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Auf seinem Laptop hat Uwe Labuhn seinen Trüffelfund verewigt. Unter welchen Umständen die Edelpilze in seinem Garten wachsen konnten, darüber rätseln auch die Fachleute. Foto: be
Auf seinem Laptop hat Uwe Labuhn seinen Trüffelfund verewigt. Unter welchen Umständen die Edelpilze in seinem Garten wachsen konnten, darüber rätseln auch die Fachleute. Foto: be

Statt Erdbeeren gibt‘s Trüffel

kre Wendisch Evern. Das ist wohl der Traum eines jeden Hobby-Gärtners. Und der von Gourmets sowieso. Für Uwe Labuhn aus Wendisch Evern ist er wahr geworden: Erdbeeren wollte der 47-Jährige in seinem Garten gleich hinter seinem Gewächshaus ernten. Entdeckt hat der gelernte Koch aber eine kulinarische Seltenheit – zumindest in unseren Gefilden: Trüffel.

Nicht nur für Labuhn ist das eine kleine botanische Sensation. Nichts im Erdbeerbeet hatte auf das Vorkommen der edlen Speisepilze hingedeutet. Weit und breit kein Baum, nur sauber geharkte Erde. Was erstaunlich ist, denn Trüffel leben in Symbiose mit Bäumen, etwa mit Buchen, Pinien, Lärchen oder Eichen. Auch die Nachbarschaft zu Kiefern ist für das Gedeihen der Delikatesse förderlich. Nur: Keiner dieser Bäume steht auch nur in der Nähe seiner Trüffel. Was Labuhn zu der Vermutung bringt, dass seine Trüffel eine segensreiche Symbiose mit seinen Erdbeeren eingegangen sein könnten. Erdbeeren sind nämlich botanisch gesehen keine Beeren, sie gehören zu den Sammelnussfrüchten. Und Nüsse wachsen nun einmal an Bäumen.

,,Aber das ist wie gesagt nur eine Theorie“, sagt Uwe Labuhn. Allerdings eine, die auch Wissenschaftler wie Dr. Alexander Urban von der Wiener Universität verfolgen, nachdem sie von dem ungewöhnlichen Trüffelfund in Wendisch Evern erfahren haben. Der Wissenschaftler steht in Kontakt mit dem Wendisch Everner Hobby-Gärtner. Der Biologe hat eine Probe der Trüffel mikroskopiert und will nun auch die Erdbeerpflanzen in seinem Labor eingehend untersuchen.

Lohnend ist die Trüffel-Forschung allemal. Schließlich gelten sie ähnlich wie Kaviar als Luxusprodukt, für das gut betuchte Feinschmecker gerne mal mehrere tausend Euro ausgeben. Der teuerste Trüffel aller Zeiten etwa, ein 750 Gramm schwerer weißer Trüffel, kam 2007 für unglaubliche 143 000 Euro unter den Hammer.
Von solch utopischen Summen kann Labuhn nur träumen – obwohl es sich auch bei seinen Funden um weißliche Trüffel handelt. Allerdings „nur“ um den „Tuber borchii“. Der gilt zwar als kulinarisch weniger wertvoll, kostet aber immer noch zwischen 200 und 400 Euro das Kilogramm.

Und geschmacklich? „Sie schmecken nicht erotisierend trüffelig, bestechen den Kenner dafür aber mit einer angenehm kräftigen Note von Knoblauch“, heißt es dazu in den Fachforen des Internets.

Uwe Labuhn jedenfalls fand sie lecker. Und seine Frau? „Eher weniger“, sagt sie lachend.

Sei‘s drum: Immerhin haben die knolligen Fruchtkörper den 47-Jährigen mit einem Schlag in die Welt der Gourmets und Trüffelexperten katapultiert. „Trüffel-Papst“ Ralf Bos hatte den Wendisch Everner prompt zu einem Trüffelsymposium auf das Sinziger Schloss am Rhein eingeladen, nachdem er von Labuhns ungewöhnlichem Gartenfund erfahren hatte. Denn Trüffel-Liebhaber sind nicht nur Feinschmecker, sondern auch Forscher – immer auf der Suche nach der perfekten Trüffel.