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Gesammelt wird bei Wind und Wetter: Stadtförster Michael Stall (vorn) ist stolz auf die Qualität der Lüneburger Eichen. Foto: t&w
Gesammelt wird bei Wind und Wetter: Stadtförster Michael Stall (vorn) ist stolz auf die Qualität der Lüneburger Eichen. Foto: t&w

Lüneburg: Stadt freut sich über Spitzen-Qualität ihrer Eichen

us Lüneburg. Wie kleine Gold-Nuggets liegen sie in den Kisten, Tausende sind es, die mühsam in diesen Tagen eingesammelt werden. Zwar ist ihr Wert nicht annähernd so hoch wie der des glänzenden Edelmetalls, ihre Bedeutung für den Erhalt der Wälder ist aber nicht zu unterschätzen: Eicheln aus Lüneburg. Als anerkanntes Stieleichensaatgut sind sie so etwas wie die Elite unter den Eicheln und werden im gesamten Bundesgebiet für die Aufzucht neuer Eichen genutzt.

„Nur rund fünf Prozent der bundesweiten Eichenbestände eignen sich dafür“, sagt Lüneburgs Stadtförster Michael Stall. Ein leicht stolzer Unterton klingt dabei mit. Die besonders gerade Stammform, ein guter Gesundheitszustand und die hohe Vitalität der Lüneburger Bäume seien ausschlaggebend, um die Auszeichnung zu erhalten. Vergeben wird sie von einer Kommission, die sich aus Forst- und Baumschulfachleuten zusammensetzt. Regelmäßig reist sie durch das Bundesgebiet und nimmt geeignete Bestände in Augenschein, die von Forstämtern vorgeschlagen werden.

Mit seinen Eichen ist Lüneburg schon seit vielen Jahren als Saatgutlieferant anerkannt. Vor fünf Jahren kamen auch die Roterlen im städtischen Forst bei Heiligenthal dazu. „Mit den Buchen haben wir leider kein Glück“, bedauert Stall. Die würden am besten auf Kalkböden gedeihen, „die haben wir hier nicht“.

Nicht in jedem Jahr wird die wertvolle Frucht aufgesammelt, denn nicht immer lohne es sich. „Eine Eiche hat nur etwa alle fünf bis acht Jahre eine volle Blüte, nur dann ernten wir“, erklärt Stall. Wie groß die Ernte ausfällt, hänge nicht zuletzt vom richtigen Timing ab. „Kommen wir zu früh, ist das meiste noch an den Bäumen. Kommen wir zu spät, haben sich die Wildschweine das meiste geholt“, sagt Stall. Oft sei ein einziger Tag entscheidend.
Immer wieder ist Stall in diesen Wochen unterwegs, hofft auf Wind und Kälte. „Das sind die besten Bedingungen für eine zügige Ernte, dann klackert es richtig.“ An diesem Tag regnet es, Wind geht auch nicht. Die vier Mitarbeiter der Baumschule Rath aus Wietze bei Celle stört das nicht: „Wir ziehen uns passend an“, sagt Ingo Horstmann. Seine Baumschule nimmt seit Jahren schon Lüneburgs Saatgut ab. Auch sie gilt als anerkannter Betrieb, die „Anerkennungsreihe“, wie Stall es nennt, bleibe so erhalten. „Das garantiert gleichbleibende Qualität.“
Auf 200 bis 250 Kilogramm Eicheln bringt es eine Eiche in guten Jahren. Zwei Euro nimmt die Stadt pro Kilo von den Baumschulen ein. Bei rund 40 Hektar Eichensaatgutbeständen – die Bäume stehen im Oedemer Zuschlag, in Böhmsholz und im Heiligenthaler Gutsforst – fließen bis zu 10 000 Euro in den Stadtsäckel. „Es können aber auch mal nur tausend sein“, sagt Stall. Das hänge von der Konjunktur ab – und eben den Wildschweinen.
Als zweijährige Setzlinge kommen die Lüneburger Eicheln dann in ihre alte Heimat zurück. Zwischen 2000 und 5000 davon braucht die Stadt pro Jahr, um ihre Bestände zu erhalten, rechnet man auch die übrigen Baumarten hinzu, sind es sogar 25 000. Am Ende werden sich nur einige Hundert durchgesetzt haben, denn in den ersten zwanzig Jahren sei es „ein brutaler Kampf ums Licht“, wie Stall erklärt. Die Eichen werden ihre Zielstärke dann in 180 bis 200 Jahren erreicht haben.

Warmes Bad im Whirlpool

Von groben Verunreinigungen befreit, reisen viele Saateicheln auch in die Forstsaatgut-Beratungsstelle (FSB) der Niedersächsischen Landesforsten in Oerrel in der Lüneburger Heide, eine der europaweit modernsten Anlagen zur Aufbereitung und Bereitstellung von hochwertigem Forstsaatgut. Hier werden die Eicheln gereinigt und hohle Früchte ausgeschwemmt. Dann erwartet sie ein warmes Bad im Whirlpool: In der ‚Thermotherapie-Anlage‘ werden die Früchte gegen einen Schwarzfäulepilz behandelt. Dabei kommt es auf den optimalen Temperaturverlauf an: Der Erreger wird abgetötet, während die empfindlichen Eicheln ihre volle Keimfähigkeit behalten.

Ein Teil wird nach der Aufbereitung an Baumschulen verkauft und gleich ausgesät. Der Rest hält Winterschlaf unter kontrollierten Bedingungen bis zum Frühjahr: „Hohe Luftfeuchtigkeit im Kühlraum schützt die Saateicheln vor Austrocknung“, erklärt FSB-Leiter Andreas Preuß die spezielle Lagertechnik.

Nicht in jedem zur Ernte anerkannten Eichenbestand tragen die Bäume genügend Früchte, damit sich die mühsame Ernte lohnt. Besonders der mehrfache Kahlfraß durch Schmetterlingsraupen hat viele Eichenwälder geschwächt. „Hochwertiges Eichensaatgut als Grundlage der ökologischen und ökonomischen Stabilität zukünftiger Wälder ist knapp geworden. Nach unseren Schätzungen wird die in den Landesforsten gesammelte Menge von etwa 20 Tonnen ausreichen, um zwei Millionen Eichensetzlinge anzuziehen“, sagt Förster Preuß. Mit diesen Pflanzen können neue Eichenwälder in der Größe von 350 Fußballfeldern entstehen. Die natürliche Verbreitung der Eicheln erfolgt häufig über Eichelhäher und Tauben. Weitere Informationen zum Forstsaatgut unter www.fsb-oerrel.landesforsten.de .