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Die Fahrtzeiten und die Höhe der Fährtarife über die Elbe waren gestern das Streitthema im Lüneburger Kreistag. Foto: A./t&w
Die Fahrtzeiten und die Höhe der Fährtarife über die Elbe waren gestern das Streitthema im Lüneburger Kreistag. Foto: A./t&w

Lüneburg: Kreistagsmehrheit lehnt freie Fährfahrten ab

kre Lüneburg.Die Politik hat die Neuhäuser entdeckt: Nachdem der Kreistag den Bau der Brücke in seiner Sitzung vor der Sommerpause krachend beerdigt hatte, versuchen die Kreistagsfraktionen nun auf andere Weise, den Bürgern jenseits der Elbe Gutes zu tun. Sie wollen die Fährverbindungen optimieren. Über das Wie wurde gestern im Kreistag abermals heftig gestritten.

Die CDU/Bündnis 21 RRP-Fraktion würde die Fahrt über den Strom am liebsten zu einem kostenlosen Vergnügen machen: „Die Menschen in der Gemeinde Amt Neuhaus sollen die Elbfähren bei Bleckede und bei Neu Darchau bis zur Errichtung einer Brücke über die Elbe kostenfrei nutzen können“, formulierte Wilhelm Kastens den Antrag seiner Fraktion. Außerdem sollten die Fährzeiten täglich bis 24 Uhr ausgedehnt und die Fahrt auf der Fähre selbst „spürbar verkürzt“ werden. „Die Menschen und die Unternehmen in der Gemeinde Amt Neuhaus sollen nicht länger Eintritt zahlen müssen, wenn sie mit den Fähren in den übrigen Teil des Landkreises Lüneburg gelangen wollen“, sagte Kastens.

„Die Menschen im Amt Neuhaus wollen nicht länger Eintritt zahlen müssen, wenn sie mit den Fähren in den übrigen Teil des Landkreises gelangen wollen.“
Wilhelm Kastens (CDU)

Den Gegenvorschlag von SPD und Grünen, Verhandlungen mit dem Land und den Nahverkehrsgesellschaften zu führen über die Aufnahme der Fähren in den HVV-Bereich, tat Kastens als „unsinnig“ ab. „Und dann auch noch den Etat allgemein ohne konkreten Antrag aufzustocken, zeigt die ganze Hilflosigkeit der Kreistagsmehrheit“, kritisierte Kastens.

Dieser Vorwurf rief SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp auf den Plan, der seinerseits Kastens „Realitätsverlust“ vorhielt. SPD und Grüne werden den Menschen im Amt Neuhaus keinen Sand in die Augen streuen, sondern Nägel mit Köpfen machen, betonte der Sozialdemokrat. Die SPD/Grüne-Gruppe stellt sich dazu nicht nur – falls betriebswirtschaftlich und technisch möglich – längere Fährzeiten vor, sondern auch eine höhere Bezuschussung der Fährtarife.

Davon sollen nach dem Willen der Kreistagsmehrheit nicht nur die Neuhäuser Bürger, sondern auch die Vereine profitieren, die die Fähre nutzen müssen.
Selbst eine Neuanschaffung von Fähren, zumindest aber eine Modernisierung, steht für Kamp auf dem Wunschzettel. Um den abzuarbeiten, sollen die entsprechenden Haushaltsmittel 2016 auf 250 000 Euro aufgestockt werden.

Eine Forderung, die auch Petra Kruse-Runge (Grüne) gutheißt: „Die Brücke wird es nicht geben“, sagte sie in Richtung CDU, deshalb geht es jetzt darum, die Realität zu meistern.“ Ohne die Brückendiskussion könne man andere Themen angehen, modernere Fähren mit Solar/Elektro-Antrieb etwa. Auch die Busverbindungen in das Amt Neuhaus seien verbesserungswürdig.

Ob kostenlose oder ermäßigte Nutzung der Fähren – Frank Stoll (Linke) hat mit beiden Anträgen seine Probleme: „Wenn, dann muss das Angebot für alle Bürger im Kreis gelten und nicht nur für die Neuhäuser“, betonte er – „wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ Wenn der Kreis Verbesserungen beim Fährbetrieb plane, „sollte er zuerst dafür sorgen, dass die Sandbänke an den Anlegern beseitigt werden“, mahnte Stoll, der hauptberuflich Fährmann auf der Fähre „Tanja“ ist.

„Beide Anträge am besten zurückziehen, weil wenig durchdacht“, forderte Martin Gödecke (Unabhängige), fand damit aber kein Gehör. Mehrheitlich lehnte der Kreistag den Antrag der CDU auf kostenlose Beförderung ab. Verabschiedet wurde dagegen der Antrag von SPD und Grünen.