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Benny Mierke lässt in einem Aufenthaltsraum der Jugendherberge ein Panorama vom Platz Am Sande entstehen. Foto: t&w
Benny Mierke lässt in einem Aufenthaltsraum der Jugendherberge ein Panorama vom Platz Am Sande entstehen. Foto: t&w

Die Chance für eine Zukunft

ca Lüneburg. Benny Mierke hat einige „Maßnahmen“ durch, wie viele weiß er gar nicht mehr genau. Aber das hier ist etwas anders für den jungen Mann: „Das ist das Beste, was ich je gemacht habe. Ich kann Ideen vorschlagen, kann machen, was ich möchte und bekomme Unterstützung.“ Mierke malt in einem Aufenthaltsraum der Jugendherberge ein Wandgemälde vom Platz Am Sande, Schnecken- und Treppengiebel reihen sich aneinander, er blickt stolz auf sein Werk.

Seit Juli macht Benny mit bei LüProWerk, das steht für Lüneburger Projekt-Werkstatt und soll helfen, junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren einen Weg in den regulären Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Denn auch wenn die Arbeitslosenzahlen sinken, bleibt ein hoher Prozentsatz von Menschen, die sich über Jahre durch Trainingsangebote der Arbeitsverwaltung und HartzIV-Finanzierung hangeln.

Das neueste Angebot wird wieder von Michael Raykowski für die sozialen Träger Neue Arbeit und Job.sozial organisiert. Sie haben in der Vergangenheit beispielsweise Ewer- und Prahm-Bau sowie die Instandsetzung der Bahnstrecke von Lüneburg nach Bleckede für die Museumsbahn umgesetzt. Eine ganze Reihe der Teilnehmer hat es geschafft, durch diese Projekte einen regulären Job zu finden.

Raykowski und Projektleiterin Andrea Exner verfolgen nun einen neuen Ansatz: Die 15 Teilnehmer können ihren Schwerpunkt bei eigenen Interessen setzen und haben ein halbes Jahr Zeit, die Idee umzusetzen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Eine junge Frau produziert ein Tanzvideo, eine andere ein Hörbuch und ein Teilnehmer arbeitet an einer aufwendigen Homepage für das Internet. Ziel: Aus einer Vorstellung muss am Ende ein konkretes Ergebnis werden. Jeder muss technische Voraussetzungen mitbringen, muss Ansprechpartner finden, die ihn unterstützen, muss vielleicht auch feststellen, dass nicht alles auf Anhieb klappt, dann seinen Frust überwinden und am Ball bleiben. Im zweiten Halbjahr geht es darum, Praktika in Betrieben zu machen und so möglichst eine Stelle zu finden.

Das klingt für viele selbstverständlich, ist für andere aber gar nicht einfach, weiß der zuständige Arbeitsvermittler Jan Kandler: „Manchem fehlt die Orientierung.“ Vor allem, wenn sie als Schulabbrecher ohne Ausbildung dastehen, möglicherweise Schulden vor sich herschieben oder mangels Geld um ihre Wohnung fürchten müssen. Der Ansatz scheint überzeugend. Andrea Exner berichtet, dass es 300 Bewerbungen um Fördergeld gab, nur 120 Vorhaben bekommen nun Zuschüsse. Geld fließt im Rahmen der Initiative Integration statt Ausgrenzung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) in Abstimmung mit dem Bundesarbeitsministerium sowie mit dem Job-Center und der Agentur für Arbeit. Kooperationspartner sind Sozialbehörden bei Stadt und Kreis. Eine Auswertung übernimmt die Uni.

Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt, jedes halbe Jahr beginnen 15 neue Interessenten. Der Vorteil: Selbst wer nach einem Jahr fertig ist, dann aber doch noch mal einen Ansprechpartner benötigt, kann sich so an Sozialpädagogen wie Markus Gutt wenden und Zuspruch erhalten.

Für Benny Mierke ist Gutt der richtige Mann. Denn der Sozialarbeiter ist auch gelernter Maler und weiß Rat, wenn es um das Bild in der Jugendherberge geht. Und Gutt motiviert. Denn Benny glaubt an seine Chance. Er weiß, sein großes Übergewicht ist ein Hindernis, Chefs trauen ihm nicht viel zu. Doch jetzt klopfen ihm Gäste in der Jugendherberge anerkennend auf die Schulter. „Ich seh, dass ich etwas kann“, sagt der junge Mann. Er werde es schaffen, einen Ausbildungsplatz zu finden als technischer Zeichner oder Schriftgestalter.

Wer Praktikumsplätze anbieten kann, erreicht Michael Raykowski unter Tel.6996072.