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Der häufigste Grund für eine Krankschreibung war eine Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems. Hierzu zählen Rückenleiden. Die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsberichts stellte die Leiterin des Servicezentrums in Lüneburg, Simone Prüß (kleines Foto), vor. Grafik: dak
Der häufigste Grund für eine Krankschreibung war eine Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems. Hierzu zählen Rückenleiden. Die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsberichts stellte die Leiterin des Servicezentrums in Lüneburg, Simone Prüß (kleines Foto), vor. Grafik: dak

DAK-Gesundheitsbericht zeigt: Doping bei der Arbeit nimmt zu

mm Lüneburg. Fit sein will jeder. Nicht immer geht das. Mancher behilft sich dann mit Medikamenten. Auch ohne ärztliche Verordnung. Doping ist nicht nur im Sport, sondern auch am Arbeitsplatz ein zunehmendes Problem. Der Missbrauch leistungssteigernder Präparate, um besser „funktionieren“ zu können, hat zugenommen. Das geht aus dem neuen DAK-Gesundheitsbericht hervor. Ebenso, dass die Zahl der Erkrankungen von Nervensystem, Augen und Ohren besonders stark gestiegen ist.
Laut Gesundheitsbericht mit den Zahlen aus dem Jahr 2014 hat sich der Anteil der Befragten, die schon mal sogenanntes Hirndoping eingesetzt haben, bundesweit seit 2008 von 4,7 auf 6,7 Prozent erhöht. In Niedersachsen nutzten 75 000 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen, rund 274 000 Menschen haben wenigstens einmal in ihrem Leben Hirndoping betrieben, die Dunkelziffer liege aber noch weitaus höher, sind sich Experten sicher. Häufig wurden Betablocker und Antidepressiva eingesetzt, aber auch Wachmacher und ADHS-Pillen, also Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten verschrieben werden. Zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede, wofür die Mittel verwendet wurden: Männer wollten eher ihre Leistung steigern, Frauen ihre Stimmung verbessern oder Ängste abbauen.

„Auch wenn Doping noch kein Massenphänomen ist, sind die Ergebnisse alarmierend“, sagt Simone Prüß, Leiterin des Lüneburger DAK-Servicezen­trums. Vor allem Erwerbstätige mit „einfachen Jobs“ seien gefährdet, etwa in der Lebensmittelbranche, im Schichtdienst oder Pflegebereich. Ein hohes Risiko hätten auch Beschäftigte mit unsicheren Arbeitsplätzen.

Der Bericht zeigt auch, dass der Krankenstand in der Lüneburger Heide 2014 im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben ist. 4,0 Prozent bedeutet, dass von 1000 Arbeitnehmern rechnerisch an jedem Arbeitstag des Jahres 40 krankgeschrieben waren. Der Durchschnitt liegt über dem Landesniveau von 3,9 Prozent. Die meisten Krankschreibungen gab es in Uelzen und Lüchow-Dannenberg mit 4,4 Prozent. Im Landkeis Vechta geht es den Arbeitnehmern am besten. Hier betrug der Krankenstand 3,4 Prozent.

In der Lüneburger Heide, dazu zählt die DAK neben dem Landkreis auch Winsen und Buchholz sowie mit Bienenbüttel und Bad Bevensen Teile des Kreises Uelzen, blieben Beschäftigte am häufigsten wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zu Hause. Insgesamt 331 Fehltage wurden hierzu registriert, wohlgemerkt auf 100 Beschäftigte runtergerechnet. Es folgen psychische Erkrankungen und Verletzungen als Grund für eine Krankmeldung. Prozentual am höchsten gestiegen ist die Zahl der Erkrankungen von Nervensystem, Augen und Ohren mit einem Plus von 43,6 Prozent. Den Grund dafür schildert Dr. Heinz Jarmatz aus Barendorf: „Es gab 2014 eine relativ starke Infektionswelle, besonders betroffen waren die Ohren.“

Auch die Zunahme bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen gibt weiter Anlass zur Sorge. So ist in Niedersachsen die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen seit 2000 um 116 Prozent gestiegen. Auch in der Lüneburger Heide gab es im vorigen Jahr eine Steigerung – von acht Prozent, 100 Versicherte kamen auf 271 Fehltage. Die DAK meint, dass betroffenen Mitarbeitern ein betriebliches Gesundheitsmanagement gezielt helfen könnte.