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Der aus Pakistan stammende Zafar Ali Baloch lebt als Flüchtling in der Region Lüneburg. Er gehört zu den ersten Teilnehmern des neuen „Brückenstudiums“. Foto: t&w
Der aus Pakistan stammende Zafar Ali Baloch lebt als Flüchtling in der Region Lüneburg. Er gehört zu den ersten Teilnehmern des neuen „Brückenstudiums“. Foto: t&w

Leuphana Lüneburg: Flüchtlingen eine Brücke ins Studium bauen

us Lüneburg. Etwas unsicher tritt Zafar Ali Baloch ans Rednerpult, dann holt er sein Redemanuskript hervor und erzählt. Warum er aus Pakistan geflohen ist, wie er nach Deutschland kam und warum er sich jetzt an der Leuphana angemeldet hat. Dass es für ihn ein Weg ist, hier seine beruflichen Ziele weiter zu verfolgen und hierüber zugleich den Weg in die für ihn neue Gesellschaft finden zu können. Zafar Ali Baloch gehört zu den ersten Teilnehmern des neuen Lehrangebots, das sich „Brückenstudium“ nennt und sich speziell an Flüchtlinge richtet, die aufgrund ihrer Flucht ihr Studium unterbrechen mussten oder nicht aufnehmen konnten.

„Wir haben 39 Teilnehmer, die jetzt mit Beginn des Wintersemesters starten“, freut sich Tom Schmidt. Er ist Sprecher des Bündnisses „Hochschule ohne Grenzen“, ein Zusammenschluss Lüneburger Initiativen und Institutionen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Integration von Flüchtlingen zu fördern. Das neue Brückenstudium soll dabei einen wichtigen Part übernehmen, ist aber nur ein Bildungsbaustein neben zwei weiteren: dem Welcome & Learning-Center, das an der Bleckeder Landstraße ebenfalls neu eingerichtet worden ist, und der Möglichkeit, dort einen Zugang zur Kiron University, eine Online-Uni speziell für Flüchtlinge, zu erhalten. Zudem wird das in diesem Sommer gestartete Gasthörerprogramm für Flüchtlinge „Open Lecture Hall“ fortgesetzt.

Wie auch beim Gasthörerprogramm werden den Teilnehmern des Brückenstudiums Lehrveranstaltungen angeboten, aus denen sie zwei von insgesamt 30 sogenannten Modulen auswählen dürfen. Wesentlicher Unterschied: Im Brückenstudium können die Teilnehmer in den Lehrveranstaltungen Prüfungsleistungen erbringen, die bei einem späteren Studium anrechenbar sein sollen. Allerdings weist die Uni darauf hin, dass ein rechtlicher Anspruch auf Anerkennung der erbrachten Prüfungsleistungen weder an der Leuphana noch an anderen Hochschulen bestehe. Nur die Kiron Universität hat bereits die Anerkennung zugesagt.

„Wir wollen die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft begleiten, sie aktivieren, die bestehenden Initiativen räumlich miteinander vernetzen und vermittelnd wirken, um einer drohenden Desorientierung entgegenzuwirken“, erläuterte Schmidt die Beweggründe des Bündnisses. Das Ziel sei ein regulärer Zugang der Flüchtlinge zu Bildung und Arbeit und deren „soziokulturelle Integration“.

Wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am Brückenstudium sind deutsche oder englische Sprachkenntnisse. Die werden individuell vor Beginn mittels Sprachtest geprüft. Zudem sollen Ausweisdokumente und Schul- oder Universitätsabschlüsse vorgelegt werden, sofern diese verfügbar sind.

Die Teilnahme am Brückenstudium selbst ist kostenlos, Fahrtkosten können indes nicht erstattet werden – für Zafar Ali Baloch eine echte Hürde. Denn der in Egestorf Wohnende muss für jede Fahrt nach Lüneburg 10 Euro bezahlen, Geld, das er eigentlich nicht hat. Sein Wunsch ist daher, möglichst bald nach Lüneburg übersiedeln zu können.