Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kraniche auf ihrem Weg in wärmere Gegenden. Die Vögel sind derzeit mit Glück auch bei uns an der Elbe und im Elbvorland zu beobachten. Foto: A./t&w
Kraniche auf ihrem Weg in wärmere Gegenden. Die Vögel sind derzeit mit Glück auch bei uns an der Elbe und im Elbvorland zu beobachten. Foto: A./t&w

Zugvögel machen Station an der Elbe

pet Lüneburg. Die Störche sind schon vor Wochen zu ihrem Zug in Richtung Süden gestartet. Auch Fischadler, die während ihrer Reise von Skandinavien oder Polen an der Elbe Rast gemacht hatten, Kuckuck, Rauchschwalbe, Mauersegler und viele andere Zugvögel haben ihre Quartiere längst vom kühlen Norden in wärmere Gegenden, bis an den Äquator und darüber hinaus, verlegt. Trotzdem ist die Zeit des herbstlichen Vogelzugs noch längst nicht beendet, wie ein Blick zum Himmel, vor allem dem abendlichen, immer wieder beweist.

In der Region eingetroffen sind Saatgänse aus den weiten Tundragebieten Russlands und nordische Blässgänse – Vorboten der großen Gänseschwärme, die in jedem Jahr Mitte Oktober die feuchten Wiesen und Felder an der Elbe bevölkern. Erst, wenn es richtig kalt wird, wenn es Schnee gibt, dann fliegen sie weiter in Richtung Niederlande oder in Richtung Golfstrom.

Auch die einheimischen Graugänse haben Verstärkung bekommen – von Artgenossen, die aus dem Osten zunächst Richtung Elbe geflogen sind. Ein ganz besonderes Erlebnis: der abendliche Einflug Hunderter Gänse auf der Elbe.

Mehr als 100 Kraniche sind seit einiger Zeit in Amt Neuhaus in der Sudeniederung zu beobachten – sie gehören zu den Kurzstreckenziehern, überwintern nach einer Rast an der Elbe in Frankreich und Spanien. Die Kraniche nutzen gern den Rückenwind, bei schönem Wetter fliegen sie in großer Höhe, sind so fast unsichtbar, bei Bewölkung fliegen sie unterhalb der Wolkendecke, sind dann gut zu beobachten.

Nicht zu den Zugvögeln gehören die Seeadler aus Mecklenburg, die auch im Winter in der Region bleiben, Jagd auf Fische, unter anderem aber auch auf Gänse machen. Jungvögel aus Mecklenburg vergrößern in der kalten Jahreszeit die Seeadlervorkommen.

An der Elbe rasten in diesen Tagen auch die nordischen Singschwäne, „mehrere Hundert werden noch erwartet“, so Frank Allmer, Vogelkundler vom Naturschutzbund Deutschland aus Lüneburg. Vermutlich im November ziehen die Singschwäne weiter. Auch sie haben es nicht weit, auch sie fliegen in Richtung Niederlande, wo der warme Golfstrom wartet.

Gelegenheit, Zugvögel am Boden zu beobachten, gibt es viele, sagt Frank Allmer, einer der Ehrenamtlichen, die das ganze Jahr über in monatlichem Abstand Zählungen der Wasservögel vornehmen und an die Staatliche Vogelschutzwarte Hannover weiterleiten, wo sie gesammelt und ausgewertet werden: „Überall an der Elbe, vor allem in der Dämmerung, speziell bei Barförde und auf beiden Elbseiten bei Bleckede, zudem bei Wehningen sowie an den Wilkenstorfer Teichen in Amt Neuhaus. „

Auslöser für den winterlichen Wegzug zahlreicher Vogelarten ist nicht etwa die winterliche Kälte, vielmehr ist es der Mangel an Nahrung, der angesichts von Minustemperaturen, geschlossener Schneedecken und kürzerer Tage auftritt. Abflugzeit, Zugrichtung und Zugstrecken sind bei der Mehrzahl der Zugvogelarten genetisch vorgegeben. Die Vögel orientieren sich auf ihrer großen Reise am Tage bei klarem Himmel am Stand der Sonne, nachts am Sternenhimmel. Außerdem verfügen sie über einen „eingebauten Magnetkompass“, der ihnen speziell bei schlechtem Wetter die Richtung weist – bis heute gehört der Magnetsinn zu den weitgehend unerforschten Sinnesleistungen der Tiere.

Zu den Zugvögeln unter fachkundiger Führung

  • Der Naturschutzbund (Nabu) Lüneburg lädt für Sonnabend, 31. Oktober, 14.25 Uhr zur Exkursion zum Vogelrastplatz Echemer Marsch ein. Es gibt die Gelegenheit zur Rastvogelbeobachtung in der Echemer Marsch und im NSG Fehlingsbleck. Bei der nachmittäglichen Exkursion sind verschiedene Gänse- und Entenarten, Kormorane, vermutlich auch Kiebitze, Silberreiher und Greifvogelarten zu erwarten. Mit Glück gibt es auch einen Seeadler zu sehen. Wasserdichtes Schuhwerk, warme, wetterfeste Kleidung und Ferngläser werden empfohlen. Die Leitung hat Gudrun Bardowicks (%04131/46293). Treffpunkte: 14.25 Uhr Bahnhof Lüneburg, Gleis 5 oder 14.50 Uhr Bahnhof Echem.
  • Zur Wanderung „Vogelzug und Grenzgeschichte“ lädt das Haus des Gastes in Neuhaus für Sonntag, 1. November, ein. Es geht von Wehningen nach Rüterberg. Start ist am Parkplatz Ortsausgang Wehningen. Dauer der Wanderung: drei Stunden, Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder sind frei. Eine Anmeldung ist notwendig bei Sabine Wittkopf (Tel.: 038841/61377) oder unter sabinewittkopf@web.de. Näheres unter www.elbtalaue-erleben.de.