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Amira Harrabi beteiligt sich beim „Fest der Spiele“ mit einem Kursus zu orientalischem Bauchtanz. Sie präsentiert damit eines von rund 40 verschiedenen Angeboten in der Volkshochschule. Foto: t&w
Amira Harrabi beteiligt sich beim „Fest der Spiele“ mit einem Kursus zu orientalischem Bauchtanz. Sie präsentiert damit eines von rund 40 verschiedenen Angeboten in der Volkshochschule. Foto: t&w

Lüneburg feiert ein „Fest der Spiele“

ap Lüneburg. Gummitwist kennen die meisten aus ihrer Kindheit. Ein Gummiband wird um die Füße zweier Personen gespannt und gedehnt. Jetzt kann es losgehen: In den Zwischenraum, über, auf und mit dem Band wird gesprungen – es gibt viele verschiedene Rhythmen. Aber wo kommt dieses einst so beliebte Kinderspiel eigentlich her? In Äthiopien sagen die Menschen: „Von uns!“. In Russland sagen sie: „Von uns!“. Und auch Deutschland und Brasilien reklamieren den Ursprung für sich. Ein Spiel, viele Kulturen – das war jetzt auch die Leitidee eines Nachmittags an der Volkshochschule. „Komm, spiel mit mir!“war ein „Fest der Spiele“ für und mit Migranten übertitelt. Menschen aus verschiedenen Ländern zeigten traditionelle Spiele, Tänze und Bräuche aus ihrer Heimat.

„Heute ist ein Tag, um sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ein Austausch mit Leichtigkeit, Freude und friedlicher Atmosphäre“, sagt Gerhard Cassens, Leiter der Volkshochschule. Bei der interkulturellen Begegnung geht es bunt zu: Aus 20 Ländern werden um die 40 verschiedene Spiele und Tänze präsentiert. Ob Breakdance aus den USA, Sackhüpfen aus Venezuela, orientalischer Bauchtanz, Piñata-Schlagen aus El Salvador oder Tikkapeli aus Finnland, was in Deutschland als „Darts“ bekannt ist – das Fest findet regen Anklang.

Für Petra Güntner, Vorsitzende des Integrationsbeirates von Stadt und Landkreis Lüneburg, sind die Spiele ein „Ausdruck der Freude am Leben“. Das Gremium veranstaltet das Fest zusammen mit der VHS im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zusammen in Vielfalt“. „Es ist unser Wunsch, dass die Leute miteinander ins Gespräch kommen und gerade aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen ihre Nachbarn kennenlernen“, sagt sie. Durch eine Förderung der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung entstand die Idee, Veranstaltungen für und mit Migranten und mit der Lüneburger Bevölkerung zu organisieren.

Luz Kroening hat mit Ecuador, Venezuela und Spanien drei Herkunftsorte. Viele der Spiele, die ihre Kindheit prägten, sind heute längst nicht mehr bekannt. „Ich möchte, dass wir wieder spielen können, ohne am Computer zu sitzen oder mit dem Smartphone zu spielen“, sagt sie und spricht mit Begeisterung von dem lateinamerikanischen Angebot, das an diesem Nachmittag sehr gut angenommen wird.

Auch Nabir aus Syrien hält das „Fest der Spiele“ für eine tolle Idee: „Die Menschen müssen lächeln, sich entspannen. In Lüneburg sind so viele neu, sie kennen die Menschen und die Stadt nicht – da sind Wände. Lasst uns diese Wände einfach durchbrechen und lächeln“, sagt der junge Mann.

Für jedes Spiel, das ausprobiert wurde, erhalten die Teilnehmer einen Stempel, zum Ende der Veranstaltung gibt es dafür ein Geschenk. Auch ohne eine materielle Motivation wird Raum für Raum inspiziert, die Trommler aus Kamerun im dritten Stock sind bis zu den Schachspielern im Erdgeschoss zu hören. Ohne große Skepsis wird gefragt, ausprobiert und gleichzeitig Neues kennengelernt.

„Die Migranten, die Asylbewerber, die Flüchtlinge kommen aus ganz unterschiedlichen Kulturen, es ist wichtig, dass sie sich kennenlernen“, findet Gerhard Cassens. Beim „Fest der Spiele“ sorgte unter anderem die Diskussion über die Herkunft des Gummitwists dafür, dass die Menschen aus verschiedenen Ländern merkten, dass sie sich doch nicht so unähnlich sind.

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