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Feuer im Asylheim Boizenburg:  In der vergangenen Nacht ist  die geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgegangen. Foto: tja
Feuer im Asylheim Boizenburg: In der vergangenen Nacht ist die geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgegangen. Foto: tja

Boizenburg: Brand in geplanter Flüchtlingsunterkunft

tja Boizenburg. In Boizenburg an der Elbe ist in der Nacht zu Montag eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgegangen. Das historische Fachwerkhaus gegenüber der früheren Elbe-Werft wurde völlig zerstört, verletzt wurde niemand. Offiziell spricht die Polizei noch nicht von einem Brandanschlag, doch Hinweise darauf gibt es bereits. Der Schaden wurde auf 360 000 Euro geschätzt. Das Landeskriminalamt und der Staatsschutz ermitteln jetzt.

Nachbarn hatten in der Nacht zunächst Rauch bemerkt und kurz darauf den Feuerschein entdeckt. Sofort wählten sie den Notruf. „Als wir kurz nach dem Alarm am Einsatzort waren, stand der Dachstuhl des Hauses bereits in Vollbrand, die Flammen schlugen meterhoch in den Himmel“, erklärte Udo Behnke von der Feuerwehr Boizenburg. Weil das Fachwerkhaus wegen seiner besonderen Bausubstanz mit Holz- und Lehmdecken früh als einsturzgefährdet eingestuft wurde, bat die Einsatzleitung Lauenburgs Feuerwehr um Hilfe. 35 Retter rückten mit sechs Fahrzeugen aus Lauenburg zur Unterstützung der 70 Feuerwehrleute aus Boizenburg, Gothmann, Schwartow und Bahlen an.

„Unsere Zusammenarbeit klappt immer gut, die haben wir in Übungen oft geprobt und sie hat sich auch schon bei Einsätzen in beiden Städten bewährt“, sagte Lauenburgs Feuerwehrchef Lars Heuer.

Von zwei Drehleitern aus, mit zwei Wasserwerfern und mit mehreren Strahlrohren wurden die lodernden Flammen bekämpft. Zwar war das grobe Feuer nach einer Stunde unter Kontrolle, doch die Nachlöscharbeiten in dem Altbau, der früher ein Internat, Verwaltungsgebäude der Werft und Außenstelle des Schweriner Verwaltungsgerichts war, zogen sich mehrere Stunden hin. Die Hamburger Straße (ehemalige B 5) war aufgrund des Einsatzes die Nacht hindurch voll gesperrt.

„Ich bin einfach nur geschockt“, sagte Boizenburgs Bürgermeister Harald Jeschke gestern in einer ersten Reaktion auf den Brand. 16 Zimmer sollten in dem Fachwerkhaus vom Landkreis Ludwigslust-Parchim eingerichtet werden. Jeschke: „Bisher haben wir von der Flüchtlingswelle hier in der Stadt nicht viel mitbekommen.“ Im Kreis gibt es einen speziellen Verteilungsschlüssel, der die Landesunterkünfte in Horst und Zahrensdorf vor den Toren Boizenburgs zugunsten der Stadt berücksichtigt. „Aber jetzt, wo die ersten Flüchtlinge zu uns in die Stadt kommen sollen, ist die Stimmung schon schlecht, die Menschen haben Angst vor dem Unbekannten und Fremden“, so Jeschke. Er lobt ausdrücklich das Engagement zweier ehrenamtlicher Initiativen, die bereits Hilfe für die erwarteten Flüchtlinge vorbereiten.

Der Brand in der Unterkunft war im Dachgeschoss des leerstehenden Hauses ausgebrochen und hatte sich von dort in die unteren Stockwerke ausgebreitet. Die Immobilie dürfte jetzt als Totalschaden gelten.