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Die schraffierten Flächen zeigen den Geltungsbereich des Bebauungsplanes: Der obere Bereich (grau) sind die Gewerbeflächen der KVG, in der Mitte (blau) die Fläche, auf der die Unterkunft für Flüchtlinge entstehen soll, der untere Bereich (gelb) zeigt die Grünfläche hin zum Baugebiet „In den Kämpen“. Skizze: meiferts
Die schraffierten Flächen zeigen den Geltungsbereich des Bebauungsplanes: Der obere Bereich (grau) sind die Gewerbeflächen der KVG, in der Mitte (blau) die Fläche, auf der die Unterkunft für Flüchtlinge entstehen soll, der untere Bereich (gelb) zeigt die Grünfläche hin zum Baugebiet „In den Kämpen“. Skizze: meiferts

Reihenhäuser für bis zu 120 Flüchtlinge

as Lüneburg. „Wir wollen die Weichen stellen für eine vernünftige Integration“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge mit Blick auf das künftige Baugebiet „An den Sandbergen“. Dort sollen Reihenhäuser entstehen, die erst als Unterkunft für Flüchtlinge dienen und später als Wohnraum genutzt werden könnten. Ein Konstrukt, das die Stadt an mehreren Standorten in Lüneburg umsetzen möchte und für das erstmals ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden soll. Der Bauausschuss stimmte dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mehrheitlich zu.

Zur Sitzung waren auch Bürger gekommen, die sich skeptisch äußerten zum neuen Baugebiet. Es gehe ihnen um die Grünflächen, die sich dadurch verringern würden, und um die Frage: Warum werden Flüchtlinge nicht in Kaltenmoor untergebracht? Dort stünden Wohnungen leer, gebe es Schulen und Kitas vor der Tür. Mädge machte deutlich, dass Integrationspolitik nicht bedeute, Flüchtlinge nur in einem Stadtteil unterzubringen. Ein entsprechendes Gesamtkonzept zur Verteilung von Standorten hatte die Verwaltung bereits Ende September im Rat vorgestellt und dafür große Zustimmung von der Politik erhalten (LZ berichtete). Inzwischen habe sich die Lage dahingehend verändert, dass noch mehr Flüchtlinge im kommenden Jahr unterzubringen seien. „Wir bekommen jetzt pro Woche doppelt so viele Flüchtlinge zugewiesen wie bisher.“ Eine Situation, die die Kommune täglich vor neue Herausforderungen stellt. „Wir wollen Flüchtlinge nicht in Hallen unterbringen“, auch Container als Unterkünfte hätten keine Zukunft, da viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimatländer zurückgehen würden, sagte Mädge.

Stadtbaurätin Heike Gundermann erklärte, man sei ganz am Anfang des „umfangreichen Verfahrens“ für den Bebauungsplan „An den Sandbergen“. Der umfasst das Gelände zwischen den Gewerbeflächen der KVG an der Dahlenburger Landstraße und dem bestehenden Baugebiet „In den Kämpen“. Dort sollen Reihenhäuser entstehen, in denen bis zu 120 Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Bei der späteren Nutzung, die einen Umbau erfordert, werde sich die Zahl der Wohneinheiten auf zirka 40 einpendeln. Erschlossen werden soll das neue Baugebiet über den sogenannten Toten Weg.

Der Grüngürtel zwischen Neubaugebiet und dem Wohngebiet „In den Kämpen“ soll erhalten bleiben, erklärte die Stadtbaurätin auf Nachfrage von Dr. Gerhard Scharf (CDU). Geprüft werde zudem, wie dieser eventuell aufgewertet werden kann. Auch das kleine Waldstück bleibe bestehen. Im Planverfahren sind unter anderem Lärmgutachten, Bodenuntersuchungen sowie Gutachten zu Flora und Fauna erforderlich. Es werde eine frühzeitige Bürgerbeteiligung geben, sodass Anregungen und Wünsche eingebracht werden können, die dann von der Verwaltung abgewogen und gegebenenfalls in den Bebauungsplan eingearbeitet werden.

Andreas Meihsies (Grüne) stellte sich hinter die Planungen der Verwaltung, „auch wenn wir die Fläche, die in den 90er-Jahren als Naherholungsgebiet ausgewiesen wurde, nun anknabbern“. Es gelte nun das, was er schon bei der Vorstellung des Gesamtkonzeptes zur Unterbringung von Flüchtlingen gesagt habe: Die Grünen spielten den Landschaftsschutz nicht gegen Menschen aus. Einig sei man sich aber auch mit dem Gruppenpartner SPD, dass dort über die Planungen hinaus keine weitere Bebauung stattfinde. Eduard Kolle (SPD) lobte das Konzept der dezentralen Unterbringung, das nun weiter entwickelt werden soll. Wenn eine soziale Durchmischung gelinge, so wie Mädge das vorschwebt, sei das zukunftsweisend, begrüße er das sehr, meinte Rainer Petroll (Linke).

Falscher Adressat für Beleuchtungswunsch

Der bereits ausgeschilderte Forstweg, der vom Tor 6 der Theodor-Körner-Kaserne zum Fuchsweg führt, soll befestigt und beleuchtet werden, damit Flüchtlinge über den Fuchsweg sicher zur Erbstorfer Landstraße gelangen. Nachdem die Stadt dies hatte verlauten lassen, hätten sich prompt Eltern bei ihm gemeldet, erklärte Dr. Gerhard Scharf im Bauausschuss. Ihr Anliegen: Wenn schon Beleuchtung, dann sollte die Stadt auch für zwei, drei Lampen auf dem letzten Teilstück zwischen Fuchsweg und Kaserne sorgen, da diese Strecke von vielen Schülern genutzt werde, die von der Erbstorfer Landstraße in Richtung Bleckeder Landstraße radeln, um zum Johanneum oder zur IGS in Kaltenmoor zu gelangen.

Mädge erläutert dazu: „Der Weg von der Erbstorfer Landstraße bis zur Eisenbahnlinie gehört der Landesforst. Der Weg von der Eisenbahnlinie entlang des Casinos bis zur Einmündung an der Bleckeder Landstraße gehört aber dem Bund als Privatstraße. Die Verkehrssicherungspflicht und in diesem Zusammenhang die Ausstattung mit Lampen obliegt damit dem Bund.“ Deshalb möge sich Scharf an seinen Fraktionskollegen Eckhard Pols wenden, der im Bundestag sitzt, damit sich dieser in Berlin für das Anliegen einsetze.