viele Menschen hier würden sich bei der Begleitung der Gestrandeten engagieren, fügt Grey hinzu: „Andererseits sind es seit diesem Sommer so viele, dass ihre Unterbringung und Versorgung nicht mehr unseren eigenen Vorstellungen entspricht.“ Die Globalisierung fordere uns heraus, nicht unbeteiligt zu bleiben. „Auch wenn es noch so aussichtslos scheint, wollen wir uns an friedlichen Möglichkeiten, am Frieden Gottes orientieren und für den Frieden beten“, appelliert Pastorin Grey.

Das Gebet biete eine Möglichkeit, aus der eigenen Hilflosigkeit und Frustration heraus zu kommen und sich am Frieden Gottes auszurichten, sagt Pastor Hinrichs, und es stärke die Gemeinschaft. „Unser ganzer Alltag orientiert sich am Erfolg, das Friedensgebet hingegen an der Kraft des Friedens, auch dessen, der in einem ist.“ Und Kollegin Grey zieht den Theologen Jean Baptist Metz heran, um die erhoffte reinigende Wirkung der Friedensgebete zu benennen: „Wer betet, findet sich nicht mit dem Vorfindlichen ab. Beten ist Widerstand gegen Erwartungslosigkeit und Resignation. Beten geschieht immer in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, das Unaussprechliche zumindest vor Gott auszusprechen. Wer betet, gibt die Hoffnung auf den Gott der Liebe und Gottes heilendes Erbarmen nicht auf.“