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Aufgeräumt und freundlich zeigt sich Jenny Elvers im LZ-Interview im Josthof: „Ich habe mir mein Leben eingerichtet, ziehe klare Grenzen.“ Foto: t&w
Aufgeräumt und freundlich zeigt sich Jenny Elvers im LZ-Interview im Josthof: „Ich habe mir mein Leben eingerichtet, ziehe klare Grenzen.“ Foto: t&w

Jenny Elvers ist wieder zu Hause — LZ-Interview zum Neuanfang

Ich will nicht mehr die Krankenschwester mit dem kurzen Kittel, sondern die Ärztin spielen. Jenny Elvers

Im Alter von 18 Jahre wurde Jenny Elvers zur Amelinghausener Heidekönigin gekürt. Foto: A./be
Im Alter von 18 Jahren wurde Jenny Elvers zur Amelinghausener Heidekönigin gekürt. Foto: A./be

dth Salzhausen. 25 Jahre nach ihrer Wahl zur Amelinghausener Heidekönigin kehrt die gebürtige Lüneburgerin Jenny Elvers (43) zu ihren Wurzeln zurück in die Lüneburger Heide: Gemeinsam mit ihrem Sohn Paul (14) und Lebensgefährten Steffen von der Beeck baut sie sich ein neues Zuhause in Salzhausen auf, nicht weit entfernt von ihren Eltern in Amelinghausen, damit haben sie Marbella den Rücken gekehrt (LZ berichtete). Aber auch in der Heide jagen die Paparazzi der Schauspielerin hinterher, sogar bis an die Wursttheke bei Edeka, sagt Elvers. „Aber irgendwann sind sie es auch leid, wenn sie ständig eine Unterlassungserklärung bekommen. Da muss man einen langen Atem haben.“ 70 Prozesse führe sie derzeit wegen verschiedener Veröffentlichungen über angebliche Alkoholrückfälle und Prügelgeschichten.
Beim LZ-Interview im Josthof in Salzhausen spricht sie über den Neuanfang in der Heide, aktuelle Projekte und den Umgang mit der Klatschpresse.

Wie oft haben Sie hier jetzt schon im Josthof gesessen und Journalisten über ihren Umzug berichtet?

Jenny Elvers: Bisher nur der Gala, mit der bin ich immer ganz gut klargekommen. Eigentlich hätte das auch gereicht. Aber die LZ ist natürlich eine Ausnahme, bei Euch hat das ja quasi damals alles angefangen.

Tatsächlich gab es damals recht viele LZ-Berichte über Sie. Nach Ihrer Wahl zur Heidekönigin 1990 haben Sie bei einer Reise nach Japan die Heideregion in Fernost repräsentiert. Ein japanischer Kosmetikkonzern entdeckte Sie mit 18 Jahren als Model. Die angestrebte Ausbildung zur Krankengymnastin legten Sie damals auf Eis. Wann war für Sie eigentlich klar, dass diese Ausbildung gar nicht mehr stattfinden wird?

Elvers: Als ich aus Japan zurückgekommen bin. Zeitungen hatten dort über mich berichtet. Und das Modeln war auch ein Türöffner in Deutschland. Ich bin in der Zeit sehr viel mutiger und selbstsicherer geworden. Ich habe angefangen, Texte zu lernen, bin zu Vorsprechen gegangen und bin genommen worden. Aber ich durfte dann bei meiner ersten Serie, bei „Nikola“, eine Krankengymnastin spielen. Immerhin! Das ist das Schöne an der Schauspielerei, da kann man in jede Rolle schlüpfen.

Schauspiel ist das eine, der Umgang mit den Boulevard-Blättern das andere. Inwiefern spielt Selbstmarketing für Sie eine Rolle?

Elvers: Selbstmarketing? Wenn ich das selbst im Griff hätte, wäre das schön. Damals hatte ich das jedenfalls nicht. Und ich sehe das nicht als Beruf. Das nervt auch eher. Man hat es schwerer, Rollen zu bekommen. Das habe ich auch gemerkt, als es um die Dreharbeiten für die Nele Neuhaus-Verfilmung „Böser Wolf“ für das ZDF ging. Wenn jemand schon ein vorgefertigtes Bild von einem hat, umso schwieriger ist es, die Vorstellungskraft der Besetzer anzuschieben und den Stempel, den man aufgedrückt bekommen hat, vergessen zu machen.

Inwiefern ist Jenny Elvers eine Kunstfigur?

Elvers: Kunstfigur vielleicht in dem Sinne, als dass ich mir morgens erstmal ein paar Haarteile auf den Kopf ballere, irgendwas ankleben muss und nur so in der Öffentlichkeit stattfinde. Das bin ich aber nicht. Es gab Zeiten, in denen die Schere zwischen der öffentlichen und der privaten Jenny ganz schön auseinander ging. Das kann man manchmal auch nicht aufhalten, wenn man erstmal in einer gewissen Schublade steckt. Und es ist schwer, sich da wieder herauszukämpfen. Das geht nur mit Konsequenz, indem man sagt, ich will nicht mehr die Krankenschwester mit dem kurzen Kittel, sondern die Ärztin spielen – so als plattes Beispiel.
Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Die Rollen, die ich jetzt spiele, haben eine ganz andere Qualität. Alles hat seine Zeit im Leben. Ich möchte manche Sachen gar nicht missen und auch die Fehler gehören dazu.

Schließt sich die Schere jetzt wieder?

Elvers: Ja, ich bin da wieder sehr eins mit mir. Ich habe mir mein Leben eingerichtet und ziehe klare Grenzen. Ich drehe keine Doku-Soaps in meinem Schlafzimmer oder sonstwo. Meinen Sohn lasse ich überhaupt nicht fotografieren und zerre den auch nicht vor die Kamera. Dabei standen anfangs auch schon Paparazzi vor der Schule in Salzhausen. Aber irgendwann sind sie es auch leid, wenn sie ständig eine Unterlassungserklärung bekommen. Da muss man einen langen Atem haben.
Und ich lasse auch ganz bestimmt nicht die Diva raushängen. Ich gehe auch ungeschminkt einkaufen und habe hier keine Berührungsängste mit den Salzhäusern, aber die Paparazzi stören gewaltig. Und dann wird dazu auch noch in manchen Klatschblättern so ein Blödsinn dazugereimt, wird spekuliert, ob wir hier oder dort oder bei meinen Eltern wohnen. Und all so einen Mist. Aber ich muss auch nicht jedem Rechenschaft ablegen. Aber wir wohnen derzeit vorübergehend in einer sehr süßen Wohnung, weil das Haus noch nicht ganz fertig ist. Doch das Leben aus dem Koffer kenne ich inzwischen ganz gut. Und ich habe tatsächlich hier im Josthof ein Lager mit ganz vielen Klamotten. Und ein großer Teil ist noch in Berlin, weil ich da noch eine Zweitwohnung hatte. Ich bin ganz gut verteilt über die Republik.
Trotzdem: Es musste relativ schnell gehen, weil Paul nach den Sommerferien hier schon zur Schule gehen sollte. Vorher ging er in Marbella auf ein deutsches Gymnasium, eine Privatschule. Jetzt besucht er das Gymnasium Salzhausen, eine wirklich tolle Schule, und geht dort in die Spanisch-Klasse.

Was hat noch für Salzhausen gesprochen?

Elvers: Die super Anbindung nach Hamburg. Ich muss oft zum Flughafen. Natürlich wäre auch Berlin eine Alternative gewesen. Und ich mag auch Lüneburg unheimlich gerne. Aber ich finde es gut, ein bisschen außerhalb zu wohnen, im Privaten meine Ruhe zu haben. Außerdem wohnen meine Eltern und mein Bruder um die Ecke. Das ist auch für Paul klasse. Der ist jetzt 14. Ich kann dem keine Nanny mehr an die Seite stellen, der lacht mich aus. Aber so ganz alleine mag ich ihn auch nicht lassen, wenn ich für Dreharbeiten mal länger weg muss.

Ihre Biografie ist in Arbeit . . .

Elvers: Wir haben im Sommer damit angefangen und sind schon relativ weit. Ich gucke darin auf 25 Jahre Show-Business zurück. Das ist sehr bezogen auf berufliche Geschichten. Bisher meint jeder alles über mich zu wissen. Aber, oh nein! Ich kann schön aus dem Nähkästchen plaudern, aber es ist nicht meine Ambition, jemanden zu beleidigen. Und klar spielt Amelinghausen am Anfang eine Rolle.

Was glauben Sie, wer ist mehr genervt: Jenny Elvers, weil sie ständig auf die Amelinghausener Heidekönigin angesprochen wird, oder der Heideblütenfestverein, weil er ständig auf Jenny Elvers angesprochen wird?

Elvers: Also, mich nervt es gar nicht. Die ersten zwei, drei Jahre danach war es aber schon ein bisschen müßig. Jedes Mal, wenn ich in eine Sendung eingeladen war und als Ex-Heidekönigin angekündigt wurde. Das hat mich schon ein bisschen gestört, weil das nicht unbedingt immer nett gemeint war. Andere wollten das manchmal ins Lächerliche ziehen. Ich selbst habe damit aber nie ein Problem gehabt. Das ist ein Teil von mir. Aber ich glaube schon, dass die Heideköniginnen nach mir, vor allem die Ingried Diersen, die ein Jahr später gewählt wurde, einen schweren Stand hatten.

Könnten Sie sich eigentlich vorstellen, bei der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ vorstellig zu werden?

Elvers: Das hat mein Vater, der häufiger in Lüneburg unterwegs ist, auch schon gesagt. Wenn es eine tolle Rolle gibt und ich Zeit habe, warum nicht. Das ist schön produziert, da sind gute Schauspieler dabei. Die können sich gerne bei mir melden. (Sie lacht.) Die Anfahrt ist jetzt auch nicht mehr so weit.

Auf welche Jugendsünde sind Sie besonders stolz?

Elvers: Das ist eine komplizierte Frage … (Sie lacht.) … ich habe ein relativ hässliches Tattoo am Fußgelenk. Das ist ein Kreuz, das sehr schöne Ornamente hatte – mit den Jahren irgendwie nicht mehr. Die Vorlage war ein schöner Kettenanhänger von meiner Oma. Den habe ich zwar noch, hatte aber damals Angst, den zu verlieren und habe mir das Motiv stechen lassen. Das ist durchaus eine Jugendsünde, aber ich trage sie mit Stolz. Aber als ich zum Beispiel die Buhlschaft beim „Jedermann“ gespielt habe, musste das Tattoo jeden Abend überschminkt werden.

Was wäre der einzige Gegenstand, den Sie aus einem brennenden Haus retten würden?

Elvers: Die Fotoalben hat zum Glück meine Mutter … ich habe eine schöne alte Bibel. Ich war damals zwar nicht in irgendwelchen Vereinen aktiv, aber durchaus im evangelischen Jugendkreis in Amelinghausen. Da hatte sich auch ein anderer Berufswunsch von mir entwickelt: Wenn ich weiter zur Schule gegangen wäre, und nach dem Erweiterten Realschulabschluss mein Abi gemacht hätte, hätte ich auch gerne Theologie studiert. Auf der Kanzel stehen ist ja auch eine Form von Entertainment.