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Marina Kroll, Vorsitzende der Tafel (vorn, 3.v.l.) und ihr Stellvertreter Jürgen Luxemburger (h.r.) mit einem Teil ihres Ehrenamtlichen-Teams. Foto: t&w
Marina Kroll, Vorsitzende der Tafel (vorn, 3.v.l.) und ihr Stellvertreter Jürgen Luxemburger (h.r.) mit einem Teil ihres Ehrenamtlichen-Teams. Foto: t&w

„In Lüneburg muss keiner hungern“

cec Lüneburg. Weltweit wird jedes Jahr ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, allein in Deutschland landen bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll, berichtet das Hilfswerk Misereor und fordert von der Bundesregierung einen Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung. Mit den Resten der Wegwerfgesellschaft täglich konfrontiert sind Marina Kroll und Jürgen Luxemburger, Vorsitzende des Vereins Lüneburger Tafel. Sie machen aus der Not eine Tugend, sammeln gemeinsam mit 34 Mitgliedern und 26 Helfern jährlich 132 Tonnen Lebensmittel von Bäckereien, Händlern, Supermärkten und Wochenmarktbeschickern ein und verteilen diese an vier Wochentagen in den Räumen Im Tiefen Tal 64 an ihre Kunden. Anlässlich des heutigen Welthungertages berichten sie der LZ über die Entwicklung der Tafel in der vergangenen Zeit. Auch sie machen Veränderungen aus: Die Zahl ihrer Abnehmer ist in diesem Jahr kräftig angestiegen, weil auch immer mehr Flüchtlinge sich hier mit Lebensmitteln eindecken müssen.

„Wir sind die Brücke zwischen dem Überfluss und dem Mangel“, sagt Luxemburger, „verteilen das, was sonst in der Biogasanlage landen würde.“ Zur Tafel kämen Menschen, die ihren Job verloren haben, Senioren, deren Rente zu spärlich ausfällt, oder die von der Grundsicherung leben, Scheidungsopfer, Hartz-IV-Empfänger – und seit diesem Jahr auch immer mehr Flüchtlinge. „Wir verzeichnen in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum“, berichten Luxemburger und Kroll, dies gelte besonders für die Zeit seit Januar dieses Jahres. Waren es vor fünf, sechs Jahren noch durchschnittlich 50 bis 60 Kunden pro Ausgabetag, liege die Zahl heute schon bei rund 120 Abnehmern. „Und hinter dieser Zahl stehen noch viel mehr Menschen“, so Kroll, „denn es kommen ja nicht nur Einzelpersonen, sondern auch jene, die ihre Familien mit verpflegen.“

Lag der Anteil der ausländischen Kunden vor zwei Jahren noch bei 25 Prozent, sind es mittlerweile rund 45 Prozent. Dies führe vereinzelt zu Berührungsängsten bei den Stammkunden, schildern die beiden Tafel-Organisatoren. „Manche sind etwas reservierter, haben Scheu, wenn viele Migranten auf dem Hof stehen und sich in fremden Sprachen unterhalten“, so Kroll. Dies muss natürlich nicht sein, zeigen die Zahlen doch nur, dass unter den Flüchtlingen ebenso Bedürftigkeit herrsche, wie unter den Einheimischen. Dennoch sei man, um dem Rechnung zu tragen, der Idee einer Kundin nachgekommen, freitags einen Extra-Ausgabe-Tag ausschließlich für Senioren einzurichten.

Doch auch an anderer Stelle macht Luxemburger einen Anstieg der Lebensmittelknappheit aus: „Es ist nur eine subjektive Einschätzung, nicht mit Zahlen hinterlegt, aber mir kommt es so vor, als wenn der Anteil der Alleinerziehenden wächst, besonders der jüngeren Frauen.“ Die Ursache hierfür sieht er im Wandel der Gesellschaft. „Der Begriff der Ehe ist halt nicht mehr das, was er vor 25 Jahren noch war. Die sehen das heute lockerer.“

Auch wenn die Fakten anderes vermuten lassen, gehe es uns im Großen und Ganzen aber gut, ist Kroll überzeugt: „In Lüneburg muss keiner hungern. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich Lebensmittel zu holen.“

Wer die Lüneburger Tafel unterstützen möchte durch Spenden oder ehrenamtliche Mitarbeit, erreicht sie unter Tel.: 40 21 80 oder auf www.lueneburger-tafel.de.