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Ein Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Klaus Kümmerer nahm die Verursacher von Medikamentenrückständen im Abwasser ins Visier. Foto: A./t&w
Ein Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Klaus Kümmerer nahm die Verursacher von Medikamentenrückständen im Abwasser ins Visier. Foto: A./t&w

Leuphana-Studie: Arzneirückstände im Abwasser

lz Lüneburg. Privathaushalte seien für die Mehrheit der ins Abwasser eingeleiteten Medikamentenrückstände verantwortlich. Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser, Psychiatrien und Pflegeheime trügen dagegen lediglich lokal und mit nur wenigen Substanzen als nennenswerte Verursacher zu einer Verunreinigung des Abwassers durch Arzneistoffe bei. Zu diesem Ergebnis sind Nachhaltigkeitswissenschaftler der Lüneburger Universität in Zusammenarbeit mit dem Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach in einer jetzt veröffentlichten Studie gelangt.

Das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Klaus Kümmerer analysierte Medikamentenverbrauchsdaten eines Krankenhauses, einer psychiatrischen Klinik und eines Pflegeheimes in Südwestdeutschland. Auf Basis der ermittelten Verbrauchsmuster identifizierten sie 50 häufig verabreichte Substanzen, die generell eine besondere Relevanz für den Abwassereintrag haben. Sie werden von den Patienten teils unverändert ausgeschieden. Den über drei Jahre gemittelten gesamten Verbrauch dieser Medikamente durch die Gesundheitseinrichtungen verglichen die Wissenschaftler in einem zweiten Schritt mit dem jährlichen Gesamtverbrauch der ausgewählten Substanzen durch deutsche Privathaushalte. Dazu nutzten sie Daten aus dem jährlich veröffentlichten Arzneiverordnungs-Report, in dem alle Medikamente verzeichnet sind, die gesetzlich versicherten Patienten von deutschen Arztpraxen verschrieben werden.

Die Ergebnisse belegen laut Kümmerer für die überwiegende Zahl der untersuchten Substanzen im nationalen Vergleich einen deutlich höheren durchschnittlichen Verbrauch – und daraus abgeleitet eine höhere Emission – durch Privathaushalte als durch Einrichtungen des Gesundheitswesens. So sei der Verbrauch von Medikamenten, die den Verdauungstrakt oder das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, in Krankenhäusern 15 bis 500 Mal niedriger als in Privathaushalten. In psychiatrischen Kliniken belaufe sich der Unterschied sogar bis auf den Faktor 2500. Selbst der Verbrauch von Schmerzmitteln durch Krankenhäuser mache nur einen relativ kleinen Anteil am Gesamtverbrauch aus – bei Metamizol, dem Schmerzmittel mit dem größten Verbrauch, seien es lediglich 22 Prozent. Nennenswerte Verbrauchsmengen hätten nur für das Sedativum Clomethiazol in Krankenhäusern sowie für das Neuroleptikum Quetiapin und das Antidepressivum Moclobemid in Pflegeheimen aufgezeigt werden können.

Anhand ihrer Studie konnten die Lüneburger Wissenschaftler nach eigener Einschätzung erstmals belegen, dass bundesweit betrachtet auch psychiatrische Kliniken und Pflegeheime im Vergleich zu Privathaushalten nur einen geringen Anteil an der Einleitung von Arzneistoffen ins kommunale Abwasser haben. In bisherigen Untersuchungen war dies lediglich für Allgemeine Krankenhäuser nachgewiesen worden.